Die sinnloseste Art des Energieverbrauchs

17. Mai 2018 | Blog

VON Johannes Szoncso

Macht es Spaß, einen Kühlschrank vier Jahre lang leer laufen zu lassen? Ja, vielleicht! Macht es Sinn? Vielleicht eher nicht. Die Menge an Energie, die für den Kühlschrank für vier Jahre Betrieb benötigt wird, reicht gerade einmal für eine einzige Bitcoin-Transaktion. Derzeit liegt der Energieverbrauch pro Transaktion bei 895 Kilowattstunden. Bei geschätzten 300.000 Bitcoin-Transaktionen pro Tag(!) ist die Menge an Energie, die dafür nötig ist, kaum vorstellbar.

 

Weltweit finden immer mehr Menschen Gefallen daran, mit ihren eigenen Computern an den Transaktionsberechnungen teilzunehmen. Diese kosten jedoch so viel Energie und Rechenleistung, dass der Gewinn, vor allem bei den starken Kursschwankungen der Kryptowährungen, relativ gering ist. Vielerorts werden ganze Rechnerfarmen aufgestellt, um möglichst viele Bitcoins herstellen zu können.

 

Das Prinzip ist relativ einfach: Jeder, der eine Bitcoin-Transaktion durchführen möchte, muss ein Angebot machen, wie hoch die Transaktionskosten für seine Transaktion sein sollen. Je höher die Transaktionskosten gewählt werden, desto schneller kann die Transaktion durchgeführt werden. Werden die Transaktionskosten zu niedrig gewählt, dann kann es auch passieren, dass Transaktionen überhaupt nicht durchgeführt werden. Nun kommen die Miner ins Spiel: Sie versuchen, die Transaktionen mit den höchsten Transaktionskosten herauszufiltern, um den nächsten Transaktionsblock zu erraten. Sobald dieser Block verifiziert ist, werden die Transaktionskosten in Form von Kryptowährung an die erfolgreichen Miner aufgeteilt und die bezahlten Transaktionen werden ausgeführt. So werden Bitcoins „produziert“, andere Formen von Transaktionen sind nicht möglich, nur in dieser verifizierten Form. Die Liste der aneinander gereihten Transaktionsblöcke wird aber immer länger, wodurch die Miner immer mehr Rechenleistung bereitstellen müssen, um den nächsten Block zu berechnen. Die Investitionen in Computerfarmen und in die verbrauchte Energie amortisieren sich derzeit noch gut, da die Preise der Kryptowährungen auch dementsprechend hoch sind.

 

Natürlich macht es einen großen Unterschied, ob die Energie aus erneuerbaren Quellen kommt oder aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird.

 

Abbildung: Anteil der Energieträger an der weltweiten Produktion

Quelle: Wikipedia

 

Solange die Verteilung der weltweiten Energieproduktion so aussieht wie in der Abbildung, kann ich dem aggressiven „Mining“ nichts abgewinnen. Ich finde es traurig, wie unsere Generation mit Energie herumschmeißt, nur um ein paar Bitcoins zu verdienen. Derzeit mögen die Energieressourcen unseres Planeten noch ausreichen, um das Mining von Kryptowährungen mit zu tragen. Aber wohin wird das einmal führen?

 

Abbildung: Bitcoin Energy Consumption Index

Quelle: BitcoinEnergyConsumption.com

 

Sehen wir uns einmal diesen Chart an. Hier geht es um den Gesamtstromverbrauch bei Bitcoins. Ca. 65 Terrawattstunden im Jahr klingen zwar viel, aber was kann man sich darunter vorstellen?

 

Abbildung: Energy Consumption by Country

Quelle: BitcoinEnergyConsumption.com

 

Hier sehen wir den Energieverbrauch ganzer Staaten pro Jahr. Bitcoin verbraucht derzeit mehr Strom als die Schweiz in einem ganzen Jahr.

 

Ist eine VISA-Transaktion sicher? Da sind wir im Allgemeinen schon davon überzeugt. Im Vergleich zu Bitcoin natürlich nicht, aber ist dieser hohe Sicherheitslevel wirklich gerechtfertigt?

 

Abbildung: Bitcoin network versus VISA network average consumption

Quelle: BitcoinEnergyConsumption.com

 

Zum Vergleich: Eine Bitcoin-Transaktion verbraucht 895 KWh. 100.000 VISA Transaktionen verbrauchen ca. 169 KWh.

 

Grundsätzlich habe ich nichts gegen die Idee der Kryptowährungen. Das Sicherheitslevel ist sehr hoch, Transaktionen sind übers Internet in kürzester Zeit möglich, auch in Ländern mit hoher Inflation (zB: Venezuela) oder in Ländern, in denen sonst kein Finanzsystem funktioniert. Das sind durchaus plausible Verwendungsmöglichkeiten, aber der dazu nötige Energieverbrauch übersteigt alle sinnvollen Grenzen. Auch die vollständige Anonymität und die daraus ermöglichte Geldwäsche, Krieg- und Terrorfinanzierung usw. sind Kritikpunkte. In der derzeitigen Form überwiegen für Kryptowährungen die negativen Eigenschaften. Und wenn man sich überlegt, dass der Stromverbrauch langfristig immer schneller steigen wird, dann wird der Betrieb dieses Systems irgendwann nicht mehr rechtfertigbar sein. Die Währung mag als kleine Währung für besondere Zwecke Zukunft haben. Als Leitwährung oder gar Spekulationswährung im großen Stil ist sie aber nicht geeignet.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.szoncso@securitykag.at