Die Vermüllung der Welt

05. Sep 2018 | Blog

VON Philipp Ebner

Mit dieser Blogserie möchte ich mich einem Thema widmen, welches momentan medial kaum wegzudenken ist, jedoch in den Köpfen unserer konsumgetriebenen Gesellschaft nach wie vor nicht Fuß gefasst hat.

 

Begonnen hat alles im frühen 19. Jahrhundert mit dem Belgier Leo Hendrik Baekeland. Durch stundenlanges Experimentieren mit unterschiedlichen Chemikalien und Arbeitsabläufen erhielt er einen Wunderstoff Namens Bakelit. Jedoch konnte ohne chemische Betriebsanleitung diese neue Erfindung nicht industriell verarbeitet werden. Erst der deutsche Chemiker Hermann Staudinger veröffentlichte im Jahre 1920 das Grundprinzip der Makromoleküle und ebnete somit den Weg für die breite Herstellung von Polymeren. Der Hauptbestandteil, welcher über die vergangenen Jahrzehnte den Weg in jeden Bereich unserer Gesellschaft gefunden hat und definitiv ein Grundstoff unseres Lebens wurde. Der Alleskönner Kunststoff hat zu völlig neuen Produkten geführt, den technologischen Fortschritt vorangetrieben und Ingenieuren neue Perspektiven zur Umsetzung von neuen Produkten gegeben.

 

Quelle: PlasticsEurope

 

Genau hier fängt jedoch das Problem mit dem künstlich hergestellten Superprodukt an. Bei einer weltweit rasant steigenden Kunststoffproduktion in den Jahren 1950 bis 2015 von über 18.800% (1,7 Mio. Tonnen im Jahr 1950 vs. 322 Mio. Tonnen im Jahr 2015) ist, abgesehen von einem unmöglichen Recycling des Produktes, eine komplette Wiederaufbereitung kaum möglich und trägt genau deshalb zur Entstehung des 1,6 Mio. km² großen „Great Pacific Garbag Patch“ bei. Die Fläche der Müllinsel ist mittlerweile auf die 4-fache Größe Deutschlands angewachsen. Aktuelle Studien geben Zahlen wieder, dass jährlich zwischen 5 und 13 Mio. Tonnen den Weg ins Meer finden.

 

Quelle: Zeit online

 

Aus den Augen aus dem Sinn, macht bei Plastik nur im ersten Moment Sinn, denn nachweislich zerreiben Salzwasser, Sonnenstrahlung, Wellen und Organismen die Fremdkörper und hinterlassen eine Art Plastiksuppe. Dieses Mikroplastik weist eine höhere Dichte auf als Wasser, verbreitet sich aufgrund der Strömungen über die gesamten Schichten des Ozeans und gelangt schlussendlich in einer anderen Form wieder auf unsere Teller. Es wird geschätzt, dass im nordpazifischen Müllstrudel 1,8 Billionen (1.800.000.000.000) Plastikteilchen, das sind Partikel deren Durchmesser geringer als 5 Millimeter ist, treiben.

 

Als Konsument sollte man sich angesichts der Zahlen und Bilder langsam Gedanken machen, wohin die Reise führen wird. Vor allem jetzt, nachdem China als weltweit größter Importeur von Kunststoff, Metall und Papier die Grenzen für anliefernde Frachtcontainer aus Europa und den USA dicht gemacht hat.

 

Quelle: Bloomberg


Das Land der aufgehenden Sonne möchte nicht mehr als weltweite Müllkippe fungieren und bereitete plötzlich den Stadtverwaltungen rund um den Globus, die sich auf die stetige Abnahme Chinas verlassen hatten, starke Kopfschmerzen. Diese Entscheidung ließ den Preis für recyceltes Plastik und Papier in den Keller rasseln. So fiel in den USA der Durchschnittspreis für gebrauchte Wellpappe um 36%. Inzwischen versuchen Indien und Vietnam den Import zu erhöhen, jedoch schaffen diese es nicht, annähernd Chinas Kapazitäten zu erreichen. Darüber hinaus haben nur wenige Industrieländer die technischen Möglichkeiten die Müllberge zu recyceln. Daher wird teilweise die Mülltrennung zurück- und stillgelegte Mülldeponien hochgefahren, um dem Anstieg der Müllberge durch Verbrennung oder Deponierung Herr zu werden.

 

Wie sieht es eigentlich nach all den beunruhigenden Fakten mit der Recyclingquote von Kunststoff in unserer Alpenrepublik aus?

 

Der Bedarf an Kunststoffen in Österreich lag im Jahr 2015 bei rund 1,03 Mio. Tonnen,
wobei diese überwiegend im Verpackungssektor (31%) und in der Bauwirtschaft
(21%) verwendet wurden. Im selben Jahr sind 0,92 Mio. Tonnen Abfälle an Polymere angefallen. Davon sind 21% reine Kunststoffabfälle (Folien, Behältnisse, Gummi, etc.), 77% Abfälle mit unterschiedlich hohem Kunststoffanteil (Restmüll, Sperrmüll, etc.) und 2% des Kunststoffmülls befinden sich in Farben, Lacken, Weichmachern und Plastikschlämmen.

 

Quelle: Umweltbundesamt

 

Hinsichtlich der Herkunft der Überreste sind 80% Konsumabfälle und 20% auf Produktionsabfälle zurück zu führen. Daraus ergibt sich, dass 51% der gesamten Kunststoffabfälle die österreichischen Haushalte produzieren.

 

Quelle: Umweltbundesamt

 

Im Jahr 2015 wurden in Österreich 71% der angefallenen Kunststoffabfälle thermisch behandelt, sprich den Verbrennungsanlagen in Zementwerken, der Zellstoffindustrie und zur Energiegewinnung (Strom und Wärme) zugeführt. 28% der Kunststoffe wurden in den 38 osterreichweit zur Verfügung stehenden Anlagen verwertet und Recyclate (aufbereiteter Kunststoff), Halberzeugnisse und Produkte für die Baustoffindustrie hergestellt. Nur 1% des Plastikmülls landete im Jahr 2015 auf den 50 Deponien in Österreich.

 

Quelle: Umweltbundesamt

 

Wie China handelte auch Österreich mit den Resten. So wurden 149.500 Tonnen KS-Abfälle (=reine Kunststoffabfälle) und 106.200 Tonnen KS-h Abfälle (=kunststoffhaltige feste Abfälle) im Jahr 2015 importiert. Wohingegen um rund 28% weniger KS-Abfälle und um 34% mehr KS-h Abfälle exportiert als importiert wurden. Handelspartner sind aufgrund der kurzen Transportwege vorwiegend die Nachbarsländer.

 

Einer aktuell veröffentlichten Studie nach, haben wir Österreicher mit einer Recyclingquote von 57,6% (alle Abfälle!) den Platz 2 im europaweiten Ranking eingenommen. Der Platz 1, wie kann es anders sein, geht natürlich an Deutschland mit einer Quote von 66%. Als Drittplatzierte werden die Belgier genannt, mit einer Aufbereitungsquote von 53,5%. Schlusslichter sind Griechenland (17%), Rumänien (13,3%) und Malta (7,1%).

 

Das ist Grundsätzlich ein gutes Zeugnis für Österreich, da wir uns vom EU-Durchschnitt mit 46% deutlich abheben, jedoch denke ich, liegt das Problem wo anders.

 

Da es sich bei dem Thema Plastik um ein gesellschaftliches Problem handelt und die weitere Betrachtung den Rahmen eines Blogs sprengen würde, möchte ich, im nächsten Teil die europäische Situation beleuchten und mögliche Lösungsansätze ausarbeiten.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: philipp.ebner@securitykag.at