USD Zins & Emerging Market

27. Sep 2018 | Blog

VON Stefan Winkler

Im Kommentar der gestrigen Leitzinserhöhung um 25 BP ging Fed-Chef Jerome Powell auch kurz auf das Thema Emerging Markets ein. Konkret sind Zinsanhebungen im USD immer problematisch für Emerging Market Länder und bergen eine gewisse Eskalationsgefahr in sich. Warum? Ein zum Teil heftiger Konnex zwischen USD Zinspolitik und Schwellenländer Anleihen konnte in der Historie immer wieder beobachtet werden. Das Thema ist stark in den Köpfen namhafter Ökonomen vertreten, und hat nun den wichtigsten Notenbanker dazu bewegt, sich dieses Themas zumindest kurz anzunehmen.

 

Leider fühlt sich Jerome Powell - sehr frei übersetzt – der US amerikanischen Volkswirtschaft verpflichtet. Das ist nicht wirklich überraschend und für den Freund der Emerging Markets auch nicht erfreulich. Doch was konkret ist nun zu erwarten?

 

Der Zusammenhang zwischen US-Zinsen und Emerging Market Veranlagungen wird gerne wie folgt erklärt: Erstens steigt die Attraktivität von Zinsveranlagungen in den USA und zweitens erhöhen sich die Refinanzierungskosten für Emerging Market Länder in USD. Dem kann man aber leicht entgegenhalten, dass auch die Zinsen von USD Anleihen von Emerging Market Anleihen steigen (sollten) und die betroffenen Länder vielleicht mit Euro Veranlagungen genauso ihr Auslangen finden könnten. Und meist sind, wie wohl auch hier, zu einfache Erklärungsversuche unpassend. Sehr gut zu beobachten ist aber, dass Emerging Market Länder oft chronische Leistungsbilanzdefizite aufweisen, über eine gering diversifizierte Wirtschaft verfügen und in Relation zum Welt GDP recht klein sind. Übersetzt heißt das, dass diese Volkswirtschaften für eine stabile Entwicklung kontinuierliche Kapitalzuflüsse aus dem Ausland benötigen. Störungen dieser (verhältnismäßig kleinen) Zuflüsse können meist nur für kurze Zeit mit Devisenreserven kompensiert werden. Es scheint damit die Regel der Abhängigkeit des Wohls von Emerging Markets vom US-Zinssatz zumindest teilweise eine sogenannte self fulfilling prophecy zu sein. Die Volkswirtschaften leiden nicht primär unter den höheren Zinsen, sondern am Geldabfluss, der aber auf diese zurückgeführt wird. Und aufgrund der geringen Größe und Diversifikation der Volkswirtschaften wird dieser Effekt nur in geringem Maße von anderen Effekten überlagert.

 

Natürlich liefert dieser Erklärungsansatz keinen Anhaltspunkt, wann und wie stark das nächste Mal Schwellenländeranleihen reagieren werden. Er könnte aber zumindest erklären, warum dieser Markt manchmal stark, meist aber gar nicht auf Zinsänderungen reagiert. Und halten wir uns an Albert Einsteins Zitat: „Man muss die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher.“, stimmt vielleicht zumindest die Richtung. Der Weisheit letzter Schluss ist es aber wohl auch nicht.

 

Doch was meinen Sie? Hat die Höhe des US-Zinses doch eine wichtigere Bedeutung?

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