Sei gegrüßt Jidoka

01. Sep 2017 | Blog

VON Stefan Winkler

Im Prinzip steht für mich Jidoka für DAS Klischee des japanischen Wirtschaftsbooms schlechthin. Obwohl es sich bei Jidoka eigentlich um einen deutlich älteren Jahrgang handelt, ist dieser Gedanke wohl gar nicht so weit hergeholt. Da sei auch das Detail verziehen, dass ursprünglich das Objekt seiner strahlenden Leistungsschau ein Webstuhl war. Und Japans Wirtschaftswunder basierte bekanntlich nicht auf Stoffproduktion.

 

Jidōka ist geistiger Filius von Toyoda Sakichi, der als ein Thomas Edison Japans gilt, und schaffte es schon früh tragende Säule des zeitweise größten Autobauers der Welt zu werden. Trotz der mittlerweile vielen vergangenen Jahre ist Jidoka nach wie vor untrennbar mit Toyota verbunden. Und verfolgt man die Probleme des nun größten Autobauers VW, würde man Jidoka gerne weiterempfehlen - auch wenn dieses bei uns gar nicht so populäre Prinzip für den aktuellen Problemfall von VW, den Abgasskandal, das angestammte Betätigungsfeld – die Produktionskontrolle - verlassen müsste.

 

Diesen Gedanken werden wir nun kurz weiterführen. Zurück zum Webstuhl: Jidoka sorgte hier für einen automatischen Stopp bei fehlerhafter Erzeugung. Diese automatische Erkennung und Reaktion auf Fehler hielt später mit ausgeklügelter Technik groß Einzug in den Produktionsprozess des Autobauers und vermied eine große Anzahl fehlerhafter Produkte schon innerhalb des Fertigungsprozesses. Das Prinzip lässt sich nun leicht auf Problemstellungen außerhalb der maschinellen Produktion übertragen. Dafür müssen wir auf das Wesen des Prinzips abstellen: Fehler JIT (just in time) sicher (mit notwendiger technischer Unterstützung) zu finden und zu kommunizieren.

 

Das Leistungspotenzial ist weit größer als es der erste Anschein vermuten lässt. Denn die automatisationsgestützte Kommunikation mit Fokus auf Fehlererkennung ganz nahe am Produkt durchdringt die klassische Abteilungshierarchie und erschwert das „Vergessen“ wichtiger Informationen bei der Kommunikation in der Abteilungshierarchie nach oben. Anders gesagt: Hätten bei den Computern VWs ständig überall rote Lichter geblinkt, dass Abgaswerte nicht eingehalten werden, wären Schäden im heute bekannten Ausmaß kaum möglich gewesen. Klar ist hier auch, dass die jeweiligen technischen Adaptierungen und die Umsetzung des Prinzips in hierarchisch von der Produktion abgekoppelten Abteilungen erfolgen müssen.

 

Jidoka ist aufwendig und lohnt sich insbesondere für große und komplexe Problemstellungen. Doch in einer nicht gerade einfacher werdenden Umwelt betrifft das immer mehr kleinere Strukturen und viele mittelgroße und kleine Unternehmen. Der wachsenden Anzahl an Personen, die mittlerweile mit Aufgaben des Komplexitätsgrades „big data“ zu tun hat, sei durchaus empfohlen zu überlegen, diesen unscheinbaren Japaner künftig auch bei sich zu begrüßen.

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