Gibt es Bedingungen für einen fairen Handel?

06. Jul 2018 | Blog

VON Dieter Rom

Ausgehend von den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, die sich im internationalen Wettbewerb benachteiligt fühlt, stellt sich die Frage, was die Auslöser von Handelsungleichgewichten sind:

 

1. Währungsrelationen

2. Konkurrenzfähigkeit (Produktivität)

3. Besteuerung (Unternehmenssteuern, Energiesteuern)

4. Lohnkostenunterschiede

5. Dumpingpreise

6. Regulatorien

 

ad1.) In den letzten 20 Jahren ist der USD handelsgewichtet im Wert um ca. 10% gefallen, der EUR um ca. 5% gestiegen. Der chinesische Renminbi stieg gegenüber dem USD um ca. 20%.
Fazit: Die Währungssituation hat die Wettbewerbsfähigkeit der USA verbessert.
ad4.) Die Löhne sind in China im Zeitraum von 1998 bis 2016 um 14,5% p.a., in den USA um 4,4% p.a. und in Deutschland um 2,5% p.a. gestiegen.
Fazit: Deutschland hat von einem leicht tieferen Lohnwachstum profitiert.
ad3.) Im Bereich der Energiesteuern liegt die USA weit unter Europa.
Fazit: Die USA haben einen beträchtlichen Vorteil gegenüber Europa
ad5.) Das wird den Chinesen von europäischer und US-amerikanischer Seite vorgeworfen (schon bestehende Dumpingzölle). Für europäische Anbieter kann dies wohl nicht gelten, da die europäische Industrie nicht staatlich subventioniert wird.
Fazit) Deutsche Autos verkaufen sich am US-Markt, obwohl sie teurer sind als amerikanische Autos.
ad2. und ad6.) Der Nachteil für die USA muss daher an diesen beiden Punkten liegen, die aber hausgemacht sind.

 

Der verminderte Gewinnausblick, den Daimler vorletzte Woche veröffentlichte, der Bezug nahm auf die mutmaßlichen US-Einfuhrtarife für China von 25% (die am 6. Juli umgesetzt werden sollen) und chinesische Vergeltungszölle in identischer Höhe, die bereits angekündigt wurden, bieten einen Einblick in die Entwicklungen, zu denen es in einem eskalierenden Handelskonflikt kommen könnte. Sollte China auf die angedrohten Zölle von 25% auf weitere chinesische, in die USA importierte Produkte im Wert von USD 200 Mrd. reagieren, wären in den USA hergestellte und nach China ausgeführte Fahrzeuge wahrscheinlich abermals betroffen.

 

Grafik 3 zeigt, dass sieben der zehn meistverkauften US-Autoimporte in China SUVs deutscher Marken sind. US-Präsident Donald Trump hat auch vorgeschlagen, Zölle von 20% auf alle Einfuhren von in der EU hergestellten Fahrzeugen und Teilen zu erheben, obwohl es zu diesem Thema am 19./20. Juli eine öffentliche Anhörung geben wird.

 

Quelle: Bloomberg, LMC Automotive, Thomson Datastream, UniCredit Research

 

Insgesamt hätten solche Maßnahmen zwei klare Auswirkungen auf europäische Automobilhersteller. Sie würden in den USA hergestellte und nach China exportierte Fahrzeuge ebenso beeinflussen wie in Europa gebaute und in die USA ausgeführte Autos.

 

Interessant ist jedoch der CO2-Grenzwert von 95g CO2/km, den Flotten ab 2021 in der EU nicht überschreiten dürfen. Bindend ist der Flottenverbrauch der einzelnen Marke in der EU. Möglicherweise ist genau das der Hintergrund, das gerade alle umwelttechnisch sinnlosen Fahrzeuge in den USA gebaut werden.

 

Wären die USA an einem wirklich fairen Handel interessiert, dann sollten folgende Kriterien angewandt werden:

 

  • Auswirkungen auf die Umwelt: Im Produktionsprozess und im Transport. Dies erfordert eine kostengerechte Besteuerung von z.B. Energie. Klimaziel: Globale Erwärmung max. 2 Grad
  • Mindestsozialstandards: Arbeitsbedingungen, Kranken- und Pensionsversicherung keine Kinderarbeit etc.
  • Mindestbesteuerung von Unternehmensgewinnen: Ausschluss von Steuerparadiesen am Welthandel

 

Die ersten Maßnahmen der USA sind an der Entwicklung der Steuereinnahmen schon gut ersichtlich. Willkommen beim fairen Handel.

 

Quelle: U.S. Bureau of Economic Analysis

 

 

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