Zentralbanken als Großaktionäre

07. Apr 2017 | Blog

VON Joachim Waltl

Seit Erfindung der Zentralbanken im Zeitalter der Aufklärung haben sie einen vielfältigen Wandel und eine starke Aufgabenerweiterung durchgemacht: Von der ursprünglich entstandenen einfachen Notenpresse zum Kreditgeber und wichtigen Player auf den globalen Weltmärkten. Mit jeder Finanzkrise wurden mehr Maßnahmen zur Beruhigung der Kapitalmärkte und zur Stärkung der Volkswirtschaften eingeführt. Zuletzt treten die ersten Zentralbanken auch als Aktieninvestoren auf.

 

2016 war die Bank of Japan der größte japanische Aktieninvestor. Mittlerweile besitzt sie nicht nur fast 70% der ausstehenden Nikkei ETFs, sondern sie gehört auch zu den zehn größten Aktionären japanischer Aktiengesellschaften. Welchen Kurseinfluss sie dabei auf japanische Aktien ausübt, musste am 4. Juli 2017 der Gouverneur Haruhiko Kuroda vor dem japanischen Parlament darlegen.

 

Quelle: Bloomberg

 

Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt seit längerem an den Börsen als Aktieninvestor teil. 20% ihrer Währungsreserven, über 120 Mrd. USD, investierte die Schweizer Zentralbank in globale Blue Chip Aktien.

 

Der beiden Zentralbanken dringen mit dem Einstieg in Aktienmärkte in neue Gefilde vor. Einen Großteil der Staatsanleihen ihres Landes werden bereits von den jeweiligen Zentralbanken gehalten, da scheint sich die Anlageklasse Aktie – ob als Kampf gegen Währungsaufwertung oder zur Krisenbekämpfung - als nächste Möglichkeit darzustellen. Ende letzten Jahres hat die US-Fed Präsidentin Janet Yellen verlautbart, dass auch die Fed Aktienkaufprogramme aufnehmen könnte. Sollten vermehrt Zentralbanken als Aktieninvestoren auftreten, könnte das den Druck auf die EZB erhöhen, dieser Entwicklung zu folgen. Die Beschäftigungs- und Wirtschaftspolitik scheint jedenfalls aufgrund der fortgeschrittenen Verschuldung von Staaten zusehends begrenzt zu sein, weshalb die Rolle der Zentralbanken zukünftig nicht nur Kreditgeber, sondern auch Aktieninvestor und damit Risikokapitalgeber in letzter Instanz festgeschrieben werden könnte.

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