Stocks climb on a wall of worry!

11. Jan 2019 | Blog

VON Alfred Kober

Während wir Aktieninvestoren in den ersten Tagen dieses noch sehr jungen Jahres reichlich mit Kurszuwächsen beschenkt wurden, war dies in der Weihnachtszeit ganz anders. Auch zwei Wochen nach den Feiertagen liegen uns die bitteren Kursverluste noch so richtig schwer im Magen und ja, aufgrund dieser Vorgeschichte wird der jüngsten Kursrallye durchaus eine gewisse Dosis an Misstrauen gegenübergebracht – ganz nach dem Motto, der Headline, dieses Blogs.


Wie immer, in einer so undurchsichtigen und volatilen Phase, bekommen wir die üblichen und längst vergessenen notorischen Pessimisten plötzlich lautstark zu hören, bevor diese ebenso schnell wieder in den medialen Untergrund entschwinden. Die Dynamik der Stimmungsänderung an den Kapitalmärkten erstaunt mich immer wieder, auch dieses Mal. Von himmelhoch jauchzend zu zu Tode betrübt – der ganze Durchlauf in wenigen Wochen.


Zugegebenerweise war die Kursentwicklung des Vormonats richtig mies und sieht man von den beiden Dezembermonaten in den Jahren 1930 und 1931 (Weltwirtschaftskrise) ab, ist (gemessen am Dow Jones Industrial 30 Index) seit 1899 kein vergleichbar negativer Dezemberwert zu finden. Angesichts dieser Tatsache und des diskontierenden/vorlaufenden Charakters von Aktien drängt sich dann doch die Frage auf, ob ernsthaftere Probleme vor uns liegen. Das Potpourri an Störfaktoren ist dabei vielfältig und reicht vom Schwenk in der internationalen Geldpolitik sowie der hohen globalen Staatsverschuldung, den Zinserhöhungen und des „Shutdowns“ in den USA bis hin zum BREXIT und das bedauerliche unkoordinierte Handeln innerhalb der EU und noch viele mehr. Massive Abflüsse aus Aktienfonds und die Positionierung von Hedgefonds bestätigen das Verhalten der Marktteilnehmer, die in den vergangenen Wochen in Scharen die Seite des Bootes gewechselt haben.


Sie kennen das bestimmt aus der eigenen Erfahrung, wenn sich kurzfristig zu viel Gewicht auf eine Seite des Bootes verlagert. So ähnlich sehe ich die gegenwärtige Situation. Die Konsequenz daraus – entweder kippt das Boot oder es kommt zu einer ebenso rasanten Gegenverlagerung. Im Optimalfall gelingt ein sukzessives und zögerliches Austarieren des Bootes. Allerdings braucht das seine Zeit, vor allem nach einer extremen Schieflage, wie wir sie noch vor wenigen Tagen gesehen haben bzw. immer noch sehen. Kippt das Boot der Aktienmärkte und schlittern wir in ein weltwirtschaftliches Fiasko? Die Anzahl der Anzeichen dafür sind sehr überschaubar und einen Auslöser dafür, wie etwa einen weitreichenden kriegerischen Konflikt, will ich mir gar nicht vorstellen.


Der Angstfaktor im Markt ist immens hoch. Ja, wahrscheinlich übertrieben hoch und es herrscht seit Monaten ein regelrechtes Vakuum an positivem Newsflow. Verständlicherweise drückt das auf die Stimmung.


Es ist exakt dieses Sentiment, das die momentane Situation wieder ins helle Licht rücken lässt. Der pessimistischen Perspektive können ebenso Argumente entgegengesetzt werden, die auf vergleichsweise positive Ertragserwartungen auf der Aktienseite schließen lassen. Bei negativem Geldmarktzins und unterdurchschnittlichen Aktienbewertungen, wie wir sie derzeit an so einigen Weltbörsen erleben, sollte dies mittelfristig auch nicht allzu schwierig sein. Der Haken daran: Es interessiert derzeit kaum jemanden. Üblicherweise hellt sich das Sentiment erst mit zunehmenden Kursgewinnen auf – viele Investoren wechseln zu spät auf die andere Seite des Bootes.


Ein weiteres Thema möchte ich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen – sehr wahrscheinlich werden sie in den kommenden Wochen und Monaten noch mehrmals darüber lesen. Ja, die mediale Zurückhaltung um diese Sache erstaunt mich wirklich, aber momentan sind offensichtlich eher negative Schlagzeilen en vogue.


Einmal mehr stellt der US-Präsident bzw. dessen Präsidentschaft den Dreh- und Angelpunkt meiner Überlegungen dar. Nach der Wahl ist vor der Wahl und mit abgeschlossener „Mid-Term Election“ beginnt auch schon der Präsidentschaftswahlkampf für 2020. Manch einer mag meinen, dass diese 22 Monate noch zu weit entfernt liegen, um relevant zu sein, aber für eine Wiederwahl ist eine gute Stimmung mit solidem Wirtschaftswachstum und niedriger Arbeitslosigkeit absolut unerlässlich. Das wissen auch die Verantwortlichen und soweit wir Hrn. Trump kennen, wird dieser lautstark alles dafür geben, die Dinge in die richtige Richtung laufen zu lassen. Das Portfolio an Möglichkeiten ist dabei vielfältig und reicht von einer Beilegung/Aufweichung der Handelskonflikte, von einem zusätzlichen politischen Druck auf die Notenbank (an sich unabhängig) bis hin zu einem satten Konjunkturprogramm – alles potentielle Katalysatoren für einen Stimmungsumschwung – auch an den Börsen. Natürlich ginge damit auch die eine oder andere längerfristige Nebenwirkung einher – für die kurzfristige Zielerreichung, dem Gewinn der Wahl, ist das allerdings nur von geringer Relevanz.


Wenn auch nicht statistisch signifikant, lässt sich eine Parallele zwischen zeitlichem Stadium im Präsidentschaftszeitraum und der Kurshistorie an den Aktienmärkten nicht leugnen. Wir befinden uns derzeit im Vorwahljahr, also dem 3. Jahr im 4-Jahreszyklus. Abbildung 1 zeigt die historischen Jahresrenditen dieses 4-Jahreszeitraums von 1928 bis 2016. Die Renditen beziehen sich dabei auf den breiten S&P 500 Aktienindex in den USA.

 


Quelle: Stephe McBride, RiskHedge, 2018


Ganz im Sinne der erwähnten Stimmungsmache vor der Wahl zeigt das 3. Jahr im Zyklus die mit Abstand höchsten Kursrenditen. Für Aktieninvestoren war dabei dieses 3. Jahr in mehr als 80% der Fälle positiv.


Die Verlässlichkeit: Nun ja, wir befinden uns in einem komplexen System mit einer Vielzahl an Einflussfaktoren und niemand von uns kann in die Zukunft blicken. Nichtsdestotrotz möchte ich den potentiellen politischen Einfluss in der Vorwahlperiode nicht unerwähnt lassen und wer weiß, vielleicht bringt das heurige Jahr die eine oder andere positive Überraschung für die Aktienmärkte mit sich, mit der zu diesem Zeitpunkt wohl nur wenige rechnen. Das stimmt mich zusehends positiv! Ich wünsche allen Lesern ein gutes Neues!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: alfred.kober@securitykag.at