Hyperinflation – Venezuelas Schrecken!

26. Sep 2018 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Venezuela kämpft mit einer Geldentwertung. Die Preise steigen um 223,1% - nicht pro Jahr sondern pro Monat! Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die Inflation auf Jahresbasis mehr als 1 Mio. % betragen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wirtschaftsleistung deutlich einbrechen wird – Skeptiker gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt um ein Fünftel zurückgehen wird. In den vergangenen sechs Jahren ist die Wirtschaft sogar um 60% geschrumpft!

 

Die Regierung kämpft mit einem riesigen Haushaltsdefizit, welches laut IWF Ende des Jahres 30% der Wirtschaftsleistung betragen wird. Dadurch werden Importe exorbitant teuer. Das wichtigste Importgut des Landes sind paradoxerweise Banknoten und Geldpapier anstelle von dringend benötigten Lebensmitteln oder Medikamenten. Auch die Ölproduktion, die Finanzierungsquelle Venezuelas, ist stark zurückgegangen und wirft gegenwärtig nur mehr ein Drittel des Ertrages von vor zwei Jahren ab. Die Bonität von Staatsanleihen ist mittlerweile im untersten High-Yield Bereich angesiedelt. Eine Finanzierung via Kapitalmarkt ist aufgrund des Zinsniveaus derzeit nur bedingt eine Alternative.

 

Der Begriff Hyperinflation ist ein Synonym für ein sehr stark steigendes Preisniveau. Auch wenn es keine allgemein akzeptierte Grenze gibt, ist eine monatliche Inflationsrate von zumindest 50% ein weit verbreiteter Grenzwert. Mit einer Hyperinflation geht häufig eine Kapitalflucht einher – dahingehend wird politisch mit Devisenverkehrsbeschränkungen angekämpft.

 

Das stellt die Bevölkerung vor massive Probleme. Bargeldreserven zu halten ist äußerst unattraktiv, da sie täglich beträchtlich an Wert verlieren. Venezuela hat vor kurzem eine neue Währung eingeführt. Der neue „souveräne Bolivar“ hat fünf Nullen weniger! Ziel ist es, damit der Hyperinflation Herr zu werden. Der souveräne Bolivar ist an die Kryptowährung Petro gekoppelt. Die landeseigene Kryptowährung wiederum ist mit den Ölreserven des Karibiklandes abgesichert. Ob das als vertrauensfördernde Maßnahme angesehen werden kann, ist zu bezweifeln.

 

Eine Erleichterung durch die neue Währung ist aus Sicht der Bürger noch nicht in Sicht. Gegenwärtig kostet beispielsweise ein Kaffee mehr als das Siebenfache des Betrages, der bei Banken täglich abgehoben werden kann! Drei Tage nach der Währungsreform ist der Effekt bereits wieder verpufft – die neue Währung hat seit Einführung bereits 40% an Wert verloren und setzt nahtlos dort an, wo die alte Währung aufgehört hat.

 

Um die Bürger zu schützen, wurde der Mindestlohn um 3.200 % angehoben – das ist für die wenig noch übrig gebliebenen KMUs nicht mehr zu stemmen und führt damit zu weitreichenden wirtschaftspolitischen Konsequenzen.

 

Aufgrund der Dramatik im Karibikstaat ergreifen viele Venezolaner die Flucht. Kolumbien, Ecuador, Peru und selbst das entfernte Chile sind die bevorzugten Destinationen. Nach Angaben der UNO haben mittlerweile bereits 2,3 Millionen das Land verlassen. Das entspricht knapp 10% aller Einwohner!

 

Abbildung: Hyperinflation – Anzahl der Tage, bis sich die Preise verdoppeln

Quelle: Economist

 

Steve Hanke und Nocholas Krus haben in der Vergangenheit 57 Episoden einer Hyperinflation ausfindig gemacht. Hinsichtlich des Ausmaßes findet sich Venezuela auf dem 23. Platz. In der Grafik ist die Anzahl der Tage angeführt, innerhalb derer sich der Wert einer Währung halbiert! In Venezuela dauert es aktuell knapp 19 Tage! Ungarn führt dieses Ranking an. Im Jahr 1946 dauert es an der Spitze der Hyperinflation lediglich 15 Stunden, bis sich der Wert des Geldes halbierte. In Deutschland in den 1920er Jahren – meine Großeltern haben von diesem Ereignis aus Kindheitstagen mit Schaudern berichtet – betrug die Halbwertszeit der Währung etwas mehr als 4 Tage.

 

Das Positive zum Schluss: Hyperinflationen können laut den Analysen von Hanke und Kunz auch relativ rasch wieder enden. Viele dauerten weniger als 1 Jahr! Die Regierung muss die Bevölkerung davon überzeugen, dass sie eine konsequente Richtungsänderung anstrebt, das Gelddrucken beendet und Geld nicht mehr sinnlos hinauswirft. Unternehmen und Arbeiter werden dem Beispiel der Regierung folgen und die Preise für Waren, Dienstleistungen und Löhne „konservativer“ erhöhen. Und damit kann das Land aus dem Alptraum erwachen …

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at