Wie das Unwahrscheinliche wahrscheinlich wird: Die neue Weltordnung

20. Jan 2017 | Blog

VON Peter Ladreiter

In diesen Tagen vollzieht sich mit der Ernennung von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika eine noch vor einem Jahr als vollkommen unwahrscheinlich gehaltene Zeremonie. Und die Konsequenzen könnten weitreichender nicht sein. Denn damit findet zeitgleich ein Bruch mit der alten eingespielten Weltordnung statt, die uns über Jahrzehnte stabilisierend und vertrauensvoll begleitet hat. Doch eine wachsende Zahl an Menschen hat sich dennoch als großer Verlierer in einer globalisierten Welt gesehen und konnte mit der Vielfalt an Freiheiten und den damit verbundenen Auswahlmöglichkeiten, welche die zunehmend technisierte Welt uns bietet, nichts anfangen oder sieht diese gar als Bedrohung. Befeuert durch eine politische Elite, die Großteils abgehoben von den wahren Bedürfnissen der Menschen regiert und begünstigt durch skrupellose (Finanz)Manager, die gierig nach Macht und Geld als die Verursacher der letzten Finanzkrise gelten, konnte sich im Schatten des Establishments eine machtvolle politische Kultur entwickeln, welche vermeintlich einfache Lösungen auf alle Probleme bereitstellt, ohne freilich je konkret zu werden.

 

Was in Europa durch das vielfach vorhandene Mehrparteiensystem meist noch verhindert werden konnte, ist im Zweiparteiensystem der USA nun Realität geworden. Der nunmehr mächtigste Mann der Welt wird sich ohne Rücksicht auf Konventionen und Gepflogenheiten - geschweige denn auf geschlossene Verträge und Vereinbarungen - einer Politik zuwenden, welche geprägt ist von Selbstüberschätzung, Unberechenbarkeit und neuartigen Pakten und Bündnissen.

 

Die dadurch entstehende neue Weltordnung wird weitreichende Auswirkungen haben, welche nicht nur auf die USA beschränkt bleiben wird. Denn die Wahl von Donald Trump macht den neuen Stil, Politik zu betreiben, weltweit salonfähig und wird Nachahmer finden, welche willfährig von der eigenen enttäuschten Bevölkerung mit Machtbefugnissen ausgestattet werden, welche die Verarbeitungskapazität dieser Machthaber bei weitem überschreiten wird.

 

Die Demokratien könnten dann durch ihr ureigenes Prinzip (jede Stimme zählt gleichwertig) ausgehebelt werden und jenen Platz machen, die selbstherrlich mit niedrigen Instinkten spielend, rein den eigenen Vorteil in der Macht suchen.

 

Die Globalisierung und der kontinuierliche Abbau von Handelsschranken werden ihr vorläufiges Ende finden und einer multipolaren Machtaufteilung weichen, welche sich erst durch überwiegend bilaterale Verträge konkret ausgestalten muss. Und allen volkswirtschaftlichen Erkenntnissen zu Folge wird das mittel- bis langfristig wirtschaftswachstumsdämpfende Wirkung haben.

 

In dieser Welt der neuen Bündnisse wird die Institution der EU vor immense Aufgaben gestellt werden, in der jetzt beginnenden neuen Aufteilung der politischen Machtverhältnisse ihren Platz behaupten müssen, um nicht in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Denn trotz aller Kritik ist Europa verglichen mit anderen Weltgegenden ein Hort sozialer Wohlfahrt und (relativer) Gleichberechtigung.

 

Bisher konnten wir auf eine lange Periode von Frieden, Wohlstand und Stabilität zumindest in der westlichen Welt zurückblicken. Nicht dass ich daran zweifle, dass sich daran auch mit dem neuen US Präsidenten etwas ändern könnte. Aber wir waren schon lange nicht mehr so nahe dran, wie eben jetzt.

 

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