Die Gefahr lauert unter uns

08. Feb 2018 | Blog

VON Philipp Ebner

Viele Wissenschaftler sind sich einig, sitzende Tätigkeiten schaden dem Körper. Manch fachkundiges Personal geht sogar so weit und vergleicht langes Sitzen mit den negativen Gesundheitsauswirkungen, die durch das Rauchen ausgelöst werden. Sie behaupten, dass langes Sitzen nicht mit Ausgleichsübungen kompensiert werden kann und dutzende Studien belegen einen Zusammenhang zwischen zu langem Sitzen und Krankheitsbildern wie Diabetes, Hypertonie, gewisse Formen von Krebs und die höhere Wahrscheinlichkeit eines früheren Todes. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Industrie in den letzten Jahrzehnten unterschiedlichste Sitzmöglichkeiten hervorgebracht hat. Jeder der einen großen blauen Sitzball in der Ecke liegen hat, weiß jedoch, dass Komfort und Beständigkeit nicht von Dauer sind.

 

Quelle: Bloomberg, Illustration by Chris Philpot

 

Seit der Jahrtausendwende hat sich ein Trend zu intelligenten Arbeitsplätzen und Stehschreibtischen entwickelt. Tüftler haben die Richtung erkannt und Schreibtische mit Sensoren ausgestattet, die den Büromenschen mit akustischen und vibrierenden Signalen auffordert, eine andere Position einzunehmen. Laut einer Umfrage sind bereits 44% der US-Unternehmen und 16% der deutschen Unternehmen mit solchen Schreibtischen versorgt. Dieser Trend hat auch kuriose Erfindungen, wie die Entwicklung des „Laufband-Schreibtisches“, hervorgebracht. Und dabei ist diese Art, die physische Arbeit zu vollbringen, nichts Neues, denn Größen wie Winston Churchill, der amerikanische Autor Ernest Hemingway und US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben schon ihre Schreibarbeit auf den Füßen vollbracht.

 

Mit dem Einzug des Computers warnen jedoch Experten vor den Auswirkungen des exzessiven Sitzens am Arbeitsplatz, denn durch das Anwinkeln und das dadurch ausgelöste Stauen von Blut in den Beinen, verlieren die Arterien die Fähigkeit sich zu dehnen. Der Stoffwechsel verlangsamt sich und macht so den Körper anfälliger für physische und psychische Krankheiten. Studien belegen sogar, dass sich aktive Personen dieser Gefahr nicht entziehen können und kommen zu dem Ergebnis, dass eine Verringerung der Sitzdauer von maximal 3 Stunden am Tag, zu einer Verlängerung der Lebenserwartung von bis zu 2 Jahren führen kann.

 

Dem gegenüber stehen Wissenschaftler, die die Meinung vertreten, dass nur „Couch Potatoes“ einen Schaden davon tragen und dass kurze Bewegungseinheiten, wenn sie auch nur am Wochenende erbracht werden, die bekannten Risiken zur Gänze minimieren. Weiters führt das lange Stehen für diese Denker zu Krampfadern, Haltungsstörungen und Rückenschmerzen.

 

Um nicht, wie im Beispiel des „Laufband-Scheibtisches“, das Büro mit einem Fitnessstudio zu verwechseln, ist es wohl die beste Lösung für uns Langzeitsitzer ,den Arbeitsplatz von Zeit zu Zeit zu verlassen, um so den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen und vielleicht das ein oder andere nette Gespräch mit einem Arbeitskollegen im Stehen zu führen.

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: philipp.ebner@securitykag.at