Des Häuslbauers Freud, des Sparers Leid

30. Okt 2015 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Wir befinden uns in einer absoluten Tiefzinsphase. Davon können Sparer eine traurige Ballade und Kreditnehmer ein freudiges Loblied singen. Die Notenbanken rund um den Globus versuchen durch  „innovative“ Maßnahmen der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Wer hätte sich vor ein paar Jahren vorstellen können, dass eine Bank „Strafzinsen“ zahlen muss, wenn sie ihr Geld bei der EZB parkt. Jüngste Analysen belegen, dass trotz des „billigen“ Geldes noch kein Investitionsboom ausgebrochen ist. Das liegt vor allem am verhaltenen Ausblick der Unternehmen und der schlechten Stimmung. Auf dieser Basis werden (teils nötige) Investitionen zurückgehalten und vermehrt Cashbestände aufgebaut.

 

Neben den Banken sind auch die Sparer und Anleger von der Niedrigzinsphase massiv betroffen. Im gegenwärtigen Umfeld ist es nahezu unmöglich, „risikolos“ den realen Wert des Geldes erhalten zu können. Insofern sind wir als Kapitalanlagegesellschaft durchaus gefordert, entsprechende Lösungen anzubieten. Bei den uns anvertrauten Geldern setzen wir verstärkt auf eine „Internationalisierung“ im Rahmen unserer E-FIXIS Strategie, um unterschiedlichste Zinskurvenformen verstärkt ausnützen zu können.

 

Zu den Profiteuren der Niedrigzinsphase gehören zweifelsohne die Kreditnehmer, denen das Fremdkapital nahezu nachgeschmissen wird. Irgendwie auch aus Bankensicht verständlich, wenn auf der anderen Seite sonst Strafzinsen zu bezahlen sind. Durch das „billige“ Geld haben sich die Immobilienpreise deutlich erhöht. Gerade in den Metropolen – egal ob London, Frankfurt, München oder auch Wien – sind die Immobilienpreise über Jahre stark angestiegen. In München beispielsweis gehen 100 Quadratmeterwohnungen durchschnittlich mit 650.000 Euro über den Tisch. Das entspricht einem Anstieg von 50% gegenüber dem Jahr 2011.

 

Aber auch andere Länder sind von dieser Entwicklung betroffen. Dänemark hat die Landeswährung an den Euro gekoppelt. Um das aufrecht halten zu können, haben die Dänen heuer bereits dreimal den Leitzins auf gegenwärtig minus 0,75% gesenkt. In Dänemarks Hauptstadt sind die Immobilienpreise seit der erstmaligen Einführung von Strafzinsen im Jahr 2012 um 40% bis 60% nach oben geklettert. Viele sprechen bereits von einer „hausgemachten“ Immobilienblase, die relativ rasch platzen könnte.

 

Der Economist analysiert quartalsweise die Entwicklung der Häuserpreise für 26 Länder. Durchschnittlich sind die Häuserpreise in 21 Ländern durchschnittlich um 4,7% auf Jahresbasis angestiegen (Median). Lediglich in China, Singapur und den Euroländern Frankreich, Griechenland und Italien sind die Preise gefallen.

 

Abbildung: Entwicklung Immobilienpreise

Quelle: Economist

 

In der Abbildung sind einige Länder exemplarisch dargestellt (Österreich wird leider in der Economist-Statistik nicht erfasst). Japan kämpft seit mehr als 25 Jahren mit niedrigen Wachstumsraten und deflationären Tendenzen. Der Housing-Price-Index ist im Referenzzeitraum knapp 40% gefallen. Sollte auch Europa sein „Japan-Szenario“ erleben, sind sinkende Immobilienpreise trotz einer expansiven Notenbankpolitik nicht auszuschließen.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at