Pensionen – Die Last, die die Jungen tragen müssen!

29. Mai 2017 | Blog

VON Josef Obergantschnig

In den letzten beiden Blogs habe ich mich mit demographischen Veränderungen und im Speziellen mit der Pensionsthematik auseinandergesetzt. Um die Größe zu verdeutlichen, möchte ich näher auf die relevanten Zahlen eingehen.

 

Aktuell gibt es in Österreich 4,24 Millionen Beschäftigte. Davon gehen 3,707 Millionen Österreicher einer unselbständigen bzw. 0,534 Millionen einer selbständigen Tätigkeit nach. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt aktuell rund 350 Milliarden Euro (Quelle: Statistik Austria). Um die Dimension der Ausgaben zu verdeutlichen, habe ich versucht, die Zahlen auf den einzelnen Erwerbstätigen herunterzubrechen. In Summe gibt es in Österreich aktuell leicht über 2,7 Millionen Pensionisten. Im Schnitt kommen auf jeden Pensionisten etwas mehr als 1,5 Erwerbstätige. Die öffentlichen Pensionsausgaben, das sind immerhin 13,5% des BIPs, betragen ca. 47,25 Milliarden Euro. Das entspricht einer „theoretischen“ Belastung von 11.144 Euro pro Erwerbstätigen. Ein Teil davon wird direkt in Form von Pensionsbeiträgen eingehoben. Ein weiterer nicht unerheblicher Teil wird vom laufenden Budget beglichen.

 

Abbildung: Österreich - Budget 2017

Quelle: Bundesministerium für Finanzen

 

In Summe steht Österreich ein Budget von 77,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Wie dem aktuellen Bericht des Finanzministeriums zu entnehmen ist, entfällt rund ein Fünftel der Ausgaben auf den Bereich Pensionen (13,8% Pensionsversicherung, 11,9% Pensionen – Beamte und Beamtinnen).  In Euro beträgt der Anteil des Bundes knapp 20 Milliarden Euro.

 

Interessant ist auch noch folgendes Rechenbeispiel. Wenn es Österreich gelingt, die öffentlichen Pensionsausgaben auf den OECD-Durchschnitt von aktuell 13,5% auf 7,8% zu senken, entspricht das einem „Einsparungspotenzial“ von knapp 20 Milliarden Euro. Das ist genau jene Summe, die der Bund gegenwärtig für den Pensionsblock aufwendet.  Im Zuge der letzten Steuerreform in Österreich wurden die Bürger mit 5 Milliarden Euro entlastet. Das theoretische Einsparungspotenzial entspricht damit dem Volumen von vier Steuerreformen!

 

Die Zahlen sind für mich sehr beeindruckend und verdeutlichen den zwingend notwendigen Reformbedarf. Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass es mir nicht darum geht, jene mit geringen Pensionen zu schröpfen und ich möchte mit meinem Blog-Beitrag auch keine Neiddebatte anzetteln. Es geht mir darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Der wichtigste Schritt wäre, das faktische Pensionsantrittsalter anzuheben. Damit könnte die Last, die aufgrund der anzunehmenden demographischen Entwicklungen vermutlich weiter ansteigen wird, deutlich verringert werden. Bedenkt man längere Ausbildungszeiten und eine stetig steigende Lebenserwartung, ist es für mich absolut unverständlich, warum das faktische Pensionsantrittsalter in den 1970er Jahren über dem gegenwärtigen liegt. Bei einer Lebenserwartung von 81 Jahren (OECD-Annahme) kann Herr und Frau Österreicher davon ausgehen, etwa zwei Jahrzehnte in den Genuss von Pensionszahlungen zu kommen. Ein deutliches Anheben des faktischen Pensionsantrittsalters würde das Budget nachhaltig entlasten und zudem einen wesentlichen Beitrag zur Generationengerechtigkeit darstellen!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at