Luftverschmutzung stinkt und kostet!

16. Jun 2016 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Die OECD hat Anfang Juni eine interessante Studie mit dem Titel „The economic consequences of outdoor air pollution“ veröffentlicht und damit den Nerv der Zeit getroffen. Es wird häufig sehr kurzfristig gedacht. Politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger ordnen häufig dem aktuellen BIP-Wachstum und den nächsten Quartalszahlen alles unter. Für eine langfristige, strategische Ausrichtung eines Landes oder eines Unternehmens bleibt oft nicht genug Zeit. Ich bin davon überzeugt, dass sich gerade in diesem Aspekt die Spreu vom Weizen trennt und die langfristige Konkurrenzfähigkeit, ganz egal ob als Staat oder als Unternehmen, nur mit einem konsequenten, strategischen Vorgehen aufrechterhalten lässt.

 

Insofern finde ich es gut, dass die OECD mit ihrer Studie – auch wenn es sich „nur“ um langfristige Prognosen handelt – versucht, die Kosten der Luftverschmutzung in Zahlen zu fassen und damit Entscheidungsträgern auch die ökonomischen Folgen offenlegt. Im Wesentlichen können die Kosten in zwei Bereiche zusammengefasst werden. Im ersten Cluster werden die direkten Kosten  Gesundheit, Arbeitsmarkt und Landwirtschaft zusammengefasst. Zudem weisen die Autoren auch darauf hin, dass zur ganzheitlichen Betrachtung auch die „Non-Market-Costs“ - in diesem Bereich sind die Auswirkungen auf die Lebenserwartung, sowie die Gesundheit der Bevölkerung zusammengefasst – zu berücksichtigen.

 

Abbildung: Anzahl der Todesopfer durch Luftverschmutzung in Millionen Menschen

Quelle: OECD

 

Laut Analysen der OECD wird sich die Anzahl der Todesopfer durch Luftverschmutzung von 3 Millionen im Jahr 2010 bis zum Jahr 2060 verdoppeln bis verdreifachen. Die Autoren weisen darauf hin, dass ein Teil des prognostizierten Anstieges auch auf die steigende Lebenserwartung zurückzuführen ist. Besonders stark betroffen sind China und Indien. Auch hinsichtlich der Regionen sind deutliche Unterschiede zu beobachten. Während die Anzahl der Todesopfer in Europa (EU large 4) zurückgeht bzw. in den USA stagniert, wird für Japan und Südkorea ein starker Anstieg prognostiziert. Dies ist damit zu begründen, dass die großen Luftverschmutzer geografisch nicht weit entfernt angesiedelt sind.

 

Abbildung: Auswirkungen auf die Gesundheit

Quelle: OECD

 

Die stetig zunehmende Luftverschmutzung hat auch langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Wie in der Tabelle ersichtlich, wird die Anzahl der typischen Krankheiten wie Asthma oder Bronchitis bei Kindern und Jugendlichen deutlich zunehmen. Mit der geringeren Produktivität der Arbeitskräfte – laut Prognosen ist ein deutlicher Anstieg der „restricted activity days“ zu beobachten - sind auch ökonomische Folgen verbunden.

 

Abbildung: Makroökonomische Auswirkungen

Quelle: OECD

 

In der Abbildung werden die Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt bis 2060 dargestellt. Laut der OECD-Prognose steigen die Kosten kontinuierlich bis ins Jahr 2060 auf 1% an. Der sinkenden Produktivität der Arbeitskräfte und dem Anstieg der Gesundheitsausgaben kommt eine größere Bedeutung zu als der landwirtschaftlichen Komponente.

 

Abbildung: Direkte versus Indirekte Kosten

Quelle: OECD

 

Interessant ist auch, dass die direkten Kosten innerhalb des Prognosezeitraums nur „unwesentlich“ ansteigen, wohingegen die indirekten Kosten sich vervielfachen.

 

Abbildung: Regionale Auswirkungen auf das Wachstum

Quelle: OECD

 

Wie in der Abbildung ersichtlich, sind die Auswirkungen in der Region „Rest of Europe & Asia“ am größten. Auffallend ist, dass durch die globalen Verschiebungen Brasilien einen positiven Wachstumsbeitrag aus dem Bereich der Landwirtschaft erwarten kann. Die Auswirkungen auf die OECD-Länder in Europa und den USA sind im kontinentalen Bereich deutlich geringer.

 

Auch wenn Prognosen nicht zwingend eintreffen, ist der Trend unbestritten. Luftverschmutzung hat nicht nur ökologische Auswirkungen auf den Planeten und die Gesundheit der Menschen, sondern auch ökonomische Langzeitfolgen. Entscheidungsträger –egal ob für Staaten oder Unternehmen – sind angehalten, den kurzfristigen „Erfolg“ einer langfristigen und strategischen Vorgehensweise unterzuordnen und damit ihrer Verantwortung gebührend nachzukommen!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at