Think positive!

02. Sep 2016 | Blog

VON Alfred Kober

In den Tiroler Bergen trifft sich dieser Tage zum wiederholten Male die internationale Wirtschafts- und Politelite, um über Zukunftsthemen zu diskutieren und philosophieren. Die 23. Folge des Forum Alpbachs steht unter dem Thema „Neue Aufklärung“. Die Gespräche spannen dabei den Bogen über die Bereiche Gesundheit, Technologie, Politik, Wirtschaft bis hin zu Finanzen. Um uns auf künftige Veränderungen vorzubereiten, sei es in privaten Angelegenheiten oder beruflichen Belangen, halten auch wir ständig Ausschau nach interessanten Themen.


Um diesen Durst zu stillen, lohnt es sich, für gewöhnlich einen gelegentlichen Blick in die Analysen der größeren Wirtschaftsberatungskanzleien zu werfen – sie werden sehen, viele dieser Publikationen sind äußerst interessant und lesenswert. So ermittelte PriceWaterhouseCoopers (PWC, 2016) in einer jährlich durchgeführten Befragung von internationalen Wirtschaftsbossen die drei Hauptthemen, die über die nächsten fünf Jahre wohl den größten Einfluss auf deren Geschäftsmodell bzw. deren Stakeholder haben werden.


Quelle: PriceWaterhouseCoopers


Das Ergebnis dieser Umfrage (Graphik 1) zeigt uns recht anschaulich die Richtung, in die wir uns in den kommenden Jahren bewegen werden. Die drastisch gesunkenen Zugangskosten zu Technologien, die Globalisierung technologischer Anwendungen und der damit verbundenen Produktivitätsverbesserungen heizen den Trend immer weiter an. Auch der von uns so liebgewonnene Komfort, den viele Produkte mit sich bringen, lässt darauf schleißen, dass die Infiltrierung vieler unserer Lebensbereiche durch technologische Gadgets noch lange nicht zu Ende ist. Die nachstehende Graphik (Graphik 2) gibt ein Abbild davon, wie sehr die Kosten für Rechenleistung, Speicher und Konnektivität gesunken sind.


Quelle: PriceWaterhouseCoopers

 

(… schon eigenartig, ich denke an dieser Stelle unmittelbar an die aktuelle Elektrifizierung unserer Fortbewegung und den schnellen Entwicklungsschritten hinsichtlich Kapazität und Kosten von Akkus.)


Zu einer ähnlichen Aussage kommt der internationale Dienstleister EY (vormals Ernst & Young), der in einer der diesjährigen Publikationen die fortschreitende Globalisierung sowie den demographischen und technologischen Wandel als treibende Kräfte für das künftige Gesellschafts- und Wirtschaftsgefüge nennt. Unter dem Einfluss dieser Elemente sieht der Berater die Evolution zahlreicher starker Trends, die prägend für die nächsten Jahre und Jahrzehnte sein könnten. Graphik 3 zeigt dieses Gerüst zahlreicher Faktoren und die Vielfalt wirklich großer Zukunftsthemen.

Quelle: EY

 

Neben der Identifikation von Trends und den genauen Erläuterungen erlaubt uns die Publikation einen teils erstaunlichen Einblick in die gegenwärtigen Entwicklungsanstrengungen. Wenngleich viele dieser teils massiven Investitionen nicht unmittelbar in gewinnbringende Geschäftsmodelle umgemünzt werden können, denke ich, dass es durchaus realistisch ist, dass sich das eine oder andere Thema durchsetzen wird.


Einige interessante Beispiele/Erkenntnisse aus der Analyse:


... wussten Sie, dass Alphabet (vormals Google) erhebliche Anstrengungen unternimmt, um das Rennen der fahrerlosen KFZs zu gewinnen? Dazu werden pro Tag rund 3 Mio. gefahrene Meilen simuliert und 10.000-15.000 Meilen täglich fahrerlos auf öffentlichen Straßen gefahren. Das Ausmaß an Produktivitätssteigerung mit der fahrerlosen Fortbewegung ist enorm. Dass wir bereits einer globalen Umsetzung dieses Themas in den Realbetrieb sehr nahe sind, zeigt uns der Stadtstaat Singapur, in dem seit wenigen Tagen die ersten fahrerlosen Taxis die Straßen säumen (Quelle: FAZ, 25. August 2016).


... wussten Sie, dass Technologie- und Telekomunternehmen massiv in das Bankgeschäft drängen? Finanzkräftige Konzerne wie Apple, Facebook, Google etc. steigen in das Bankgeschäft ein – was für uns abwegig klingen mag, ist für jüngere Generationen wohl nur einen Mausklick/Fingerwischer entfernt. Der amerikanische Think-Tank „American Banker“ bezeichnet Google bereits als die größte Gefahr für die Finanzbranche. In Anbetracht der Reichweite und Ressourcen dieser Tech-Giganten (gemeinsamer aktueller Börsenwert von Alphabet und Apple rund 1 Billion EUR) ist meiner Ansicht nach die Furcht absolut begründet.


… wussten Sie, dass im Jahr 2008 die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebte. Für das Jahr 2050 wird dieser Anteil bei 2/3 der Weltbevölkerung erwartet. Bereits in 15 Jahren soll der Anteil an Megacities (>10 Mio. Einwohnern pro Stadt) von aktuell 23 auf 41 anwachsen  – wohl eine enorme Herausforderung für Infrastruktur und soziales Gefüge.

 

Sollten Sie diese Langfristthemen interessieren, empfehle ich die angeführte Lektüre – sie ist wirklich sehr interessant und übersichtlich aufgebaut.

EY 2016, The upside of disruption – Megatrends shaping 2016 and beyond

PriceWaterhouseCoopers 2016, Tech breakthroughs megatrend: how to prepare for its impact


Mit diesem Blog will ich einmal mehr deutlich machen, dass unsere Umgebung massiven Veränderungen unterliegt und dies auch immer wieder gerne und breit kommuniziert wird. Es liegt in der Natur der Sache, dass der Mensch mit Veränderungen meist negative Aspekte assoziiert. Disruptive Innovationen, die bestehende Produkte, Dienstleistungen und Prozesse ablösen, mögen kurzfristig für viele von uns unbequem, ja vereinzelt existenzbedrohend wirken. Langfristig gesehen sind sie jedoch fester Bestandteil unserer Entwicklung und bringen uns seit Jahrhunderten schrittweise weiter. „Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel“ (Charles Darwin) – ein bekanntes Sprichwort, das treffender wohl nicht sein könnte. Wir befinden uns weltweit auf einem Wohlstandshoch – auch vor diesem Hintergrund blicke ich optimistisch in die Zukunft.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: alfred.kober@securitykag.at