Timing als große Stärke?

09. Nov 2018 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Market-Timing spielt in vielen Investmentprozessen eine große Rolle. Der Portfoliomanager sitzt an der Quelle und kann sicherlich gut antizipieren, in welche Richtung sich die Märkte bewegen. Aber sind diese Strategien auch langfristig wirklich erfolgreich? Was erspare ich mir als Investor, wenn ich die schlechtesten Tage antizipiere bzw. was würde es mich kosten, wenn ich die besten Tage durch falsches Market-Timing versäume? Das sind interessante Fragen, die ich im Rahmen dieses Blog-Beitrages näher auf den Grund gehen möchte.

 

Abbildung: Was wäre, wenn ich die schlechtesten Tage durch Timing versäumt hätte?

Quelle: Bloomberg, Security KAG

 

In den vergangenen 15 Jahren (die Lehman-Pleite wurde absichtlich berücksichtigt), hat man als Investor am amerikanischen Aktienmarkt 6,85% p.a. verdient. Wenn jemand das Timing perfekt beherrscht und die schlechtesten Tage innerhalb des Referenzzeitraumes nicht investiert waren, hat das sehr positive Auswirkungen auf das Gesamtergebnis. Lässt man beispielsweise die schlechtesten 10 Tage aus, erhöht sich die annualisierte Performance auf 12,00%. Neun der Top-10 der schlechtesten Tage notieren im Jahr 2008 im Anschluss an die Lehman-Pleite. Interessant ist natürlich auch die Frage, was würde es für meine Performance bedeuten, wenn ich an guten Tagen nicht investiert wäre?

 

Abbildung: Was wäre, wenn ich die schlechtesten Tage durch Timing versäumt hätte?

Quelle: Bloomberg, Security KAG

 

Wenn der Investor durch falsches Market-Timing die besten Tage versäumt, reduziert sich die Performance drastisch. War man beispielsweise die besten 10 Tage der letzten 15 Jahre nicht investiert, verringert sich die annualisierte Wertentwicklung im Vergleich zu einem Buy-and-Hold Portfolio von 6,85% auf lediglich 1,93%. Wenn man die besten 20 Tage nicht im Markt war, ist die Performance sogar negativ. Interessanterweise sind auch sieben Top-10-Ereignisse im Jahr 2008 kurz nach der Lehman-Pleite angesiedelt. Nimmt man die drei Ereignisse im März bzw. April 2019 hinzu, sind die besten Tage der letzten 15 Jahre rund um die Lehman-Pleite bzw. in der von ihr ausgelösten Finanzkrise zu finden. Ich stelle mir die Frage, ob ich in diesen Zeiten, die für mich sehr belastend waren, wirklich den Mumm gehabt hätte, als Timing-getriebener Investor das Aktien-Exposure zu erhöhen? Es wird aber klar ersichtlich, dass jede Krise auch Chancen birgt.

 

Abbildung: Verteilung Best-Worst

Quelle: Security KAG

 

Interessant finde ich auch die Verteilung der aufsummierten Tagesperformance. Die Summe der Top-10 Tage mit der schlechtesten bzw. besten Tagesperformance war in den vergangenen 10 Jahren annähernd gleich hoch. Auffallend ist, dass die Ausprägungen (Fat-Tails) der Top-10 Tage zugunsten der positiven Tage fällt bzw. die Top-30 bzw. Top-40 Tage zugunsten der negativen Tage. Zusammenfassend kann aber festgehalten werden, dass in diesem Beispiel die Ausprägung der Korrekturen im Negativen bzw. im Positiven nahezu ident sind.

 

Abschließend bleibt noch die spannende Frage zu beantworten, ob Market-Timing langfristig zum Erfolg führt. Diesbezüglich möchte ich auf eine Studie von Standard & Poors referenzieren.

 

Abbildung: Aktive Fonds vs. Benchmark

Quelle: Standard&Poors, Security KAG

 

Über 15 Jahre – das entspricht auch den Zeitraum der S&P Analyse – konnten lediglich 15% der internationalen Aktienfonds ihre Benchmark übertreffen. Der Anteil der Outperformer reduziert sich mit zunehmender Veranlagungsdauer. Dem Suvivorship-Bias kommt zudem eine große Relevanz zu. Auf 15 Jahre werden 59% der internationalen Aktienfonds verschmolzen bzw. geschlossen. Es liegt die Annahme nahe, dass es sich dabei nicht zwingend um die erfolgreichsten Produkte handelt.

 

Auch wenn es durchaus erfolgreiche aktive Fondsmanager geben mag, ist es sehr schwierig, langfristig den Gesamtmarkt outzuperformen. In unseren Investmentprozessen spielt Market-Timing im klassischen Sinn keine Relevanz. Die letzten 20 Jahre haben mich gelehrt, dass man mit diesem Ansatz (zumindest langfristig) ganz gut über die Runden kommt!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at