Ist Bargeld noch zeitgemäß?

26. Feb 2016 | Blog

VON Josef Obergantschnig

In den vergangenen Monaten ist immer wieder die Diskussion um die Zukunft des Bargelds entbrannt. In einigen Ländern wie z.B. in Italien wurden bereits gesetzliche Obergrenzen eingeführt. Bei einem Überschreiten der Höchstgrenzen müssen die offenen Rechnungen elektronisch beglichen werden. Befürworter streben damit eine Korruptionsbekämpfung an, wohingegen sich Bargeldliebhaber in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen.


Abbildung: Höchstgrenzen für Bargeld

Quelle: www.eu-verbraucher.de

 

Das Thema des Geldes ist ein sehr leidenschaftliches. In den letzten Wochen hat das Thema allerdings auch in Europa durchaus an Fahrt aufgenommen. Die EU-Finanzminister streben eine einheitliche Bargeldobergrenze an. In der Europäischen Zentralbank wird darüber diskutiert, den 500-Euro-Schein abzuschaffen, da dieser laut EZB-Präsident Mario Draghi „ein Instrument für illegale Aktivitäten“ sei. Auch in der Frage von Bargeldobergrenzen ist Europa wenig überraschend ein Fleckerlteppich. Währen d in Österreich oder Deutschland (noch) keine gesetzliche Obergrenze eingeführt wurde, liegt sie beispielsweise in Frankreich bei 1.000 bzw. in Italien bei 3.000 Euro. Der deutsche Bundesbankpräsident ist allerdings keinesfalls davon überzeugt, dass ein Verbot von größeren Bargeldtransaktionen illegale Aktivitäten unterbindet. Bei der Frage, inwieweit sich die Einführung von Bargeldobergrenzen als ein Instrumentarium zur Korruptionsbekämpfung eignet, scheiden sich die Geister.

 

In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage nach Banknoten sukzessive angezogen. Laut Europäischer Zentralbank befinden sich aktuell 18,23 Milliarden Geldscheine im Umlauf. Vor 10 Jahren waren es nur 9,83 Milliarden Geldscheine – damit ist die Anzahl der Geldscheine zwischen Jänner 2006 und Jänner 2016 um 85% angewachsen – das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 6,4%.

 

Abbildung: Im Umlauf befindliche Banknoten (2006-2016)

Quelle: EZB

 

Die beliebteste Banknote ist der 50-Euroschein, welcher 44,8% aller in Umlauf befindlichen Banknoten repräsentiert. Der 200-Euroschein ist mit lediglich 205 Millionen Banknoten im Vergleich zu anderen Stückelungen unterrepräsentiert.

 

Abbildung: EUR-Banknoten im Umlauf – Jänner 2016

Quelle EZB, eigene Darstellung

 

Der Geldwert der 18,3 Milliarden Banknoten beträgt stolze 1.602.612.490.985 – also 1,6 Billionen Euro. Die Gesamtbevölkerung der Euro-Zone beträgt 338 Millionen Einwohner. Damit entfallen pro Einwohner 54 Banknoten im Gegenwert von rund 3.140 Euro. In Bezug auf den Geldwert kommt auch dem 50-Euro-Schein die größte Relevanz zu. Der Gegenwert der 500-Euro-Note, also jene Banknote, die von vielen als Instrumentarium für illegale Aktivitäten angesehen wird, beträgt mehr als 300 Milliarden Euro.

Das Bargeld erfreut sich also auch in Zeiten des elektronischen Zahlungsverkehrs großer Beliebtheit. Aber auch in diesem Punkt gibt es große Divergenzen. In Schweden, dem ersten Land Europas, das im Jahre 1661 Geldscheine einführte, kommt dem Bargeld im Jahre 2016 nur mehr eine geringe Bedeutung zu. In fast keinem Land der Welt wird weniger mit Bargeld gezahlt als im einstigen „Pionierstaat“ – ganz egal, ob die Semmeln beim Bäcker, der Espresso beim Italiener um die Ecke oder die Tageszeitung in der Trafik – bezahlt wird schwerpunktmäßig elektronisch. Im Jahre 2014 bezahlte jeder Schwede durchschnittlich 269-mal per Karte, womit das skandinavische Land in dieser Kategorie weltweit den Spitzenplatz belegt. Im Referenzjahr wurden lediglich 20% der Einkäufe mittels Cash bezahlt – im Vergleich dazu betrug die Quote 2010 immerhin noch 39%.

 

Im Gegensatz dazu lieben beispielsweise Japaner Bargeld noch über alles. Die im Umlauf befindlichen Banknoten repräsentieren 18% der realen Wirtschaftsleistung und damit mit Abstand den höchsten Wert aller Industrieländer. Im Vergleich dazu liegt der Wert in der Eurozone bei rund 10,5%. Jeder Japaner „besitzt“ durchschnittlich Banknoten im Gegenwert von 5.900 Euro und immerhin noch 38% aller Transaktionen von Privatkunden werden noch mit Bargeld beglichen.

 

Gefühlsmäßig ist auch dem Österreicher das Bargeld „heilig“, obwohl auch in der Alpenrepublik der elektronische Zahlungsverkehr immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Abschließend möchte ich noch auf ein paar Erkenntnisse aus der von der Österreichischen Nationalbank beauftragen Umfrage aus dem Vorjahr eingehen. Immerhin neun von zehn Österreichern über 15 Jahre besitzen eine Zahlungskarte - in praktisch allen Fällen handelt es sich dabei um eine Bankomatkarte.

 

Abbildung: Besitz von Zahlungskarten

Quelle: OeNB

 

Im Rahmen der OeNB-Erhebung wurde auch abgefragt, mit welchen Zahlungsmitteln die Österreicher üblicherweise ihre Einkäufe bezahlen.

 

Abbildung: Übliches Zahlungsmittel bei Einkäufen

Quelle: OeNB

 

Laut den vorliegenden Ergebnissen wird im Bereich der Gastronomie und beim Friseur noch bevorzugt mit Bargeld bezahlt, wobei beim größeren Wocheneinkauf im Supermarkt oder (sofern noch vorhanden) beim Greißler um die Ecke bereits viele ihre Rechnungen bargeldlos begleichen.

 

Abbildung: Nutzung von kontaktlosen Zahlungsmitteln

Quelle: OeNB

 

Interessant ist auch eine Analyse hinsichtlich der altersspezifischen Nutzung von kontaktlosen Zahlungsmitteln. 16% der Österreicher zahlen zumindest einmal pro Woche kontaktlos, wohingegen 16% diese Funktion aber noch nie benutzt haben. Auffallend ist zudem, dass mit sinkendem Alter die Frequenz der Verwendung stark zunimmt.

 

Abbildung: Wichtige Eigenschaften von Zahlungsmitteln

Quelle: OeNB

 

Den Umfrageteilnehmern war zu 79% wichtig, dass die Zahlung einfach und praktisch über die Bühne geht. Die Anonymität ist nur mehr für 53% von besonderer Bedeutung. Auch hier wird die Niedrigzinsphase offensichtlich – nur mehr 31% der Befragten ist es wichtig, dass größere Zahlungen erst später vom Konto abgebucht werden. In diesem Umfeld ist der „Zinsvorteil“ de facto nicht mehr evident.

 

Wenn ich mein persönliches Einkaufverhalten heranziehe, ist mir neben der Anonymität auch noch ein weiterer Punkt wichtig. Es geht dabei um einen rein psychologischen Effekt. Man gibt auf elektronischem Wege das Geld viel leichter aus als mittels Barzahlung. Die Begleichung von 127,01 Euro in bar – beispielsweise mit einer 100-Euro-Note und drei 10-Euro-Noten fällt „schwerer“ als die Begleichung mittels Bankomat- oder Kreditkarte. Einmal schnell durchziehen und das war es! Insofern ist es, meiner Ansicht nach, gerade für jüngere Menschen wichtig, auch wirklich Geld in die Hand zu nehmen, um offene Rechnungen zu begleichen.

 

Frei nach dem Motto: Nur Cash macht fesch!   

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at