Die Cash-Revolution

01. Jun 2018 | Blog

VON Philipp Ebner

In Zeiten der Digitalisierung flackert immer wieder die Frage auf, ob unsere Gesellschaft das viel geschätzte Papier- bzw. Münzgeld als physisches Zahlungsmittel noch benötigt, oder ob die Zeit reif ist, einem alternativen Wertaufbewahrungssystem den Vorrang zu geben. Die Gesellschaft verwendete in der Vergangenheit bereits verschiedene Arten von Geldmittel, um den Kreislauf einer Ökonomie anzukurbeln. So waren Metalle, Muscheln und Whiskey schon beliebte Tauschpaare um Handel zu betreiben, jedoch erst mit dem Einzug des Papiergeldes konnte das Geldsystem revolutioniert werden. Genau an diesem Scheideweg befindet sich momentan unsere Gesellschaft wieder. Die Beliebtheit und Einfachheit des Online Bankings, sowie die Entwicklung alternativer Zahlungssysteme wie z.B. Bitcoin, tragen zu dieser Evolution gehörig bei. Viele Ökonomen befürworten den Trend, jedoch jede Münze hat zwei Seiten und so halten Kritiker mit schlagkräftigen Argumenten dagegen.

 

Die Grundsteine einer bargeldlosen Gesellschaft sind bereits gelegt. So reduzierte Schweden als Vorreiter seine jährlich umlaufenden Bargeldbestände auf 1,7% des BIPs – der Durchschnitt der größeren Staaten liegt bei ca. 9%.

 

Quelle: Bloomberg, Statistics Sweden

 

Schwedische Kirchen sind Pioniere im Spendensammeln mittels Handylösungen und die Zentralbank prüft die Machbarkeit und Umsetzung einer Kryptowährung. Chinas Städter lieben es, Geschäfte über verschlüsselte Codes mittels Handy abzuwickeln und in Indien zählt das Startup Paytm, welches von Alibaba Group Holding Ltd. unterstützt wird, über 255 Millionen User und ermöglicht den Nutzern, Zahlungen mittels einer virtuellen Brieftasche abzuwickeln. Um Steuerhinterziehern und Betrügern die Grundlage zu rauben, entschied die indische Regierung 2016, die größeren Banknoten zu ersetzen. Dies stellte jedoch Unternehmen vor die Herausforderung, vernünftig Gehälter auszuzahlen. Menschen unter der Armutsgrenze konnten sich aufgrund der fehlenden Banknoten kein Essen mehr kaufen. Auch Hierzulande machte die europäische Zentralbank mit dem 500,-- Euro Schein Schluss und stellte die Produktion ab 2018 ein.

 

Seit Jahrhunderten versuchen Menschen, Alternativen zu den vorherrschenden Zahlungsmitteln zu entwickeln. Der erste bekannte handschriftliche Scheck wurde am 16. Februar 1659 bei „Clayton and Morris“, einer Goldschmiedebank in London, eingelöst. Die nächste größere Revolution passierte im Jahr 1949 mit einer vergessenen Geldbörse.

 

Der amerikanische Unternehmer Frank McNamara besuchte das zu der Zeit exklusivste Restaurant Majors Cabin Grill in New York. Jedoch beim Bezahlen bemerkte er, dass er seine Geldbörse vergessen hatte. Um zukünftig solchen Blamagen zu entgehen, erkannte er, dass die persönliche Identität und die Bonität eines Menschen die wichtigsten Werkzeuge des bargeldlosen Zahlens der damaligen Zeit waren. Daraufhin gründete er Diners Club und legte somit das Fundament der heutigen Kreditkartenindustrie. Kurz darauf entwickelten Banken ein Computersystem, um das digitale Geld leichter managen zu können. Diese Entwicklung führte 1967 in London dann schließlich zum ersten automatischen Bankomaten, sowie zu den Bankomatkarten. Letztere wurden jedoch erst im Jahre 1980 mit dem flächendeckenden Einsatz von zusammenhängenden Bankomaten interessant. Dieser Schritt wiederrum ebnete den Weg zum heutigen Online Banking.

 

Der Entwicklung vom physischen Papier- und Münzsystem hin zur digitalen Währung stehen Ökonomen und Kritiker uneinheitlich gegenüber. Regierungen argumentieren mit der Beendigung von Steuerhinterziehung, Drogenhandel und Terrorismusfinanzierung. Zentralbanken wären in der Lage effektiver mit Zinsänderungen auf Rezessionen einzugehen. Unternehmen könnten Transaktionskosten sparen und den Konsumenten einen reibungslosen Zahlungsverkehr als Anreiz für mehr Konsum und Wirtschaftswachstum bieten.

 

Demgegenüber stehen Gegner, die in diesem System eine Bedrohung der finanziellen Privatsphäre sehen und Regierungen und Banken einen zu großen Vertrauensvorsprung zusprechen. Denn mit einem Klick kann über Soll und Haben entschieden werden. Argumente wie Cyberattacken von Hackern oder die Anfälligkeit des weltweiten Stromnetzes tragen ebenfalls zur Uneinigkeit bei. In den Entwicklungsländern sind Tendenzen einer Zweiklassengesellschaft zu erkennen, denn viele Menschen unter der Armutsgrenze können sich keinen Onlinezugang, geschweige denn ein Handy für Transaktionen leisten und werden durch das virtuelle Geld weiter an den Rand der Existenz gedrückt. Auf der anderen Seite bieten Unternehmen wie Paytm in Indien und M-Pesa in Kenia den Menschen in abgelegenen Orten die Möglichkeit, Mikrokredite abzuschließen, um das eigenen Leben weiterentwickeln zu können.

 

Es bleibt daher abzuwarten, welche Wege internationale Konzerne beziehungsweise findige Start-ups in Zukunft einschlagen werden, um der Menschheit ein vernünftiges System anbieten zu können.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: philipp.ebner@securitykag.at