Sensationslust, Sportautos und Hedgefonds! Oder das „Roter Ferrari Syndrom“!

30. Dez 2016 | Blog

VON Alfred Kober

Kürzlich bin ich über eine Analyse gestoßen, bei der ich mir das Schmunzeln einfach nicht verkneifen konnte und die mich, beim Gedanken daran immer noch aufheitert. Ich dachte mir, dass ein kurzer Blog darüber recht gut zum Jahresende passt. Vier Studenten von namhaften Universitäten, drei davon in den USA und eine aus Singapur, haben sich die Mühe gemacht, US-Hedgefondsmanager und deren Auto-Kaufverhalten mit der Risiko-/Ertragseigenschaft der von ihnen verwalteten Fonds in Verbindung zu bringen.


Diese aufmunternde wissenschaftliche Analyse umschließt in der Grundgesamtheit 1774 Kraftfahrzeuge, die 1144 Managern von Hedgefonds zugeordnet werden konnten. Die Daten wurden dabei aus öffentlich zugänglichen Datenbanken ausgewertet und anhand von Eigenschaften, wie die der Motorleistung, der Beschleunigungskraft, dem Passagiervolumen oder auch der Passagiersicherheit, erfolgte eine finale Klassifizierung in Sportautos, Mini-Vans etc. Im Zuge der Analyse wurden dabei unzählige statistische Zusammenhänge im Zeitraum von Jänner 1994 bis Dezember 2015 untersucht und einige davon möchte ich nachfolgend komprimiert auflisten:

 

  • Fonds von Fondsmanager, die leistungs- und beschleunigungsreiche Sportwägen fahren, wiesen im Analysezeitraum auch eine höhere Risikoeigenschaft, gemessen an der Schwankungsintensität, (um 1,8% p.a. höher) auf. Auch die detailliertere Analyse einzelner Attribute (Motorleistung, Beschleunigung, etc.) zeigt ein ähnlich statistisch signifikantes Verhalten. Je höher die „KFZ-Sensationslust“ des Managers, desto höher das Risiko des Hedgefonds.
  • Das höhere Risiko der beschriebenen KFZ-Gruppen geht nicht einher mit einer aus statistischen Gesichtspunkten signifikanten höheren Wertentwicklung. Im Zeitraum konnten lediglich die Halter von Mini-Vans ein dementsprechendes „Alpha“ generieren.
  • Des Weiteren zeigen die Autoren einen signifikanten Link zwischen Motorleistung bzw. Beschleunigung und dem Fondsvolumen. Je aggressiver das Auto, desto geringer das Fondsvolumen.
  • Ähnlich den sportlichen Attributen, lediglich mit verkehrtem Vorzeichen, gehen ein größeres Passagiervolumen sowie höhere Passagiersicherheitsstandards unmittelbar mit geringeren Risikowerten einher. Also, je langweiliger das Auto, umso geringer das Risiko des Fonds. Die unter Verwaltung stehenden Produkte von Mini-Van-Fahrern weisen eine um 2,2% geringere Volatilität als der Rest der Grundgesamtheit auf.
  • Auch die risikoadjustierte Wertentwicklung spricht für die Gruppe der Mini-Vans.

 

Sie können sich vorstellen, dass sich das Conclusio der Analyse mit dem vielerorts bekannten Rat von Hedgefonds Allokatoren deckt: „Avoid fund managers who purchase fancy performance cars“.


Um die Objektivität dieses Blogbeitrages zu gewährleisten, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, dass auch ich Besitzer und aktiver Nutzer einer CO2-ausstoßarmen Familienkutsche bin und ich bis dato nicht sonderlich stolz darauf war. Die wissenschaftlich aufbereitete Arbeit, die im Übrigen frei downloadbar ist, ändert natürlich grundlegend alles (sie finden das Paper unter: „Sensation Seeking, Sports Cars, and Hedge Funds“) … und ja, ich muss schon wieder schmunzeln.


Happy New Year!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: alfred.kober@securitykag.at