Europäischer Staatsanleihenmarkt – Struktur, Charakteristika und Gefahrenherde (Teil 1)

03. Apr 2015 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Dass die Zinsen historische Tiefststände erreicht haben, ist hinlänglich bekannt. Die Notenbanken haben in den vergangenen Monaten die Märkte mit viel Liquidität versorgt und das Fundament für ein Umfeld anhaltend tiefer Zinsen gelegt. In diesem Blog-Beitrag möchte ich mich mit dem europäischen Staatsanleihenmarkt tiefergehend befassen. Als Basis dient der „Effas Europa > 1 Jahr“ – ein Index, der sämtliche europäische Staatsanleihen in Euro mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr zusammenfasst.

 

Abbildung 1: Länderaufteilung – Effas Europa (> 1 Jahr)

Quelle: Bloomberg, Security KAG (April 2015)

 

Die größten Emittenten sind  Italien (23,95%), Frankreich (22,84%) und Deutschland (18,44%). Österreichs Anteil beträgt 3,84%. Interessant ist aus meiner Sicht auch die Verteilung der Renditen.

 

Abbildung 2: Verteilung der aktuellen Renditen)

Quelle: Bloomberg, Security KAG (April 2015)

 

Wie in der Abbildung ersichtlich, weisen gegenwärtig rund 25% aller europäischen Staatsanleihen (Effas Europa > 1 Jahr) eine negative Rendite auf. Damit hat in den vergangenen Jahren an den Zinsmärkten ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Vor nicht allzu langer Zeit war noch das Credo vorherrschend, dass spätestens bei einem Zinssatz von Null Schluss sein sollte. Mittlerweile kommt es mir vor, dass der Zinssatz lediglich eine Zahl repräsentiert und von der Interpretation seiner Ursprungsdefinition – für das Leihen von Geld bekommt man als Ertrag einen Zins – weitestgehend abweicht.

 

Abbildung 3: Rendite versus Duration)

Quelle: Bloomberg, Security KAG (April 2015)

 

In diesem Umfeld ist es nicht verwunderlich, dass Staaten gegenwärtig versuchen, sich das für den Emittenten günstige Zinsumfeld durch das Emittieren möglichst langer Laufzeiten einzufrieren. Aufgrund dessen haben sich in den vergangenen Jahren die durchschnittlichen Kapitalbindungsdauern (= Duration) der einzelnen Länderindizes deutlich erhöht. Wie in der Abbildung ersichtlich, weist Österreich (Effas Österreich) gegenwärtig eine Duration von 8 Jahren aus. Ein Investor, der analog zum Index sein Portfolio zusammenbaut, wird mit einer Rendite von 0,43% „belohnt“. Südliche Länder, die in der Vergangenheit häufig durch negative Schlagzeilen aufgefallen sind, weisen tendenziell eine kürzere Duration auf als ihre nördlichen Pendants. Im Vergleich zu den europäischen Staatsanleihen habe ich Ihnen in der Grafik auch ein international ausgerichtetes Portfolio dargestellt, welches aus Anleihen von Emittenten mit guter Bonität (AA-Rating) aus dem G-7-Währungsbereich bestückt ist. Hierbei wird der Mehrwert einer „Internationalisierung“ offensichtlich. Bei deutlich besserem Rating und kürzerer Zinsbindungsdauer bekommt man die gleiche Rendite wie für portugiesische Staatsanleihen.

 

In meinem nächsten Blog-Beitrag werde ich mich diesem Thema mit weiterführenden Analysen widmen…

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at