Prognose: Flut

08. Jun 2017 | Blog

VON Johannes Szoncso

Über das Wort „Nachhaltigkeit“ wird zurzeit viel gesprochen, geschrieben und geworben.

 

Doch was bedeutet das Wort eigentlich und woher kommt es?
Zum ersten Mal wurde das Wort im Jahr 1713 im Zusammenhang mit der Forstwirtschaft erwähnt. Dabei ging es um die „beständige und nachhaltige Nutzung“ von Holz, was so viel bedeutete, dass dem Wald nur so viel Holz entnommen werden sollte, wie auch wieder nachwachsen würde. Die damalige Bedeutung des Wortes hat sich nicht stark verändert. Die Gültigkeit wird nur allgemein auf Ressourcen aller Art ausgeweitet und gilt nicht nur für Holz. Das Ausdrücken einer „für längere Zeit anhaltende Wirkung“ ist eine zweite Verwendungsmöglichkeit des Wortes.

 

Seit dieses äußerst positiv besetzte Wort vor einigen Jahren den alltäglichen Sprachgebrauch erreicht hat, sind unzählige Interpretationsformen der Nachhaltigkeit aufgetreten. Aus Unternehmenssicht kann man einen ressourcenschonenden Umgang mit der Umwelt, eine faire Behandlung von Arbeitskräften und ein Weiterverwenden statt Wegwerfen als nachhaltig bezeichnen. Natürlich möchten Unternehmen am „Nachhaltigkeits-Hype“ teilhaben und sich selbst möglichst nahe an der Nachhaltigkeit positionieren. Das geschieht über den medialen Auftritt, über die Werbung und über das Erlangen von Auszeichnungen und Gütesiegeln. Gütesiegel sind ein allgemein anerkannter Weg, um das Ansehen eines Unternehmens nachhaltig (verwendet in der Bedeutung von: anhaltend für eine längere Zeit) zu steigern. Doch nicht nur Gütesiegel machen nachhaltiges Wirtschaften für Unternehmen interessant, auch Investoren entwickeln bereits seit einiger Zeit immer größeres Interesse an nachhaltigen Anlageformen. Wenn wir folglich davon ausgehen, dass nachhaltige Unternehmen, Staaten und Gebietskörperschaften den verantwortlichen Umgang mit Ressourcen, betroffenen Menschen und der Umwelt als wichtiges und erstrebenswertes Ziel ansehen, dann wird nachhaltiges Investieren zu einer interessanten Alternative.

 

In unserer Zeit, in der globale Erwärmung, Luftverschmutzung, Ressourcenausbeutung sowie Ausnutzung von billigsten Arbeitskräften und Missachtung der Menschenrechte vielerorts gang und gäbe sind, ist es notwendig, aufzuzeigen und klar zu entscheiden, wo unser Geld hinfließen soll. Das mag kurzfristig nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein, könnte auch ein bisschen Zeit und Geld kosten, aber morgen könnte sich die Nachbarin entscheiden, nachhaltig zu investieren. Und dann der nächste Nachbar, die Arbeitskollegen, die Gemeinde, das Kollektiv. Und wenn sich dieser einstmalige Tropfen auf dem heißen Stein zu einer globalen Flut entwickeln würde, dann wäre das doch wunderbar! Nur Nichtschwimmer möchte dann keiner mehr sein…

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.szoncso@securitykag.at