Die Charakteristik eines Aktien-/Anleihenindex – Teil 1

27. Mär 2015 | Blog

VON Alfred Kober

Wir kennen Sie aus den täglichen Nachrichten und von unserer Arbeit im Portfoliomanagement. Kryptische Abkürzungen wie ATX, DAX, Dow Jones Industrial Index und viele mehr beherrschen je nach Börsenverfassung die Wirtschaftsschlagzeilen dieser Welt. Gemeint sind dabei natürlich Aktienindizes, die als allgemeiner Gradmesser das tägliche Geschehen an den internationalen Aktienbörsen widerspiegeln. Für gewöhnlich erfolgt die Auswahl der Einzelaktien, aus denen sich schlussendlich ein Index zusammensetzt, nach Kriterien wie des Börsenwertes, der Unternehmensgröße, sowie der sektoralen und geografischen Zuordnung. Im Regelfall bestimmt jedoch die Marktkapitalisierungsgröße des Titels das Gewicht in einem Aktienindex.

 

Weniger in der Öffentlichkeit präsent, allerdings vor allem für die Veranlagungsseite nicht unwesentlich von Bedeutung, ist die Spezies der Anleihenindizes. Indexanbieter orientieren sich dabei zumeist ebenso am Kapitalisierungsgrad der emittierten Anleihen, fassen diese in Portfolios zusammen und erheben auf deren Basis regelmäßige Indexwerte. Die Orientierung nach Kapitalisierungsgrad impliziert dabei den direkten Zusammenhang zwischen Schuldenvolumen eines Emittenten, beispielsweise eines Staates und dessen Gewichtung im Index. Insofern sind tendenziell Länder überproportional im Index vertreten, die auch einen hohen Verschuldungsgrad ausweisen. Die nachstehende Grafik aus dem Jahr 2013 gibt einen rudimentären Überblick über die größeren Anleiheemittenten.

 

Abbildung 1: Länderkonzentrationen in kapitalisierungsgewichteten Anleiheindizes

Quelle: Citi, Research Affiliates, LLC, 2013

 

Insofern sind sich die Gewichtungsausrichtungen von Aktien und Anleihenindizes sehr ähnlich. Diese scheinbar rationale und objektive Anlehnung nach Kapitalisierungsgröße bringt allerdings auch seine Nachteile mit sich, die vorwiegend dem Investorenverhalten zuzuschreiben sind und sich immer wieder in zwischenzeitlichen Gewichtungskonzentrationen einzelner Titel, Sektoren oder auch Länder manifestieren. Dieses Thema möchte ich in einem weiteren Blog gesondert behandeln.

 

Trotz der möglichen negativen Aspekte sind die positiven Merkmale der Indexgewichtung nach Marktkapitalisierung nicht von der Hand zu weisen. Im Wesentlichen spiegeln sie die Börsenaktivität sowie die Liquiditätscharakteristik wider, die in erster Linie für den institutionellen Investor von Bedeutung sind. Des Weiteren sind sie einfach zu verstehen und genießen einen hohen Wiedererkennungswert. Die Nachteile dieser Popularität sind jedoch ebenfalls mannigfaltig und rücken unter den Investoren nun zusehends in den Vordergrund.

 

Während ein hoher Diversifikationsgrad aufgrund der Titelanzahl in breiten Indizes nicht von der Hand zu weisen ist, ist die zugrundeliegende Titelkonzentration in vielen Indizes recht stark ausgeprägt. So ist es nicht ungewöhnlich, dass wenige große Titel einen hohen Anteil des Gesamtindex vereinnahmen. Der österreichische ATX ist ein typischer Kandidat für die beschriebene Charakteristik - Erste Group Bank, Andritz, OMV und voestalpine vereinnahmen aktuell ziemlich genau 50% des Indexportfolios.

 
Marktkapitalisierungsgewichtete Indizes sind somit trotz hoher Mitgliederanzahl in ihrer Eigenschaft oft überproportional konzentriert und zumindest zwischenzeitlich nicht optimal diversifiziert. Die folgende Grafik veranschaulicht die aktuelle Gewichtungsverteilung am Beispiel eines bekannten und mit über 600 Titeln sehr breit diversifizierten US-Aktienindex (Grafik II). Der linke Chart veranschaulicht in eindrucksvoller Weise diese Verteilung. Während der größte Titel mit knapp 4% gewichtet ist, liegt die Indexpräsenz von 585 Werten unter der 0,5%-Schwelle. Der zweite Chart soll Aufschluss über die Konzentration der größten Werte geben. So nehmen die 10% der größten Titel im Indexportfolio (63 Aktien) eine Indexgewichtung von beinahe 50% ein.

 

Abbildung 2: Gewichtungsverteilung

Quelle: Security KAG

 

Im Teil 2 dieser Blogserie möchte ich die möglichen Alternativen zur herkömmlichen Kapitalisierungsgewichtung durchleuchten und dabei vor allem eine recht einfache und interessante Variante näher durchleuchten.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: alfred.kober@securitykag.at