Klimawandel - Was in dieser Diskussion immer vergessen wird

16. Mär 2017 | Blog

VON Dieter Rom

Nach dem Pariser Abkommen wurde das Klimaziel, die Erwärmung auf max. 2,0 Grad zu beschränken, auf 1,5 Grad reduziert. Um dies zu erreichen, möchte Europa die Treibhausgase vom Stand 1990 bis 2030 um 40% (20% bis 2020) reduzieren. Weltweit müssen die Treibhausgasemissionen für dieses Ziel bis 2050 um ca. 95% reduziert werden.


Interessant an der Verteilung der Treibhausgasemissionen ist der Anteil der Landwirtschaft von fast einem Viertel und der Anteil von 14% für den Transport hoch. (Nach IPCC beträgt der Anteil des Flugverkehrs ca. 4,5% der weltweiten Treibhausgase - mit steigender Tendenz und Anstieg des Flugverkehrs mit ca. 5% p.a.).


Abbildung: Treibhausgas-Emissionen nach Wirtschaftsbereichen


Quelle: IPCC, Handelsblatt, statista


Spannend ist im Zusammenhang mit den Klimazielen auch die Entwicklung des Rohölverbrauchs weltweit in Barrel pro Kopf. Seit 1993 ist hier ein laufender Anstieg zu bemerken (Ausnahme Finanzkrise im Jahre 2008 und in den darauffolgenden Jahren).


Abbildung: Globaler Rohölverbrauch in Barrel pro Kopf


Quelle: Bloomberg


Auch der Gesamtverbrauch in Mio. Barrel pro Tag steigt seit Jahren kontinuierlich an und erreicht fast täglich einen neuen Höchststand.


Abbildung: Gesamtverbrauch in Mio. Barrel pro Tag


Quelle: Bloomberg


Welcher Aspekt wird bei der Diskussion aber fast immer ausgelassen? Es ist das enorme weltweite Bevölkerungswachstum. Zum Geburtszeitpunkt des Verfassers lag die Weltbevölkerung noch bei 3,21 Mrd. Menschen, per 31.12.2016 wurde die Zahl von 7,32 Mrd. erreicht. Ein Wachstum von 128% in nur 52 Jahren. 2016 legte die Weltbevölkerung immerhin noch um 77 Mio. Menschen zu. Ein Wachstum von über einem Prozent.


Dazu die Bevölkerungsentwicklung im Zeitraum Ende 1963 bis Ende 2016 einiger ausgesuchter Länder.


Abbildung: Bevölkerungsentwicklung ausgewählter Länder 1963 - 2016


Quelle: Bloomberg, Eigene Darstellung


Wenn die Emissionsziele in Tonnen pro Jahr festgesetzt sind, so muss auch das Bevölkerungswachstum mit eingerechnet sein. Sinkt die Bevölkerungsanzahl (wie z.B.: in Japan), so kann der pro Kopf Ausstoß an Treibhausgasen steigen. Bei einem Wachstum der Bevölkerung muss der Verbrauch zusätzlich zu den Reduktionszielen pro Kopf sinken.


Da die Landwirtschaft ca. 25% des weltweiten Treibhausgasausstoßes verursacht, sind bei einem weiteren Bevölkerungszuwachs die Klimaziele (Reduktion um 95%) jedenfalls nicht erreichbar.


Nachhaltigkeit in der Produktion von Lebensmitteln im Generellen scheint hier nahezu ausgeschlossen. Der Hektarertrag von Hybridweizen liegt bei ca. 10 Tonnen pro Hektar. Im Bioanbau liegen die Erträge um ca. 20% niedriger. Die Nahrungsmittelproduktion muss weltweit um ca. 1% pro Jahr steigen.


Ein sehr sachliches Buch zu diesem Thema ist der Countdown von Alan Weisman. Wir können den zeitlichen Wettlauf nicht gewinnen – immer mehr Menschen produzieren immer mehr Müll, verbrauchen mehr Ressourcen und stoßen mehr CO₂ aus. Bisherige Versuche, die großen Umweltkatastrophen abzuwenden, indem wir den Konsum einschränken und auf erneuerbare Energien umsteigen, kommen gegen die Folgen einer stetig wachsenden Bevölkerung nicht an. Einziges Lösungsszenario für unser Überleben ist, dass wir weniger Menschen werden. Aber was bedeutet das für uns persönlich? Können und wollen wir Menschen zwangsverpflichten, kein oder nur ein Kind zu bekommen? Wie kann so eine gravierende Veränderung in verschiedenen Kulturen durchgesetzt werden? Alan Weisman beschreibt packend, wie eine globale Bevölkerungsreduzierung funktionieren kann.


Gerade Länder, die kaum Ressourcen zur Ernährung Ihrer Bevölkerung zur Verfügung haben wie z.B. der Nahe Osten (Ägypten, Israel), weisen die höchsten Wachstumsraten aus. Ägypten ist nicht in der Lage, seine Bevölkerung mit eigenen Ressourcen zu ernähren (noch gibt es kein Geschäftsmodel des Staates, das die Mittel zum Erwerb der Lebensmittel von außerhalb des Landes gewährleisten kann).


Ein lebenswerter Planet bedingt einen Rückgang der Bevölkerung und eine Abkehr von unserer überbordenden Konsumgesellschaft. Die Auswirkungen des Bevölkerungswachstums bekommen wir in der Migrationsbewegung der letzten Jahre schon zu spüren. Spannungen sind hier vorprogrammiert. Der Wettlauf um die Anbauflächen ist schon längst im Gange.


Einfach zum Nachdenken…

 

 

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