Single Malt Whisky - Genussobjekt und alternatives Investment?

18. Okt 2017 | Blog

VON Johannes Moosbrugger

Ist das allgemeine Zinsniveau niedrig, so schauen sich ambitionierte Privatanleger gerne nach alternativen Investmentmöglichkeiten um. Die Klassiker sind dabei Kunst in seinen diversen Formen, automobile Old- und Youngtimer, Wein und seit einigen Jahren vermehrt auch Whisky.


Ein Destillat darf sich “Scotch Single Malt Whisky“ schimpfen wenn es aus Gerste gebrannt wurde, für mindestens drei Jahre in einem Eichenfass in Schottland reifte und nur aus einer einzelnen Brennerei stammt. Werden mehrere Single Malts aus unterschiedlichen Brennereien zusammengemischt heißt das Endprodukt „Blend“, doch um diese soll es in diesem Beitrag nicht gehen.


Sammlermärkte, wie jene für Whisky und Wein, haben im Allgemeinen eines gemeinsam: Sie sind im Vergleich zum Aktien- oder Anleihenmarkt höchst intransparent und Preisentwicklungen sind in der Regel für Außenstehende nur schwer nachzuvollziehen. Genau an diesem Punkt setzt meine Onlineplattform „Whiskystats“ an. Auf Whiskystats werden Auktionsergebnisse gesammelt, aufbereitet und dem interessierten User zur Verfügung gestellt. Dieser kann damit große Marktbewegungen beobachten oder auf Einzelflaschenbasis die Wertentwicklung seiner privaten Sammlung verfolgen. Neben schottischen werden auch japanische Single Malts auf Whiskystats gelistet. Die japanischen Single Malts erlebten in den letzten Jahren einen unglaublichen Wertzuwachs, doch dazu später mehr.


Mit Stand Oktober 2017 umfasst die Whiskystats-Datenbank 22.000 verschiedene Whiskys mit dazugehörigen 280.000 Preisbeobachtungen. Auf den drei von Whiskystats beobachteten Auktionsplattformen wurden im Jahr 2016 51.000 Flaschen gehandelt. Das Handelsvolumen betrug dabei mehr als 16 Mio. Euro und hat sich damit im Vergleich zu 2010 verachtfacht.

 


Quelle: Whiskystats.net


Auf Basis dieses Datenbestandes lassen sich nun natürlich viele interessante Auswertungen machen die über die Preisverfolgungen einzelner Flaschen hinausreichen. So lässt sich Schottland z.B. in sechs große Whiskyregionen unterteilen. Um diese Regionen miteinander zu vergleichen, gibt es die Whiskystats-Regionsindizes. Jeder dieser Indizes beschreibt die relative Wertentwicklung der 100 meistgehandelten Whiskys aus der jeweiligen Region, wobei Japan hier als eigene Region geführt wird. Untenstehende Grafik zeigt klar auf warum 2014 und 2015 als Jahre des „japanischen Whiskybooms“ bezeichnet werden. Von März 2014 bis Mitte 2015 hat sich der Wert der 100 meistgehandelten japanischen Whiskys fast vervierfacht. Aber auch die klassischen Whiskyregionen Speyside und Islay erlebten 2016 Wertzuwächse im zweistelligen Prozentbereich.

 


Quelle: Whiskystats.net


Diese Wertentwicklungen lassen sich nun weiter herunterbrechen. In der Whiskystats-Datenbank gibt es 144 verschiedene Brennereien. An dieser Stelle betrachten wir ausschließlich jene acht, die im Jahr 2016 am häufigsten gehandelt wurden. Für jede dieser Brennereien berechnen wir nun einen eigenen Index, der erneut die relative Wertentwicklung der jeweils 100 meistgehandelten Whiskys wiedergibt.

 


Quelle: Whiskystats.net


Während die Jahre 2014 und 2015 von japanischen Whiskys dominiert waren, zeigt obige Auswertung dass das Jahr 2016 als das Jahr der „Macallan Preisrally“ bezeichnet werden darf. Die 100 meistgehandelten Macallans gewannen innerhalb von zwölf Monaten 44% an Wert. Aber auch die Destillate anderer Brennereien wie Laphroaig (+14%) und Bowmore (+16%) legten im Preis ordentlich zu.


Abschließend lässt sich festhalten, dass sich der sekundäre Whiskymarkt seit einigen Jahren in großem Aufschwung befindet. Gründe, warum Whisky auch für Sammler mit Anlageabsicht immer interessanter wird, gibt es viele. Whisky ist leicht zu lagern, vor allem im Vergleich zu Wein. Außerdem kann Whisky nicht „korken“, was das natürliche „Ausfallrisiko“ stark vermindert. Die finanzielle Einstiegshürde kann bei wenigen hundert oder tausend Euro liegen und ist somit deutlich geringer als z.B. bei Oldtimern. Allerdings hat Whisky als Anlageobjekt auch einen großen Nachteil! Die Versuchung, sein Investment mit dem einfachen Öffnen einer Flasche zu „vernichten“, ist relativ groß. ;-)

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.moosbrugger@grawe.at