Wandel – Herausforderung und Chance!

16. Sep 2016 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Die Welt verändert sich. Das ist für im 21. Jahrhundert lebende Menschen nun wirklich nichts Neues. Der Wandel ist zum integralen Bestandteil des heutigen Lebens geworden. Vor rund 100 Jahren konnte man noch davon ausgehen, dass sich das Wissen der Welt innerhalb von 100 Jahren verdoppelt. Insofern waren auch die Lebensmodelle entsprechend ausgerichtet. Nach der absolvierten Ausbildung stieg man in das Berufsleben ein und annehmen, dass das angesammelte Wissen (natürlich mit ein paar Adaptierungen und Ergänzungen) mehr oder weniger für die gesamte berufliche Karriere ausreichen wird.

 

Im Jahr 2016 verdoppelt sich das Wissen bzw. die vorhandenen Informationen innerhalb von 24 Stunden. Diese Informationen wurden mir im Rahmen eines Fachvortrages zugetragen und versetzten mich durchaus in Erstaunen. Jetzt kann man natürlich darüber streiten, ob alle verfügbaren Informationen auch wirklich WISSEN sind – in diesem Zusammenhang denke ich beispielsweise an die unbändigen Informationsfluten, die über das Internet oder die „neuen“ Medien täglich auf uns einprasseln! Mit diesen rasanten Entwicklungsschüben sind gesellschaftliche, politische, aber auch individuelle Veränderungen unumgänglich.

 

Für jeden Einzelnen bedeutet das, stetig am Ball zu bleiben, um künftig im Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Es kann sich niemand mehr darauf verlassen, dass das in der Ausbildungsphase erworbene Wissen für das gesamte Berufsleben ausreichen wird. Viel zu schnelllebig ist die Zeit! Gerade für eine Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft!

 

Österreichs Wohlstand basiert nicht auf Rohstoffschätzen oder Billigstarbeitskräften. Unsere Chance liegt in der Individualität und in der Innovation. Viele heimische Unternehmen gehören in ihrer individuellen Sparte zu den Besten der Welt. Damit geht einher, dass man neue Wege geht und den Anspruch hat, durch innovative Konzepte einen Mehrwert zu generieren. Ein ständiges Hinterfragen des eigenen Tuns, die Suche nach Verbesserungen und der Mut, neues und unbekanntes Terrain zu betreten, sind die nötigen Voraussetzungen dafür. Aber leben wir in einem Umfeld und einer Zeit, in der dies auch wirklich angestrebt und gefördert wird?

 

Durch die stetigen Umwälzungen verändern sich nahezu alle Lebensbereiche. Es ist davon auszugehen, dass 2035 – also in nicht einmal zwei Jahrzehnten - 60% (!) der heute bekannten Berufe nicht mehr existieren. Insofern ist jedem Einzelnen, Unternehmen aber auch Ländern bzw. Wirtschaftsregionen dringend anzuraten, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Damit meine ich jetzt nicht, die Zukunft vorherzusehen und bereits 2016 zu antizipieren, welche Betätigungsmöglichkeiten es in 20 Jahren geben wird. Es sind zwar einige Trends, wie die Überalterung der Bevölkerung, klar ersichtlich und man könnte auf deren Basis Rückschlüsse über den zukünftigen Arbeitsmarkt ziehen. Das ist allerdings nur ein sehr eingeschränkter Blickwinkel.

 

Um das zu verdeutlichen, möchte ich in der „Zeitmaschine“ in die 1990er Jahre gedanklich zurückreisen. Damals war ich noch ein Jungspund und stand mitten in der Ausbildung bzw. in der Berufseinstiegsphase. Die technologischen Fortschritte standen noch weitestgehend aus. Ich hatte noch keine Ahnung, was Internet überhaupt ist bzw. für was ich es jemals gebrauchen werde. Telefoniert wurde noch mit einer „Standleitung“. Jüngere Blog-Leser werden es nicht glauben – wir hatten in unserem 6-Personenhaushalt lediglich ein Telefon. Es war zentral im Wohnzimmer platziert – insofern war zum Leidwesen der Jungen und zur Freude der Eltern die Privatsphäre nicht wirklich vorhanden. Beruflich kam ich erstmals Ende der 90er Jahre mit dem Verschicken der neumodischen elektronischer Post (= Email) in Verbindung. Wir bekamen nur EINEN Email-Account für die gesamte Abteilung! Wenn man mit dem Auto irgendwo hinfuhr, musste man sich vorab alles auf der Landkarte ansehen oder auf einen kompetenten Beifahrer mit Stadtplan (natürlich in Papierform) hoffen, um zum gewünschten Zielort zu gelangen. Ich könnte Ihnen noch viele Beispiele nennen, aber ich denke, es ist deutlich erkennbar, wie rasant sich unser Leben in diesen zwei Jahrzehnten verändert hat.

 

Eines kann man mit Gewissheit behaupten. Diese Veränderungen betreffen jeden Einzelnen, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. In diesem Zusammenhang scheint es immer wichtiger zu werden, mit dieser gewaltigen Informationsflut zurechtzukommen. Der technologische Fortschritt bringt zwar vor nicht all zu langer Zeit noch undenkbare Chancen und Erleichterungen, es gibt allerdings auch eine Kehrseite der Medaille. Ich persönlich bin beispielsweise ein Email-Junkie. Im Laufe eines Tages erhält man unzählige Emails. Wenn man ehrlich ist und sich die Frage stellt, wie viele davon waren jetzt wirklich wichtig für mich, wird die Anzahl vermutlich sehr gering sein. Durch das laufende Aufblinken des Postfaches wird man häufig aus seinen Gedanken oder seiner Arbeit gerissen. Die Neugier siegt und man sieht noch schnell nach, wer einem geschrieben hat, um die Antwortzeit so kurz wie möglich zu halten. Durch dieses ständige Herausreißen besteht die Gefahr, viel Zeit zu „verschwenden“. Sinnvoller ist es (ich arbeite in dieser Beziehung bereits mehr oder weniger erfolgreich an mir), sich nicht durch jedes Email herausreißen zu lassen, sondern seinen Account lediglich in regelmäßigen Abständen zu durchforsten. In diesem Zusammenhang kann man durchaus auch auf die neuen Medien wie Facebook, Twitter, etc. verweisen. Ich persönlich bin zwar kein aktiver User, bin mir aber bewusst, dass diese bei entsprechender Ernsthaftigkeit der Nutzer zweifellos zum Zeitfresser und zur Bürde werden können.

 

Das Gleiche gilt auch für Onlinespiele. Für meine Generation ist und war das nur ein lustiger Zeitvertreib. Ich war völlig paff, als mir einmal ein junger Mann in den Zwanzigern erklärte, er könne nicht entspannt an einem mehrtägigen Familienurlaub teilnehmen, da er keine (adäquate) Urlaubsvertretung für ein Onlinespiel auftreiben konnte und er über Pfingsten mit einem Großangriff in der virtuellen Welt rechnen müsse. Für mich unvorstellbar, allerdings scheint für diese Generation neben der realen auch die virtuelle Welt zu existieren. Jeder Mensch hat einen Tag mit 24 Stunden á 60 Minuten – in Summe stehen uns also 86.400 Sekunden zur Verfügung. Jeder von uns muss sich die Frage stellen, wie er seine Zeit verbringen möchte!

 

In Zukunft wird es meiner Meinung nach wichtig sein, sich ständig an Veränderungen anpassen zu können. Eine gewisse Flexibilität, Offenheit und Mut sind dafür vonnöten. Aber Angst vor der Zukunft braucht man keine zu haben. Einer meiner Lieblingsphilosophen ist Seneca, der bereits vor rund 2000 Jahren erkannt hat, dass viele Talente aus Angst vor der Zukunft nicht entsprechend ihre Fähigkeiten entfalten. Gerade in dieser Zeit des Wandels und der häufig vorherrschenden Zukunftsangst werden meiner Meinung nach jene die Gewinner sein, die sich darauf einlassen, offen durch die „neue“ Zeit zu gehen und neue Wege zu beschreiten. Die Zukunft kann also kommen!

 

„Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern, weil wir es nicht wagen, ist es schwer!“
Zitat von Lucius Annaeus Seneca

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at