Kredit - du Ausgeburt einer neoliberalen Hydra!

18. Sep 2015 | Blog

VON Stefan Winkler

Ich dachte einmal, bei einem Kredit leiht jemand einem anderen Geld; beschämend im Nachhinein! Aber wie konnte ich auch ahnen, dass dieses monströse Etwas den Lebenssaft aus Staaten saugt und sogar die nicht minder gefährliche Schwester Wirtschaftswachstum auffrisst. Kein Pardon, so ein Kredit ist ein übler Geselle.


Unlängst spürte ich wieder das Monster in meinem Nacken, als ich mir eine entsprechende Doku im Qualitätsfernsehen ansah. Wie immer, wenn der Schauder derart intensiv grüßen lässt, muss ich abschalten und nachdenken. Der Trick hat ein Muster: Unscheinbar beginnend mit kleinen Beträgen zieht der Kredit sein Opfer (den arglosen Schuldner) immer stärker in seinen Bann. Dieser, nun verdammt zu sinnlosen Ausgaben, giert nach höheren Dosen, bis die Zinsen die Rückzahlungskapazitäten sprengen. Beweise gefällig? Griechenland und rot gefärbte Grazer Fußballclubs sollten reichen. Willige Schergen sind Banker, die Schuldnerjunkies mit Nachschub versorgen, um sie willfährig zu halten. Beliebte Opfer sind ganze Staaten, weil der Bürger den Dealer immer bezahlt. In Fachkreisen spricht man aber von Staatsgarantien, weil das Verteilerzentrum Bank ohnehin nicht über den Jordan geschickt werden kann.


Schlimm, der Kredit hüllt sich in tarnende Gewänder und noch schlimmer: Ich bin nicht immun! Denn etwa hier, das war der Zeitpunkt, bei dem ich dem Drang abzuschalten nicht mehr widerstehen konnte, schlichen sich besorgniserregende Zweifel bei mir ein. Verschwörungstheorien entstanden in meinem Kopf. Gedanken wie: „Es stimmt gar nicht, dass Staaten nicht Konkurs gehen können.“, „Der Kredit hat gar kein Eigenleben, sondern ist nur einfaches Hilfsmittel unverantwortlicher Entscheidungsträger.“ oder „Griechenland und der GAK wurden gar nicht vom Monster gefressen, sondern haben einfach Geld verpulvert, dass sie nicht hatten.“ machten sich breit. Sogar die berühmte 90%-Marke, bei der Staaten über die Klinge springen, weil der Zins unbezahlbar wird, begann zu wanken. „Wie kann Japan mit fast 250% Staatsverschuldung in Relation zum BIP noch existieren, wenn…?“


Jetzt ist aber Schluss! Es wäre unverantwortlich, Sie noch stärker an diesen Zweifeln teilhaben zu lassen! Und ich verspreche Ihnen, umgehend wieder Wirtschaftsforen in Qualitätszeitungen und Wirtschaftsberichte im Qualitätsfernsehen zu konsumieren, um mich wieder zu besinnen!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.winkler@securitykag.at