Tech-Bubble 2.0 - Risk-On Modus bei IPOs?

25. Mai 2018 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Seit den Turbulenzen rund um die Lehman-Pleite und die darauffolgende Euro-Krise erleben wir ein sehr freundliches Kapitalmarktumfeld. Die Kurse nahezu aller Asset-Klassen stiegen kontinuierlich an und notierten zum Teil nahe den Höchstständen. Kurze Korrekturen boten Kaufgelegenheiten. Das Risiko war weitestgehend „abgeschafft“. Die Volatilitäten notierten auf historischen Tiefstständen. Technologieaktien wie Apple, Facebook, Amazon, Google oder Netflix erfreuen sich großer Beliebtheit und stürmen einen Höchststand nach dem anderen. Manch ein Leser wird sich an die Goldgräberstimmung rund um den Internet-Boom um die Jahrtausendwende zurückerinnern. Aber ist die heutige Zeit mit jener von damals vergleichbar?

 

Seit April 1998, wenige Monate vor der Russlandkrise, bin ich im Finanzbereich beschäftigt. Insofern konnte ich als Junger die Internet-Bubble hautnah miterleben. Prägend für diese Zeit waren vor allem Börsengänge. Diese boten häufig eine Gelegenheit, im Falle einer Zuteilung mit dem Börsenstart, schöne „risikofreie“ Gewinne zu „erwirtschaften“. Nachdem eine Zuteilung aufgrund der Nachfrage meist sehr unwahrscheinlich oder im besten Fall sehr gering ausfiel, wurde dieser Aspekt bereits in der Auftragserteilung berücksichtigt. Die Platzierungshöhe fiel häufig um das x-fache höher aus als der Betreffende wirklich haben wollte.

 

Von dieser Euphorie rund um die IPOs ist, meiner Wahrnehmung nach, in diesen Tagen wenig zu spüren. Im Zuge meiner Recherche bin ich auf ein interessantes Paper von Jay R. Ritter von der University of Florida gestoßen, der im Rahmen einer Analyse das IPO-Verhalten langfristig analysiert hat.

 

Abbildung: Anteil der US-IPOs mit einem Verlust bzw. Anteil an Tech-Aktien

Quelle: Jay R. Ritter, University of Florida (Paper: Initial Public Offerings: Updated Statistics)

 

Im Jahr 2017 vollzogen 108 Unternehmen einen Börsengang. Über 80% der Unternehmen waren zum Zeitpunkt des IPOs noch nicht in der Lage, einen Gewinn zu erwirtschaften. Dieser Wert erreicht damit einen ähnlich hohen Wert als zur Technologieblase in den Jahren 1999 und 2000. Auffallend ist jedoch, dass der Anteil der Technologie-Unternehmen mit aktuell unter 30% deutlich darunter liegt. Im Jahr 1999 waren vergleichsweise knapp 80% der Unternehmen, die an die Börse gingen, dem Technologiesektor zuzuordnen.

 

Abbildung: Durchschnittliche Performance am 1. Handelstag

Quelle: Jay R. Ritter, University of Florida (Paper: Initial Public Offerings: Updated Statistics)

 

Das Jahr 2017 ist nicht mit den Jahren 1999 und 2000, in denen die Internet-Bubble ihren Höhepunkt erreichte, vergleichbar. Während 1999/2000 Unternehmen am ersten Börsentag eine Kursperformance von 64,6% erzielen konnten, liegt die Performance 2017 deutlich darunter. Auch hinsichtlich der Anzahl an IPOs sind große Unterschiede zu beobachten. Während in den Jahren 1999 und 2000 476 bzw. 380 Unternehmen an die Börse gingen, wagten 2017 lediglich 108 Unternehmen den Sprung an die Börse.

 

Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass das heutige Umfeld mit jenen Tagen der Hochblüte der Internet-Bubble aus meiner Sicht nicht vergleichbar ist. Es ist aber festzuhalten, dass hinsichtlich der fundamentalen Qualität die IPO-Unternehmen 2017 nicht mit jenen der 1980er und frühen 1990er Jahre vergleichbar sind.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at