Österreich – Jammern auf hohem Niveau!

06. Jun 2016 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Der Ort der Geburt und des sozialen Umfeldes sind wesentliche Eckpfeiler für den Lebensweg eines Menschen. Wenn man das Glück hat, in einem reichen und friedlichen Land auf die Welt zu kommen, hat man im Vergleich zu jenen, die in einem armen Land auf die Welt kommen, einen gewaltigen Startvorteil. Eine deutlich längere und gesündere Lebenserwartung, mehr ökonomische Möglichkeiten, eine bessere Ausbildung und in weiterer Folge auch größere Chancen im Berufsleben. Im Zuge einer Datenrecherche bin ich auf einen interessanten Ansatz gestoßen, genau jene Werte im Rahmen des „Quality of Nationality Index (QNI)“ zu messen und einzelne Länder und Regionen damit vergleichbar zu machen. Im Rahmen der Indexgestionierung werden sowohl die Bedingungen innerhalb eines Landes (internal value) als auch die Möglichkeit und Freiheit, in anderen Ländern zu arbeiten oder zu wohnen (external value) abgedeckt.

 

Abbildung: Indexmethodik

Quelle: nationalityindex.com (Henley & Partners)

Im Rahmen der Indexzusammenstellung werden interne Faktoren in drei Subsegmente untergliedert und mit 40% gewichtet. Die vier Subsegmente der externen Faktoren fließen mit einer Gewichtung von 60% in den Quality of Nationality Index ein.

 

Abbildung: Quality of Nationality Index

Quelle: nationalityindex.com (Henley & Partners)

 

Europäische Länder, die USA, Kanada und Australien konnten im Rahmen der Analyse die besten Werte aufweisen, wohingegen vor allem afrikanische und asiatische Länder deutlich hinterherhinken. Österreich bietet seinen Bürgern im globalen Vergleich gute Möglichkeiten und konnte im Gesamtranking den 6. Platz belegen. Das Ranking wird von europäischen Ländern dominiert und von Deutschland, Dänemark und Finnland angeführt. Die USA konnte als bestes nichteuropäisches Land den 28. Platz belegen. Australien belegt den 33. Platz von 161 analysierten Ländern. Das Schlusslicht bilden Afghanistan und Kongo.


Abbildung: Verteilung der Ergebnisse

Quelle: nationalityindex.com (Henley & Partners), Eigene Darstellung


Im Rahmen einer Gesamtanalyse ist festzuhalten, dass 60% der untersuchten Länder ihren Bürgern positive Rahmenbedingen bieten, wohingegen rund 23% der Rubrik „low quality“ zuzuordnen sind.

 

Abbildung: Stärken/Schwächen Analyse Österreich

Quelle: nationalityindex.com (Henley & Partners)

 

Österreich konnte abgesehen des Clusters „Economic Strength“ ein sehr beachtliches Ergebnis und in den verbleibenden 6 Clustern sehr gute Ergebnisse erzielen.

 

Abbildung: Stärken/Schwächen Analyse Österreich

Quelle: nationalityindex.com (Henley & Partners)

 

Interessant ist es auch, Österreich mit den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und China, dem Wachstumskaiser des letzten Jahrzehnts, zu vergleichen. Österreich konnte sich im Gesamtranking mit 81% deutlich vor den USA (63,5%) und China (37,4%) durchsetzen. Die USA bieten ihren Bürgen unbegrenzte wirtschaftliche Möglichkeiten, weisen aber in den Clustern „Weight of settlement freedom“, „Diversity of settlement freedom“ und „Stability and peace“ ein schlechtes Ergebnis auf. China weist ebenso wie die USA relativ hohe wirtschaftliche Möglichkeiten auf. Zudem konnten auch die Cluster „Human Development“ und „Stability and peace“ ein beachtliches Ergebnis aufweisen. Bei den verbleibenden vier Clustern weist China allerdings ein vergleichsweise sehr schlechtes Ergebnis auf.

 

Europa, vor allem Österreich, steht im internationalen Wettbewerb mit anderen Ländern und Regionen gut da und bietet seinen Bürgern sehr gute Rahmenbedingungen. Ich empfinde es nach wie vor als Privileg, in Österreich geboren zu werden. Die Stimmung ist allerdings tendenziell sehr negativ und das Jammern hat Hochkonjunktur. Das beruht meiner Ansicht nach vor allem auf der wirtschaftlichen Unsicherheit, der Flüchtlingskrise, der steigenden Arbeitslosenzahlen und vor allem dem häufig vorherrschenden Gefühl, dass es in Zukunft nur mehr schlechter werden kann. Es gibt sicherlich viel zu tun und politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger sind angehalten, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Österreich im Vergleich zu anderen Ländern nicht sukzessive an Boden verliert. Es ist allerdings auch festzuhalten, dass Österreichs Bürger zu jenen zählen, die in ihrem Leben Rahmenbedingungen vorfinden, die ihnen viele Chancen ermöglichen. Es liegt an jedem Einzelnen, diese auch bestmöglich zu nutzen!

 

 

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