Angst ist immer und überall - Auch an den Finanzmärkten

20. Apr 2018 | Blog

VON Peter Ladreiter

Seit Beginn unserer Existenz vor vielen Tausend Jahren empfindet der Mensch im Allgemeinen Angst, wenn er unmittelbar Bedrohung wahrnimmt. Diese Angst war und ist für das Überleben notwendig und schützt den Menschen prinzipiell vor Gefahr und lässt ihn die richtige Reaktion im richtigen Moment ausführen. Während in frühester Urzeit tatsächlich tagtäglich Gefahr an Leib und Leben der Menschen gegeben war, ist dies heutzutage nur mehr in absoluten Ausnahmefällen der Fall, denn die moderne Zeit hat das Lebensumfeld für die Menschen nach und nach sicherer gemacht.

 

Dennoch ist Angst unter breiten Bevölkerungsschichten allgegenwärtig, auch in Mitteleuropa, welches zu den sichersten Gegenden weltweit zählt. Aber es ist zunehmend die persönliche Angst, die die Menschen beschäftigt, sei es Angst vor Verlust des Partners, der Gesundheit, des Arbeitsplatzes oder
von Freunden und Familie und es gibt darüber hinaus auch undifferenzierte Sorgen wie allgemeine Angst vor der Zukunft durch beispielsweise Atomkrieg, Flüchtlinge oder Seuchen.

 

Offensichtlich ist es eine spezielle Denkweise, die diese Ängste schürt, denn der menschliche Verstand möchte nur zu gerne Erklärungen für alle möglichen Vorgänge in unserem Umfeld erschaffen. Fließen bei diesen Überlegungen bereits negative vorgefertigte Gedanken ein, so löst man keine Lebensprobleme, sondern schafft sich zusätzlich welche, was dann objektiv zu unbegründeten Ängsten führt, welche die Handlungsalternativen und Reaktionsmöglichkeiten auf ein Minimum beschränken. Das senkt die Lebensqualität enorm und die Art und Weise, mit einem solchen Übermaß an Ängsten umzugehen, ist Bestandteil der notwendigen Persönlichkeitsbildung und des Bewusstseins eines jeden Einzelnen. In Wahrheit ist das große Ausmaß der gefühlten Angst angesichts der anschließenden Auswirkungen meist übertrieben. Es kommt meist bei weitem nicht so schlimm wie angenommen und im Nachhinein weiß man, dass man sich wieder einmal zu viel gefürchtet hat.

 

Auch an den Finanzmärkten wird Angst gehandelt. Sie wird insbesondere bei sogenannten Termingeschäften, vor allem bei Optionen sichtbar. Optionen verbriefen für den Erwerber das Recht, zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Titel (z.B. Aktienindex) zu einem festgesetzten Preis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Eine Put-Option kann somit als Versicherung gegen fallende Märkte aufgefasst werden. Nur, dass der Preis dafür am freien Markt (Börse) durch die Gesamtheit von Angebot und Nachfrage zustande kommt. Und genau da kommt wieder das Phänomen der Angst ins Spiel. Da wir als Menschen in Summe dazu tendieren, uns vor unsicheren Ereignissen zu viel zu fürchten, stehen wenigen Anbietern (kaufen Unsicherheit und damit Angst ein) viele Nachfrager (verkaufen Angst bzw. Unsicherheit) nach solchen Optionen gegenüber. Damit wird der Preis solange steigen, bis schließlich alle Angst aus dem Markt verkauft ist. Und da die Angst vor dem ungewissen Ereignis größer war als im Nachhinein gerechtfertigt, verdienen langfristig jene, die den Mut hatten, die in Form von Optionen gehandelte Angst zu überhöhten Preisen zu kaufen.   

 

In der Historie zeigte sich, dass die Angst während und nach Finanzkrisen am höchsten ist, d.h. der Zukauf von Angst über Optionen ist dann besonders lohnend, wenn die Börsen auf Talfahrt sind. Damit bringt das Investment in Angst besonders dann viel Ertrag, wenn die Kurse übriger Anlagen auf Talfahrt sind. Durch diese gegenläufige Bewegung wird das Risiko der Gesamtanlage reduziert und das Asset "Angst" wird damit auch ein wichtiger Baustein im Rahmen der Asset Allocation von Finanzanlagen. Wir nützen diese Tatsache im Rahmen einer speziell dafür geschaffenen Optionsstrategie schon seit vielen Jahren, um den Anlageerfolg von vermögensverwaltenden Fonds für unsere Investoren damit entscheidend zu erhöhen.

 

(Übertriebene) Angst ist im Leben ein Hemmschuh für ein glückliches und erfülltes Leben, weil sie den Handlungsspielraum einengt und damit die sinnvolle Wahlfreiheit der Menschen im Leben erschwert oder verhindert. An den Finanzmärkten führt diese Angst jedoch zusätzlich zu schmerzhaften Verlusten, weil die Investoren tendenziell Ungewisses als zu bedrohlich einschätzen und sich damit systematisch um die Früchte möglicher Anlageerfolge bringen. 

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: peter.ladreiter@securitykag.at