Ein Kater nach einer durchzechten Partynacht?

02. Mär 2017 |

VON Josef Obergantschnig

In den letzten Jahren ist die Verschuldung einzelner Staaten deutlich angestiegen. Grund dafür waren zum einen gesetzte politische Maßnahmen im Anschluss an die Lehman-Pleite. Mit diversen Unterstützungsmaßnahmen – seien es diverse Rettungspakete oder Infrastrukturprogramme – wurde von politischer Seite aus versucht, der schwächelnden Konjunktur unter die Arme zu greifen und ein Abdriften in eine Depression zu verhindern. Zum anderen sind für die Staatsverschuldung auch Notenbanken verantwortlich, die durch eine expansive Notenbankpolitik ein bereits seit Jahren andauerndes Niedrigzinsumfeld geschaffen haben. Durch die historisch tiefen Zinsen ist der Reformdruck auch kaum vorhanden. Laut einer Studie von der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) notieren per Ende 2016 mehr als 11 Billionen USD oder 13,4% aller Anleihen (Staat, Unternehmen, Finanzwerte) im negativen Bereich.

 

In diesem Umfeld ist es wenig verwunderlich, dass der Schuldenstand laut Analysen der Rating-Agentur Standard & Poor’s mit 44,3 Billionen US-Dollar einen neuen Rekordwert erreicht hat. Für das aktuelle Jahr wird damit gerechnet, dass die Verbindlichkeiten der 130 ausgewerteten Länder um eine weitere Billion US-Dollar ansteigen werden. Hauptverantwortlich sind zwei Länder, die bereits eine sehr hohe Staatsverschuldung aufweisen. Die USA und Japan zeichnen sich für rund 30% der weltweiten Wirtschaftsleistung verantwortlich und weisen einen öffentlichen Schuldenstand in Relation zum BIP von 109% (USA) bzw. 238% (Japan) aus. Nachdem für das aktuelle Jahr mit einem öffentlichen Haushaltsdefizit von 5,8% (USA) und 4,5% (Japan) gerechnet wird, ist nicht von sinkenden Schuldenquoten auszugehen. Laut der Analyse von Standard & Poor’s sind die USA und Japan für 60% (!) der Kreditaufnahme in diesem Jahr verantwortlich. Nachdem auch die Verbindlichkeiten in China stark ansteigen, wird im aktuellen Jahr Asien einen höheren Finanzierungsbedarf aufweisen als Nordamerika. Die Eurozone ist weniger dynamisch – der Finanzierungsbedarf entspricht nur etwas mehr als 40% der USA.

 

Abbildung: Anteil am Weltwirtschaftskuchen

Quelle: IWF (Nominal GDP 2015), HowMuch.net (Grafik)

 

Die stark ansteigende Verschuldung bleibt zwar momentan ohne unmittelbare Auswirkung. Durch die niedrigen Zinsniveaus rund um den Globus bleibt die Zinsbelastung überschaubar. In einigen Staaten – und dazu gehört auch Österreich – sinkt die jährliche Zinsbelastung trotz stetig steigender Verschuldung. Aber das ist ein gefährliches Spiel. Ein Zinsanstieg würde sich in weiterer Folge auch unmittelbar auf den Staatshaushalt (Stichwort: steigende Finanzierungskosten) auswirken und die Staatsbudgets massiv belasten.

 

Die jüngste Entwicklung hat aber auch bereits Konsequenzen. Die Rating-Agenturen haben die Bonitätsbeurteilung einzelner Staaten zum Teil deutlich nach unten geschraubt. Die Rating Agentur Standard & Poors hat im Jahre 1975 97% aller Staatsanleihen mit der Höchstnote AAA bewertet. Die Zeiten haben sich massiv verändert. Gegenwärtig werden von der Rating-Agentur noch 12 Staaten als Triple-A-Emittenten geführt. Laut einer Analyse von Fitch beträgt das Volumen der AAA-Länder nur mehr 10% aller Sovereign-Bonds – im Vergleich dazu betrug der Anteil vor 20 Jahren fast 30% aller Staatsanleihen.

 

Abbildung: Global AAA-Staatsanleihenemittenten (Fitch)

Quelle: Fitch, Economist

 

Japan hat aufgrund der steigenden Verschuldungsquoten bereits im Jahr 2001 das Triple-A-Rating verloren. Aufgrund der Deflation reichten teilweise bereits sehr niedrige nominelle Zinssätze aus, um zumindest einen positiven Realzins zu erwirtschaften. Auf die Staatsfinanzen wirkt es sich allerdings nur bedingt aus. Eine 10-jährige japanische Staatsanleihe rentiert gegenwärtig bei 0,05% - die Auswirkungen einer Finanzierung auf das Budget fallen demnach äußerst gering aus. Und damit haben wir die paradoxe Situation, dass der Selbstregulierungsprozess der letzten Jahrzehnte im gegenwärtigen Umfeld ausgesetzt wird. In der Vergangenheit ging eine Bonitätsverschlechterung mit einer höheren Zinsbelastung einher. Durch die Notenbankpolitik und auch das regulatorische Umfeld, welches institutionelle Investoren in das Staatsanleihensegment treibt, ist kein Druck vorhanden, nötige Reformmaßnahmen einzuleiten und die eigenen Budgets in Ordnung zu bringen. Das ist allerdings ein gefährliches Spiel! Ich hoffe, dass rechtzeitig entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, um einen Kater nach einer durchzechten Partynacht zu vermeiden!