Nur Cash macht fesch!

26. Jan 2018 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Das Jahr 2018 ist erst wenige Wochen alt. Die Finanzwelt ist gut in das Jahr gestartet und konnte nahtlos an den Trend 2017 anschließen. Die Einkaufsmanager-Indizes vieler Länder befinden sich auf Höchstständen und der wirtschaftliche Ausblick für 2018 ist prächtig. Aber wie sehen es einzelne Unternehmen? Halten diese Cash oder investieren sie ihr Geld aufgrund der prosperierenden Wirtschafsaussichten?

 

Um dieser Frage nachzugehen, habe ich die weltweit 20 größten Unternehmen nach Marktkapitalisierung als Referenzgröße herangezogen. Diese Top-20 Unternehmen weisen gegenwärtig eine Marktkapitalisierung von 8,1 Billionen US-Dollar auf. Vor 5 Jahren betrug der Börsenwert dieser Unternehmen vergleichsweise geringe 3,9 Billionen US-Dollar.

 

Abbildung: Cash-Bestände Top-20 Unternehmen Global

Quelle: Bloomberg

 

Die dargestellten Referenzunternehmen horten Cash-Bestände in der Höhe von 1,26 Billionen US-Dollar. Das entspricht gegenwärtig rund 15% der Marktkapitalisierung. Im Vergleich zu 2012 ist der Cash-Bestand um unglaubliche 476 Milliarden US-Dollar angestiegen. Interessant ist auch, dass lediglich 6 von 20 Unternehmen heute einen geringeren Cash-Bestand aufweisen als vor 5 Jahren. Den größten Cash-Polster haben Apple und Berkshire Hathaway angehäuft. Beim IT-Riesen haben sich die Reserven von 121 auf 269 Milliarden mehr als verdoppelt. Auch Berkshire Hathaway, das Unternehmen von Warren Buffet, hat die Kriegskasse kräftig gefüllt. Innerhalb der vergangenen 5 Jahre ist der Cash-Bestand um 115 Milliarden auf 302 Milliarden gewachsen. Aktuell betragen die Reserven mehr als die Marktkapitalisierung des gesamten Unternehmens im Jahr 2013!

 

Interessant ist auch hier ein FAANG-Aktien-Vergleich. Im Rahmen dieser „Gruppe“ werden die IT-Riesen Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google (Alphabet) zusammengefasst. Allein diese 5 Unternehmen halten aktuell Cash-Bestände in der Höhe von 433 Milliarden USD – das entspricht mehr als dem Bruttoinlandsprodukt Österreichs! Innerhalb der vergangenen 5 Jahre sind die Reserven um 246 Milliarden US-Dollar gestiegen! Diese 246 Milliarden reichen gegenwärtig aus, um nach Börsenkapitalisierung zu den 15 größten Unternehmen der Welt zu zählen.

 

Abbildung: Wachstumsraten Cash-Bestände Top-20 Unternehmen

Quelle: Bloomberg, Security KAG

 

Wie in der Abbildung ersichtlich, wurden im abgelaufen Jahr noch einmal deutlich die Cash-Reserven aufgebaut. Die zugrundeliegenden Unternehmen agieren anscheinend sehr vorsichtig und sind anscheinend nicht bereit, die Barreserven in neue Projekte, Investitionen oder neue Geschäftsfelder zu investieren. Dies widerspricht dem aktuell positiv vorherrschenden Stimmungsbild! Abschließend möchte ich noch eine Interessante Grafik einbringen, die die profitabelsten Unternehmen weltweit darstellt. Ein Trendwechsel könnte sich allerdings ankündigen. Apple beispielsweise hat einen größeren Teil der Barreserven in ausländischen Tochterunternehmen angehäuft. Durch die Steuerreform Donald Trumps hat sich einiges geändert. Bisher mussten im Ausland erwirtschaftete Gewinne bei einer Verwendung in der USA, einer Repatriierung, mit 30% versteuert werden. Durch die Gesetzesänderung wird der Steuersatz künftig auf 15,5% reduziert. Apple will die Gunst der Stunde nutzen und jahrelang thesaurierte Gewinne im Ausland „steuergünstig“ heimholen. Es ist davon auszugehen, dass auch andere große US-Unternehmen diesem Trend folgen.

 

Abbildung: Die profitabelsten Unternehmen weltweit

Quelle: TITLEMAX

 

Apple ist gegenwärtig das profitabelste Unternehmen der Welt und verdient 1.444,76 US-Dollar pro Sekunde. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit JP Morgan Chase und Berkshire Hathaway zwei Giganten aus dem Finanzsektor, die mit 782,14 bzw. 761,30 US-Dollar vergleichsweise deutlich weniger pro Sekunde verdienen. Interessant ist für mich auch, dass viele der profitabelsten Unternehmen, deren Erfolg auf einem außergewöhnlich guten Geschäftsmodell liegt, in den vergangenen Jahren große Cash-Reserven aufgebaut haben. Ein Teil ist sicherlich auf die US-Steuerpolitik zurückzuführen. Grundsätzlich finde ich es durchaus positiv, sich für etwaige Krisen zu wappnen. Auf der anderen Seite scheint es aber auch so, dass jene Unternehmen vorsichtig agieren und nicht bereit sind, Risiko auf sich zu nehmen und in chancenreiche Projekte oder Geschäftsfelder zu investieren!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at