Geht die Gutgläubigkeit bald dem Ende zu?

21. Jul 2017 | Blog

VON Johannes Szoncso

In den letzten Jahren hat der Umfang an Informationen, mit denen wir uns täglich beschäftigen müssen, exponentiell zugenommen. In unserer Kindheit standen die meisten von uns nur einer absehbaren Menge an Informationen gegenüber. Wohlgemerkt, eine Menge, die uns heute als überschaubar erscheint. Vor 100 Jahren hätten erwachsene Menschen sofort kapituliert, wenn sie mit der Menge an Informationen gefüttert worden wären, die wir als Kinder locker verarbeitet haben.


Heute versuchen wir unsere Kinder vor den Gefahren des Internets zu bewahren. Wir versuchen ihnen einen geordneten, möglichst beschränkten Zugang zu sozialen Netzwerken, zu Internetforen und zu Fernseh- und Internetberieselung zu geben. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass ein Übermaß an falschen und richtigen Informationen von uns irgendwann nicht mehr verarbeitet werden kann.

 

Unerwünschte Werbung und Propaganda findet einen Weg in unsere Köpfe über das Unterbewusstsein. Das ist gefährlich und eigentlich steht man dieser Entwicklung fast machtlos gegenüber. Doch ich bin der Meinung, es gibt durchaus Hoffnung für die nächsten Generationen.


Heute gewinnen diejenigen, die am lautesten schreien. Es ist egal, was die konkreten Inhalte sind. Man ist auf Skandale und auf Popularität fokussiert, nur um krampfhaft Aufmerksamkeit zu erlangen. Morgen, so hoffe ich, werden unsere Kinder gelernt haben zu filtern. Und zwar nicht so zu filtern, wie die breite Masse heute filtert. Nein, die heutigen Kinder werden in Zukunft um ein Vielfaches besser filtern als wir das heute können. Und diese Filter werden hoffentlich inhaltslosen Populismus als solchen erkennen und ausblenden. Die Kinder werden lernen, alles für sie Notwendige zu hinterfragen und aus diesen Erkenntnissen Schlüsse ziehen.


Ist das Ihrer Meinung nach eine abwegige Vorstellung?
Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben, das Sie möglicherweise auch selbst erlebt haben. Was ist passiert, als vor ca. 15-20 Jahren die Handys sich verbreiten? Es war richtig cool, wenn man irgendwo unter Leuten am Handy angerufen wurde. Die Besitzer waren stolz, wenn das Handy läutete. Man freute sich sogar, dass man angerufen wurde! Denken Sie einmal daran zurück, es war wirklich so. Und damals konnte man am Telefon sogar noch verkaufen. Die Angerufenen waren froh über den Anruf, froh, dass sich jemand für sie interessierte. Bei Meinungsumfragen wurden bereitwillig alle Fragen beantwortet, Artikel, die man gar nicht brauchte, gekauft und Abonnements für Zeitschriften, die einen eigentlich nicht interessierten, abgeschlossen.


Und dann haben wir lernen müssen, zu filtern und „Nein“ zu sagen. Heute hat niemand mehr Skrupel, einen unbekannten Anrufer oder einen allzu aufdringlichen Verkäufer einfach aus der Leitung zu werfen. Die Bereitwilligkeit, bei Umfragen mitzumachen, hat stark abgenommen. Und ich habe schon seit sehr langer Zeit nichts mehr am Telefon gekauft, nicht einmal diese wunderbare kostenlose Schlafberatung mit anschließender Produktpräsentation. Wir sind (zu Recht) auch immer skeptisch, wenn uns jemand etwas schenken möchte.


Ich glaube, dass unsere Kinder mit den Herausforderungen des Internets und der hereinbrechenden Informationsflut viel besser zurechtkommen werden, als wir es uns heute vorstellen können. Und ich hoffe, dass sich „laut Schreien“ in Zukunft mehr und mehr als wirkungslos erweisen wird, zugunsten von sachlicher Begründung und eigener Meinungsbildung.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.szoncso@securitykag.at