Abseits der Fußball-WM

12. Jul 2018 | Blog

VON Johannes Szoncso

Am Dienstag wurde bekannt, dass Christiano Ronaldo von Real Madrid zu Juventus Turin wechselt. Der 33-jährige Superstar kostet „Juve“ ca. 105 Millionen Euro, eigentlich mickrig für die in seinem Vertrag festgeschriebene Summe von einer Milliarde Euro. Zudem beträgt das Gehalt für den Spieler schlappe 30 Millionen Euro netto pro Jahr.

 

Dieses Schnäppchen katapultierte die Aktie von Juventus Turin um über 30% in die Höhe. Eine doch etwas fragwürdige Reaktion, da Ronaldo, wie bereits erwähnt, 33 Jahre alt ist und seinen Zenit, wenn noch nicht jetzt, dann zumindest bald erreicht haben wird. Der Vertrag mit Ronaldo läuft 4 Jahre, dann ist er 37. Juventus ist ja bekannt dafür, erfahrene Spieler möglichst lange zu behalten, aber das Jahressalär ist schon unglaublich hoch. Umgerechnet 82.000 Euro netto pro Tag verdient man im österreichischen Durchschnitt nicht einmal in einem Jahr!

 

Ich bin sehr skeptisch, ob sich dieser Transfer für Juventus finanziell auszahlen wird. Wenn man genauer hinsieht, könnte man zumindest beginnen zu rechnen. Die Clubpräsidenten träumen von Einnahmen für Merchandising, Trikotverkäufe, Beteiligungen an Bildrechten, zusätzliche Prämien durch sportliche Erfolge und höhere Honorare für Freundschaftsspiele – zu Recht. Denn Ronaldo wird die Einnahmen in diesem Bereich sicher stark erhöhen, doch wird das reichen?


Bereits vor einem Jahr rechnete der Focus (Link zum Artikel) vor, dass ein Fußballer im allerbesten Fall 30 Millionen Euro pro Jahr generieren kann, alle diese Einnahmearten eingerechnet. Rechnen wir großzügig mit 40 Millionen Euro - es ist ja Ronaldo(!) – stehen 160 Millionen Euro Einnahmen in 4 Jahren immer noch 225 Millionen Euro an Ausgaben gegenüber (Ablösesumme und Gehalt). Zudem ist ein Nettogehalt vereinbart, wodurch der Verlust noch weit größer sein wird.

 

Realistisch betrachtet bringt der Wechsel dem Verein aus finanzieller Sicht sehr wenig. Zudem ist das Risiko hoch, dass Ronaldo in den nächsten Saisonen altersbedingt abbauen wird.

 

Für eines könnte der Transfer allerdings schon Sinn machen: Für das Erreichen der Champions League Krone. Da müsste aber sportlich alles perfekt zusammen passen und Ronaldo sollte in der bestechenden Form bleiben, in der er derzeit ist. Für die Aktie von Juventus sollte die Neuverpflichtung in Summe aber eher ein Fluch als ein Segen sein.

 

Sicher kann sich der Präsident von Juventus, Andrea Agnelli, aber darüber sein: Ronaldo wird Juventus nicht wieder aus der Champions League schießen, wie in den letzten Saisonen. 2017 schoss Ronaldo im Finale für Real Madrid zwei Tore, 2018 im Viertelfinale sogar alle vier Tore bei einem Gesamtscore von 4:3 aus Hin- und Rückspiel. Eine Begegnung Real Madrid gegen Juventus Turin hätte in der nächsten Saison also einen einzigartigen Charakter. Denn Rache ist bekanntlich süß!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.szoncso@securitykag.at