Der Einfluss der EZB auf die Zinsstruktur

19. Aug 2015 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Die EZB hat im Laufe des heurigen Jahres begonnen, den Staatsanleihenmarkt durch systematische Anleihenkäufe zu „subventionieren“. Im Rahmen des seit März 2015 laufenden Programms hat die EZB Anleihenkäufe in der Höhe von insgesamt EUR 259,7 Milliarden durchgeführt. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass zwischenzeitlich sogar deutsche Bundesanleihen mit einer 10-jährigen Laufzeit nahe der Nullmarke notierten. Kritiker munkeln, dass durch diese Handlung (Käuferüberhang) die Renditen „künstlich“ und abnormal tief gehalten werden, um die stetig steigende Verschuldung und die damit verbundenen Zinskosten nicht ausufern zu lassen. Im Rahmen des QE-Programms dürfen Staatsanleihen gekauft werden, deren Renditen die Kaufschwelle von -0,20% nicht unterschreiten.

 

Abbildung: Entwicklung Renditen – Deutsche Staatsanleihen nach Laufzeiten

Quelle: Bloomberg

 

Im April notierten die Anleihen auf historischen Tiefständen. 25% aller Staatsanleihen wiesen eine negative Rendite auf. In der Zwischenzeit kam es zu einigen Irritationen an den Anleihenmärkten. Die Renditen sind zwischenzeitlich wieder deutlich angestiegen. Aktuell sind wir zwar noch von den Tiefständen entfernt, allerdings weist gegenwärtig jede fünfte Staatsanleihe eine negative Rendite auf.

 

Abbildung: Anteil der Anleihen mit Negativrenditen sowie Renditen < -0,20%

Quelle: LBBW Research, Bloomberg

 

Besonders hoch ist der Anteil der Anleihen mit einer negativen Rendite in den Ländern Deutschland, Niederlande und Österreich, die nach wie vor als „sicherer“ Hafen gelten. Rund ein Drittel aller österreichischen Anleihen notieren im negativen Renditebereich. Interessant ist auch der zweite Balken (orange), der den Anteil der Anleihen ausweist, die aktuell eine Rendite unter dem Grenzwert der EZB (-0,2%) haben. Auch hier kristallisiert sich Deutschland als absoluter Primus heraus, da rund ein Fünftel aller deutschen Staatsanleihen aufgrund der Grenze gar nicht gekauft werden können.

 

Aber welche Möglichkeiten hat nun die EZB?

 

Um ihr Kaufprogramm fortzusetzen, hat die EZB im Wesentlichen zwei Möglichkeiten. Auf der einen Seite können verstärkt schlechtere Bonitäten gekauft werden. Auf der anderen Seite besteht auch die Möglichkeit, gute Schuldner zu „stützten“. Hierzu müssen allerdings tendenziell Langläufer gekauft werden, um den eigenen Grenzwert (-0,2%) zu übersteigen.

 

Für mich ist es offensichtlich, dass die EZB durch das QE-Programm das Staatsanleihensegment massiv prägt. Dies betrifft neben der Bonität auch die Zinsstruktur. Durch den vermehrten Kauf tendenziell langlaufender Anleihen (vor allem der guten Bonitäten) wird das lange Ende der Zinsstrukturkurve künstlich nach unten gedrückt. Dieser Effekt war bereits im März zu beobachten. Dadurch profitieren vor allem jene Investoren, die trotz der aktuell tiefen Zinssätze verstärkt in Langläufer investieren. Es ist allerdings auch festzuhalten, dass damit das Gesamtrisiko deutlich nach oben geschraubt wird!



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