EURIBOR, LIBOR & EONIA – Das Trio Infernale der Referenzzinssätze

18. Okt 2018 | Blog

VON Stefan Donnerer

Was haben diese drei Referenzzinssätze gemein? Alle drei sind fundamentale Leitzinssätze, die die Grundlage für Finanzmarktransaktionen über ein Gesamtvolumen von mehr als 450 Bio. Euro bilden. Sie werden auf Basis einer ausgewählten Gruppe von Großbanken ermittelt. Sie wurden infolgedessen bereits mehrmals zu Gunsten einzelner Akteure manipuliert und schlussendlich werden alle drei Zinssätze bis 2021 ersetzt bzw. angepasst.


LIBOR

Das Ende des LIBOR wurde im Juli 2017 besiegelt, als Andrew Bailey, Vorstandsvorsitzender der Financial Conduct Authority (britische Finanzaufsichtsbehörde), bekannt gab, dass die Ermittlung des Zinssatzes per Jänner 2021 eingestellt wird. Einer der Hauptgründe für diese Entscheidung waren zahlreiche Skandale, in die der Zinssatz bis dato verwickelt war und welche letztendlich dazu führten, dass der LIBOR enorm an Vertrauen verlor.

 

Schon im April 2008 veröffentlichte das Wall Street Journal einen Artikel, der auf Unregelmäßigkeiten in der Ermittlung des Referenzzinssatzes zu Zeiten des „Credit Crunch“ 2007/08 hingewies. Die ersten Verurteilungen aufgrund von Manipulationen und Kartellbildungen erfolgten im Jahre 2011. Insgesamt mussten namhafte Großbanken bis dato mehr als 7 Mrd. Euro an Strafzahlungen leisten. Den Höhepunkt dieser traurigen Manipulationsgeschichte stellte ein Bericht der Financial Times im Jahre 2012 dar, welcher enthüllte, dass Tradern zufolge Manipulationen des LIBORs seit 1991 gang und gäbe wären.

 

Ursache, warum der LIBOR so leicht von Großbanken beeinflussbar war, ist die Tatsache, dass dieser von denselben festgesetzt und ermittelt wurde. Auf Basis der Zinssatzmeldungen, zu welchen sich Banken untereinander Blankokredite vergeben, wurde der LIBOR täglich für zehn, aktuell nur noch fünf Währungen ermittelt. So war es ein leichtes Spiel für die Trading-Abteilungen der Großbanken, bei den für das Zinsfixing zuständigen Personen ihre Zinssatzwünsche bekannt zu geben.

 

Ein offizieller Nachfolger bzw. Ersatz für den LIBOR steht allerdings bis dato noch nicht fest. Es gibt bereits mehrere tatsächlich marktbasierte und vermeintlich manipulationssichere Referenzzinsätze, wie beispielsweise den Secured Overnight Financing Rate (SOFR) oder Bloomberg Interbank Offered Rate, welche allerdings in der Praxis noch keine Rolle spielen. Des Weiteren besteht auch noch keine rechtliche Klarheit, was mit Finanzkontrakten, die an den LIBOR gebunden sind (wie beispielsweise Konsumentenkredite, deren Laufzeit das Ende des LIBORs 2021 übersteigt), passiert. Die britische Aufsicht verlangt von ihren Banken bis Dezember 2018 eine Offenlegung ihrer Pläne, wie sie mit Risiken im Zusammenhang mit dem LIBOR und dessen Einstellung umgehen möchten.

 

EURIBOR & EONIA

Auch der EURIBOR bzw. dessen Pendant der EONIA waren ebenfalls bis dato in mehrere Manipulationsskandale verwickelt. Im Jahr 2011 deckte die Europäische Kommission auf, dass der begründete Verdacht bestehe, dass es zu einer Kartellbildung gekommen sei, um die Bepreisung von derivativen Finanzprodukten beeinflussen zu können. Auch in diesem Fall kam es zu einem gerichtlichen Prozess und die Londoner Tochter der Deutschen Bank musste eine Strafzahlung in der Höhe von 2,1 Mrd. EUR leisten.

 

Durch die Einführung der EU Benchmark Regulation 2016 erfüllen der EURIBOR und der EONIA allerdings nicht mehr die geforderten Standards und Kriterien und müssen daher bis Anfang 2020 dementsprechend angepasst oder ersetzt werden. Da der Versuch von einigen europäischen Banken, einen neuen Referenzzinssatz zu erstellen, gescheitert ist, hat eine Arbeitsgruppe der EZB an einem Nachfolger gearbeitet. Das Resultat dieser Bemühungen ist ESTER „Euro short-term-rate“, der ab Anfang Oktober 2019 als Basis für die Zinsermittlung von Overnight Geschäften (kurzfristige Kreditvergabe zwischen Banken mit der Laufzeit von einem Tag) herangezogen werden soll.

 

ESTER wird somit den Zinssatz für ungesicherte, eintägige Kredite zwischen Banken aus dem Euroraum widerspiegeln und soll auf Basis von täglichen Transaktionen zwischen mehr als 52 Banken über ein Gesamtvolumen von 30 Mrd. Euro ermittelt werden und somit EONIA ablösen. Um der Finanzwelt den Umstieg zu erleichtern, steht bereits der pre-ESTER Zinssatz zur Verfügung, der anhand aktueller Transaktionsdaten errechnet wird.

 

Manche Experten sehen allerdings auch in der Kalkulationsmethode von ESTER gewisse Gefahren, da hauptsächlich Transaktionen zwischen deutschen und französischen Banken (mehr als 58% des gesamten Volumens) in die Berechnung einfließen.

 

Ob es für den EURIBOR Anpassungen oder auch einen neuen Zinssatz geben wird, ist bis dato unklar. Sicher ist nur, dass die EZB an ihrem Fahrplan festhalten will und sich Banken sowie Firmen somit auf eine Umstellung vorbereiten müssen. Besser früher als später.

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