Kontinuierlicher Anstieg der Lebenserwartung!

17. Mär 2017 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Die Lebenserwartung steigt seit Jahrzehnten deutlich an. Soviel ist sicher. In regelmäßigen Abständen werden von Organisationen wie z.B. der UN oder der WHO Studien über die Demographie und die Lebenserwartung veröffentlicht. Für Versicherungen spielen sogenannte Sterbetafeln eine zentrale Rolle. Auf Basis derer werden beispielsweise die Tarife klassischer Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen berechnet. Um eine monatliche Rente ermitteln zu können, müssen Annahmen über die „durchschnittliche“ Lebensdauer getroffen werden. Wenn man diese beispielsweise zu kurz anberaumt, zahlt man eine deutlich zu hohe Rente aus. Das kann durchaus zu Problemen führen. In Urzeiten hatte eine renommierte britische Versicherung die Lebenserwartung für Männer zu gering angesetzt. Nach einer jahrzehntelangen Phase ohne Krieg sind die Männer deutlich älter als die in den Berechnungen einer Rentenversicherung getroffenen Annahmen geworden. Dieser „Prognosefehler“ hat die Versicherung beinahe in die Insolvenz getrieben.

 

Prognosen sind immer ein schwieriges Pflaster. Das wissen wir nicht erst seit der Trump-Wahl oder der BREXIT-Abstimmung. Zudem erfordert das Erstellen einer Prognose mathematisches Geschick und wiederum Annahmen, die ihrerseits wiederum mit Unsicherheit behaftet sind. In einer vor kurzem veröffentlichten Studie der WHO und des Imperial College London wurden 21 (!) statistische Modelle angewandt, um Aussagen über die Lebenserwartung von 35 Ländern zu ermitteln. Das ist insofern bemerkenswert, da die herkömmlichen Modelle „lediglich“ auf Annahmen eines Models basieren.

 

Abbildung: Lebenserwartung eines Neugeborenen 2010 vs. 2030

Quelle: Artikel „Future life expectancy in 35 industrialised countries: projections with a Bayesian model ensemble“ [Vgl. http://thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(16)32381-9.pdf; 16.3.2017], Economist (Chart)


Wie in der Abbildung ersichtlich, steigt für alle Länder des Samples die Lebenserwartung von Neugeborenen im Referenzzeitraum 2010 bis 2030 deutlich an. Besonders stark ist der Anstieg in Südkorea. Die Studienautoren prognostizieren, dass ein im Jahre 2030 in Südkorea geborenes Mädchen eine Lebenserwartung von mehr als 90 Jahren haben wird – im Vergleich zu 2010 entspricht das einem Anstieg von rund 7 Jahren! Die Lebenserwartung von südkoreanischen Männern liegt mit 84 Jahren eindeutig darunter. Das jährliche Bruttoinlandsprodukt ist in Südkorea seit den 1960er Jahren um das 20-fache angestiegen. Durch diesen ökonomischen Aufschwung hat sich auch das Gesundheitssystem stark verbessert.

 

In Europa haben französische Frauen und schweizer Männer die höchste Lebenserwartung. Österreich belegt im Vergleich mit den anderen 16 europäischen Referenzländern bei den Frauen den siebenten bzw. bei den Männern den 12. Platz.

 

Auch der Lebensstil spielt eine zentrale Rolle. Reiche Industrieländer können auf ein modernes und gutes Gesundheitssystem zurückgreifen. „Zivilisationskrankheiten“ wie z.B. Fettleibigkeit oder chronischer Bewegungsmangel wirken allerdings entsprechend dagegen.

 

Abbildung: Differenz Lebenserwartung Frauen vs. Männer 2010 – 2030

Quelle: Artikel „Future life expectancy in 35 industrialised countries: projections with a Bayesian model ensemble“ [Vgl. http://thelancet.com/pdfs/journals/lancet/PIIS0140-6736(16)32381-9.pdf; 16.3.2017]

 

Wie in der Abbildung ersichtlich, prognostizieren die Studienautoren den größten Anstieg der Lebenserwartung für Südkorea (Frauen) und Ungarn (Männer). Es ist hierbei allerdings zu berücksichtigen, dass die Lebenserwartung in Ungarn im Vergleich zu anderen Ländern mit knapp über 70 Jahren (Jahr 2010) deutlich hinterherhinkt.

 

Wie vorab bereits erwähnt, sind dementsprechende Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen. Es ist aus meiner Sicht unmöglich, den genauen Wert zu definieren. Aber es ist sehr wohl möglich, gewisse Trends zu erfassen und entsprechend darzustellen. Es ist mittlerweile unter Experten allerdings unumstritten, dass die Lebenserwartung weiter ansteigen wird. Das und die hohe Geburtenrate in einigen Ländern führen zu einem stetigen Anstieg der Weltbevölkerung. Daraus resultieren wiederum viele Problemstellungen, denen wir uns stellen müssen. Die Ernährung der Weltbevölkerung, der Energiebedarf, die Altersversorgung oder auch Wanderungsströme einzelner Länder sind nur einige Fragestellungen, die die Menschheit zu beantworten haben wird.

 

Um diese Mammut-Aufgaben auch bewältigen zu können, braucht man sowohl Zeit als auch eine entsprechende Schwungmasse. Diese Fragen betreffen uns alle, insofern sind wir alle dazu angehalten, uns darüber Gedanken zu machen, welchen Beitrag wir persönlich leisten können! Wir sollten uns nur nicht zu lange Zeit lassen!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at