Vanille – Die meist verlangte Eissorte!

22. Jun 2017 | Blog

VON Philipp Ebner

Der Ausdruck „plain vanilla“ wird in der Finanzbranche häufig für etwas Einfaches, Übliches oder Standardisiertes verwendet. So kommen im Derivatehandel zum Beispiel Plain Vanilla Optionen zum Einsatz, die aufgrund ihrer Standardausstattung einfach und ohne großen Aufwand an geregelten Terminmärkten gehandelt werden können und so keiner weiteren Definition mehr bedürfen. Wenig verwunderlich ist die Herkunft dieses Sprachgebrauchs. So stammt die Bezeichnung aus dem angelsächsischen Sprachraum und wurde vermehrt in den 1960er Jahren nach Europa getragen. Die eigentliche Bedeutung dieses Synonyms lässt sich tatsächlich auf die Vanille zurückführen. Als „plain vanilla“ wurde in den USA die meist verlangte Eissorte bezeichnet.

 

Aktuell rückt die allerorts heißbegehrte Gewürzschote wieder etwas ins Rampenlicht, denn am Vanillemarkt herrscht Unsicherheit. Vanille zählt zum Luxussaatgut und steht momentan in starker Konkurrenz zum Safran als eines der teuersten Gewürzmittel der Welt.

 

Zu den größten Produzenten zählen Madagaskar, Indonesien und Uganda sowie Indien, Papua Neu Guinea, Mexiko und Tahiti. Wohingegen die ersten 3 Länder den Weltmarkt dominieren. Madagaskar hat mit einer jährlichen Produktion von 2.400 Tonnen aufgrund der klimatischen Lage den Vorteil, dass die begehrte Bourbon Vanille exportiert werden kann.

 

Quelle: vanilla.symrise.com

 

Die derzeitige Vanillekrise hat ihren Ursprung ca. 12 Jahre zurück. In den Jahren 2005 bis 2014 herrschte ein Überangebot am Markt. Die Überschwemmung des Weltmarktes führte zu einem Preisverfall, was einen Tiefpreis von rund 30 EUR pro Kilogramm zur Folge hatte. Viele Kleinbauern sattelten um und bauten andere Getreidesorten an, da der Verkauf von Vanille aufgrund des Preisverfalls den Familien kein Überleben mehr sicherte. Darüber hinaus ist der Anbau der Gewürzpflanze mit sehr großem Aufwand verbunden. Die Vanille ist in Madagaskar nicht endemisch. Sie stammte ursprünglich aus Mexiko und wurde in den 1800er Jahren auf den Inselstaat importiert. Aus diesem Grund findet keine natürliche Bestäubung durch Insekten statt, sondern wird mühevoll von den Bauern von Hand durchgeführt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die Blüte nur einmal im Jahr für die Bestäubung öffnet.

 

Vor dem Hintergrund, dass nur mehr wenige Bauern Vanille anpflanzten und Neuplantagen bis zur ertragsfähigen Ernte 3 bis 4 Jahre benötigen, führte diese Verknappung zu einem Engpass im Vanilleangebot und zu Höchstpreisen von über 500 EUR/Kg. Darüber hinaus sprangen Spekulanten auf den Zug auf und horteten die Schoten, um am Preisanstieg profitieren zu können.

 

Quelle: Eurovanille, Nielsen-Massay

 

Die Abhängigkeit der Vanilleproduzenten von den Zwischenhändlern ist so groß wie in keiner anderen Branche. Es gibt nur wenige Akteure, jedoch sind diese gut vernetzt und unterhalten Handelsbeziehungen in alle entwickelten Länder, was zu dem Schluss führt, dass die Handelspraktiken nicht immer transparent und nachvollziehbar sind. Diese Dominanz geht zu Lasten der 100.000 Kleinbauern, die völlig von einer erfolgreichen Ernte abhängig sind, allerdings am unteren Ende der Wertschöpfungskette stehen. Abgesehen von der unfairen Kräfteverteilung am Vanillemarkt, wurde heuer die spärliche Ernte von einem Jahrhundertzyklon zerstört. Die UN stuft die aktuelle Lage als „besorgniserregend“ ein und geht sogar aufgrund der fehlenden Existenzgrundlage der Bauern soweit, die Lage im Land als „sozial-gefährlich“ zu erklären.

 

Dass sich die Situation in den nächsten Jahren verbessern wird, ist unwahrscheinlich. Abgesehen von der langen Wachstumsphase des Saatgutes bis zur reifen Schote, haben sich die großen Lebensmittelhersteller, wie z.B.: Nestle SA oder Hershey Co. aufgrund ihrer Kundenvorlieben dazu bekannt, keine synthetisch hergestellte Vanille zu verwenden.

 

Die Vanille wird eindeutig als Luxusgut gehandelt, jedoch ist uns das als Konsument nicht bewusst. Die schwarze Schote ist allgegenwärtig und wird in einer Vielzahl von Lebensmitteln verwendet. Mein Kaufverhalten werde ich das nächste Mal im Supermarkt bestimmt mit einem kritischen Auge betrachten.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: philipp.ebner@securitykag.at