Österreich und die Bildung

12. Okt 2017 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Bildung ist extrem wichtig, darüber sind sich wohl alle Experten einig. Gerade in Wahlkampfzeiten wird dieses Thema immer wieder hinter dem Ofen hervorgekehrt. In regelmäßigen Abständen – zum Beispiel im Rahmen der Veröffentlichung von der Pisa-Ergebnisse – sorgt der Bildungsbereich für heftige Diskussionen. Der Cluster Bildung des NeuWind Indikators repräsentiert die Indikatoren „Bildungsausgaben eines Staates“, „Schulabbrecher“ und die Ergebnisse der „Pisa-Studie“.

 

Abbildung: Cluster Bildung

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transperency International)

 

Bei den Bildungsausgaben des Staates in Relation zum BIP werden die jährlichen Ausgaben für öffentliche und private Bildungseinrichtungen pro Schüler/Studierenden im Vergleich zum BIP dargestellt. Im Rahmen der Ausgaben werden die aufgewendeten Mittel für den Bildungsbereich (z.B. Personalausgaben, laufender Sachaufwand oder Investitionsausgaben) dargestellt. Österreich belegt mit einem Wert von 5,5% den 9. Platz aller EU-28 Länder. Auffallend ist, dass gerade die nordischen Länder Dänemark (8,68%), Finnland (7,68%) oder Schweden (7,17%) die Top-Positionen einnehmen und deutlich mehr in diesen Bereich investieren.

 

In diversen Vergleichsstudien wird häufig die Akademikerquote (Tertiärabschluss) der 30- bis 34-jährigen als Referenzgröße für das Bildungsniveau eines Landes herangezogen. Dieser Indikator eignet sich allerdings nur bedingt dafür, da sich die Ausbildungsniveaus in unterschiedlichen Ländern für unterschiedliche Berufsgruppen stark unterscheiden. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise Kindergärtnerinnen oder Krankenschwestern zu nennen, die in Österreich keinen tertiären Abschluss zur Berufsausübung benötigen, wohingegen jener Personenkreis in anderen Ländern wie z.B. der Schweiz einen akademischen Abschluss erhalten.

 

Abbildung: Arbeitslose vs. offene Stellen Österreich August 2017

Quelle: ams

 

In Österreich haben im August 2017 43% der 311.492 arbeitslos gemeldeten Personen maximal einen Pflichtschulabschluss. Diesen 133.904 betroffenen Personen stehen lediglich 22.836 gemeldete offene Stellen gegenüber. Die zweitgrößte Gruppe umfasst jene Personen mit einem Lehrabschluss. Diese Gruppe ist allerdings deutlich im Vorteil, da beinahe die Hälfte der sofort verfügbaren Stellen diese Qualifikation verlangt.

 

Abbildung: Arbeitslosenrate nach Bildungsniveau

Quelle: ams

 

Im Rahmen des NeuWinds wurde anstelle der Akademiker-Quote die Zahl der Schulabbrecher berücksichtigt. Gerade der Bereich der Facharbeiter, die häufig einen Lehrabschluss aufweisen, wird in Zukunft eine größere Bedeutung zukommen (Stichwort: Facharbeitermangel!). Dieser Indikator repräsentiert einen Personenkreis, der ein sehr geringes Bildungsniveau aufweist. Auf der einen Seite weist dieser Personenkreis im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote auf. Auf der anderen Seite ist zudem festzuhalten, dass betreffende Personen in der Regel auch unterdurchschnittlich verdienen. Aus Sicht des Staates bedeutet das tendenziell höhere Sozialausgaben bzw. geringere Steuereinnahmen. Im Rahmen des Indikators Schulabbrecher werden jene Personen der Altersgruppe 18 bis 24 Jahre zusammengefasst, die höchstens die Sekundarstufe durchlaufen haben und keine allgemeine oder berufliche Bildung erfahren haben. In Österreich umfasst dieser Personenkreis 6,9% der 18- bis 24-jährigen. Damit liegt Österreich mit Rang 9 im guten Mittelfeld der EU-28.

 

Der dritte Indikator des Clusters Bildung wird durch die Pisa-Ergebnisse repräsentiert. Dieser Indikator ist insofern von Relevanz, da er die Qualität der Ausbildung gegenüber anderen Staaten misst. Im Rahmen der Pisa-Studie werden die Erkenntnisse 15-jähriger Schüler in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesekompetenz überprüft und miteinander verglichen. Österreich belegt im Vergleich mit den EU-28 den 14. Platz und rangiert auch bei diesem zukunftsweisenden Indikator im Mittelfeld.

 

Abbildung: Cluster Bildung im historischen Zeitraffer

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transperency International)

 

Im Referenzzeitraum sind die Bildungsausgaben Österreichs, gemessen am Anteil des BIP’s, gesunken, wohingegen die Ausgaben der EU-28 deutlich angestiegen sind. Bei den Schulabbrechern liegt Österreich deutlich unter dem EU-28 Durchschnitt. Der Output - also das Ergebnis der Ausbildung - ist allerdings durchschnittlich und hat sich auch gegenüber der letzten Pisa-Analyse verschlechtert.

 

Abbildung: Cluster Bildung – Platzierung im historischen Zeitraffer

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transperency International)

 

Auch ein direkter Vergleich mit den EU-28 zeichnet ein ähnliches Bild. Im Zuge des letzten Pisa-Tests hat sich Österreich von Platz 9 auf den 15. Rang verschlechtert. Bei den anderen beiden Indikatoren ist das Ranking relativ stabil.

 

Laut jüngstem Bericht der OECD (Education at a Glance) investiert Österreich erheblich mehr als andere OECD-Länder in die Bildung. Während Österreich über alle Bildungsstufen hinweg rund USD 13.000 pro Schüler und Jahr ausgibt, liegt der OECD-Schnitt mit ca. USD 10.000 deutlich darunter. Interessant ist auch der Aspekt, dass die Kosten seit der Jahrtausendwende um rund 40% angestiegen sind, wohingegen die Anzahl der Schüler um ca. 20% gesunken ist. Grundsätzlich ist eine Investition in einen zukunftsorientierten Themenkomplex durchaus zu befürworten. Befremdlich dabei ist allerdings, dass die Qualität der Ausbildung (vgl. Ergebnisse Pisa-Tests) nicht mithalten kann. Im Rahmen der Bildung wirkt die undurchsichtige Kompetenzeinteilung zwischen Ländern und dem Bund wie ein Bremsklotz. Ein diesbezügliche Entflechtung und eine klar definierte Kompetenz- und Aufgabenverteilung würden die Kosten senken. Zudem ist davon auszugehen, dass in diesem Falle auch die Ausbildungsqualität verbessert werden kann.

 

Abbildung: Wegzüge österreichischer Staatsangehöriger nach Alter, Geschlecht und Bildung

Quelle: Statistik Austria

 

Die größten Wanderungsraten weist die Altersgruppe der jungen Erwachsenen auf. Hinsichtlich der geschlechterspezifischen Verteilung sind ebenso Divergenzen zu beobachten. Während Frauen eine eingipfelige Verteilung aufweisen, die rund um den 30. Geburtstag sukzessive abnimmt, ist der Anteil der auswandernden Männer bis Mitte des 50. Lebensjahres noch vergleichsweise hoch. Wie in der Wanderungsstatistik (Wegzugsraten österreichischer Staatsbürger nach Bildung) ersichtlich, wandern Österreicher mit einem akademischen Abschluss häufig ins Ausland aus. Besonders gefragt sind Personen aus dem Bereich Naturwissenschaften, die deutlich höhere Abwanderungsraten aufweisen.

 

Abbildung: Bildungsausgaben vs. PISA

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transperency International)

 

In der Abbildung werden die Bildungsausgaben in Relation zu den Pisa-Ergebnissen dargestellt. Wie ersichtlich bedeuten hohe Ausgaben nicht zwingend eine hohe Bildungsqualität.

 

Österreich muss es ein Anliegen sein, die Rahmenbedingungen zu schaffen, junge Menschen mit guter Ausbildung im Land zu halten und damit den Wirtschaftsstandort zu stärken. Auch dieser Aspekt ist direkt mit dem Bildungsbereich verbunden – dieser Thematik wird meiner Meinung nach allerdings zu wenig Bedeutung beigemessen!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at