Österreich – Es bleibt viel zu tun!

11. Dez 2017 | Blog

VON Josef Obergantschnig

In den vergangenen Wochen habe ich mich im Rahmen einer Blogserie mit zwölf wichtigen Themen befasst und Österreichs Stärken und Schwächen im Vergleich mit den EU-28-Ländern dargelegt. Österreich konnte unter Berücksichtigung aller zwölf Cluster und 36 Indikatoren den 11. Rang belegen. Damit befindet sich die Alpenrepublik im guten Mittelfeld. Es ist aber festzuhalten, dass sich Österreich in den vergangenen drei Jahren sowohl Rang- als auch ergebnismäßig deutlich verschlechterte – und zwar so stark wie kein anderes EU-28-Land.

 

Im Zuge der NeuWind-Gestionierung wurde versucht, die einzelnen Indikatoren in tendenziell zukunfts- bzw. vergangenheitsorientierte Indikatoren zu untergliedern. Während beispielsweise der Bildungsbereich ganz klar zukunftsorientiert ist, wird das Wirtschaftswachstum dem Bereich „vergangenheitsorientiert“ zugeordnet. Die Wachstumsrate repräsentiert die volkswirtschaftliche Gesamtleistung einer bereits vergangenen Periode und hat demnach keinen Einfluss auf die Entwicklung oder die zukünftige Konkurrenzfähigkeit eines Landes.

 

Abbildung: NeuWind – vergangenheitsbezogen

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

Bei den tendenziell vergangenheitsorientierten Indikatoren konnte Österreich 60 Punkte (Skala von 0=schlecht bis 100=gut) und damit den 7. Platz erreichen. Das Ranking wird von den Niederlanden, Dänemark und der Tschechischen Republik angeführt, wohingegen Kroatien, Lettland und Griechenland die Schlusslichter bilden.

 

Abbildung: NeuWind – zukunftsorientiert

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

Im Gegensatz dazu erzielte Österreich bei den tendenziell zukunftsorientierten Indikatoren mit 53 Punkten ein deutlich schlechtes Ergebnis und musste sich daher mit dem 13. Platz zufriedengeben. Dieser Subindex wird von Dänemark, dem Vereinigten Königreich und Frankreich angeführt, wohingegen Rumänien, Kroatien und Griechenland das schlechteste Ergebnis erzielten.

 

Abbildung: Österreich Verteilung Indikatoren

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

Im Diagramm werden die Cluster- und Indikatorenergebnisse (Ranking) dargestellt. Das aktuelle Jahr (= neuester Indikatorenwert) wird durch das blaue Quadrat gekennzeichnet, wohingegen das rotumrandete Quadrat das Cluster-Ranking von 2014 widerspiegelt. Österreich konnte in Summe sieben Top-5-Platzierungen erzielen. Das beste Cluster-Ergebnis konnten „Soziales“ und „Innovation“ in Relation zu den anderen EU-28 erreichen, wohingegen die Bereiche „Finanzen“ und „Unternehmen“ vergleichsweise schlechte Ergebnisse erzielten.

 

Abbildung: Veränderung 3 Jahre

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

Wie in der Abbildung ersichtlich, hat sich Österreich in den vergangenen drei Jahren in den Clustern Soziales, Kriminalität, Zufriedenheit und Familie verbessert. In den Bereichen Arbeitsmarkt, Innovation, Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und Unternehmen musste eine Verschlechterung hingenommen werden. Interessant ist auch eine Darstellung der zukunftsorientierten (oranger Punkt) und vergangenheitsorientierten (blauer Punkt) Indikatoren. Hier wäre politischen Entscheidungsträgern anzuraten, genau jene Bereiche herauszufiltern, die ein unterdurchschnittliches Ergebnis erzielten und eine Ursachenforschung zu betreiben. Zudem könnte man die Besten analysieren, deren Konzepte auf Werthaltigkeit, Chancen und Risiken sowie eine etwaige Umsetzbarkeit überprüfen und auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse die nötigen Entschlüsse treffen.

 

Abbildung: Stärken-Schwächen-Analyse ausgewählter Länder

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

In der Abbildung werden die Clusterergebnisse einzelner Länder dargestellt. Österreich ist in den Bereichen Innovation und Kriminalität vergleichsweise gut positioniert, wohingegen die Bereiche Finanzen, Unternehmen, Umwelt und Familie allerdings ein im Vergleich schlechteres Ergebnis ausweisen.

 

Abbildung: Ranking Indikatoren Vergleichsländer

Quelle: ARUS (Daten: Eurostat, OECD, Weltbank, Transparency International)

 

In der Grafik werden die Indikatorenergebnisse in unterschiedliche Bereiche (z.B. Top-5, 6.–10. Platz, etc.) eingeteilt. Die Niederlande konnten das beste Gesamtergebnis erzielen. In rund einem Drittel der Indikatoren konnte eine Top-5 Platzierung erzielt werden, wohingegen die Anzahl der Indikatoren, die einen Platz im Schlussfeld bedeuten (>20. Platz) sehr gering gehalten werden konnten. Ein völlig konträres Bild zeichnet sich für Italien ab. In mehr als 40% der Indikatoren belegt Italien einen Platz im letzten Drittel, wohingegen lediglich bei zwei Indikatoren eine Top-5 Platzierung erreicht werden konnte.


Für Österreich halten sich die Top- und Flop-Platzierungen weitestgehend die Waage, wohingegen Deutschland einen deutlichen Überhang der Top-Platzierungen aufweist.

 

Abschließend möchte ich festhalten, dass es ein sehr spannendes Projekt war, sich intensiv mit unterschiedlichsten Themenbereichen zu beschäftigen und die Stärken und Schwächen Österreichs im Vergleich zu den anderen EU-28 herauszuarbeiten. Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Gesamtbild zu erhalten und politischen Entscheidungsträgern mögliche Handlungsspielräume aufzuzeigen. Bleibt die Hoffnung, dass wir den Trend der vergangenen Jahre stoppen und durch gezielte Maßnahmen sukzessive und kontinuierlich an Verbesserungen arbeiten. In diesem Fall wäre ich für die Zukunft sehr optimistisch!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at