Interessante Einblicke zum Einkommen der ÖsterreicherInnen

23. Jan 2019 | Blog

VON Daniel Kupfner

Kennen Sie Ihren Marktwert?
Diesen realistisch zu beurteilen oder zu schätzen ist in Österreich gar nicht so einfach. Während in einigen skandinavischen Ländern die Gehälter sehr transparent sind und man sich in den USA mit seinem Einkommen brüstet, herrscht in Österreich diesbezüglich noch immer Stillschweigen und eine Geheimniskrämerei. Dabei wäre ein Vergleich mit seinen KollegenInnen oder den ArbeitnehmerInnen der eigenen Branche durchaus wichtig, um etwaige Missstände auszuräumen und seinen eigenen Marktwert besser einschätzen zu können. Dass Österreich keine offene Gehaltskultur hat, bestätigt auch eine Onlineumfrage einer Job-Plattform. Laut dieser spricht gerade einmal die Hälfte aller Arbeitnehmer höchstens mit Freunden und der Familie über das eigene Geld und neun Prozent verraten die Gehaltssumme nicht einmal Ihren Partnern.

 

Gerade deshalb sind öffentlich zugängliche Daten zu diesem Thema von großem Interesse und werden z.B. durch die Statistik Austria publiziert. Mit Dezember 2018 wurden die Daten zur Lohnsteuerstatistik 2017 veröffentlicht und diese geben einen interessanten Einblick in die Gehaltsstruktur der österreichischen ArbeitnehmerInnen.

 

So gab es im Jahr 2017 in Österreich insgesamt 6.955.724 lohnsteuerpflichtige EinkommensbezieherInnen, wobei sich 4.524.841 auf unselbständig Erwerbstätige und 2.430.833 auf Pensionistinnen und Pensionisten verteilten. Die größte Gruppe der unselbständig Erwerbstätigen waren mit 46,3% die Angestellten, gefolgt von Arbeiterinnen und Arbeitern (38,6%), Vertragsbediensteten (8,2%), Beamtinnen und Beamten (4%) und sonstigen unselbständig Erwerbstätigen inkl. Lehrlingen (2,9%). Die dazugehörige Verteilung der Bruttobezüge nach sozialer Stellung finden Sie nachstehend.

 

Abbildung 1: Lohnsteuerpflichtige 2017 nach sozialer Stellung und Bruttobezugsstufen

Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2017

 

Zur besseren Veranschaulichung habe ich den jeweiligen Anteil der Bruttobezugsstufen innerhalb der einzelnen Gruppen Lohnsteuerpflichtiger in Prozent ausgewiesen. Somit lassen sich Abweichungen zu den gesamten Steuerpflichtigen leichter erkennen (siehe Abbildung 2).

 

Abbildung 2: Verteilung der Bruttobezugsstufen innerhalb der einzelnen Gruppen an Lohnsteuerpflichtigen 2017

Quelle: Eigene Darstellung, Daten: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2017

 

In Abbildung 2 sieht man recht deutlich (übergewichtet = grün, untergewichtet = rot), dass Beamtinnen und Beamte, Angestellte und zum Teil auch Vertragsbedienstete eher überproportional in den höheren Jahresbruttobezugsstufen aufscheinen, während diese Gruppen in den niedrigeren Stufen deutlich unterrepräsentiert sind. So verdienen gerade einmal ca. 13% aller Lohnsteuerpflichtigen mehr als 50.000,- Euro brutto im Jahr, während es bei den Beamtinnen und Beamten über 63% sind und auch bei den Angestellten immerhin noch knapp 26%. Arbeiterinnen und Arbeiter weisen hingegen in den unteren Bruttobezugsstufen eher höhere Anteile im Vergleich zur Gesamtheit aus und sind in den Bereichen ab 70.000,- Euro brutto fast gar nicht mehr vertreten. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Pensionistinnen und Pensionisten.

 

Da die Statistiken in Abbildung 1 und 2 nicht auf die verschiedenen Beschäftigungsverhältnisse Rücksicht nehmen (Voll- oder Teilzeitbeschäftigung) und daher verzerrt sind, eignen sich zum aussagekräftigen Vergleich der Daten vor allem die Verteilung der Bruttobezüge ganzjährig Vollzeitbeschäftigter. So liegt lt. Statistik Austria der Median in Österreich bei 40.325,- Euro Jahresbruttoverdienst, während der Mittelwert 48.330,- Euro brutto beträgt. Die Differenz erklärt sich aus den teilweise sehr hohen Bezügen, welche den Mittelwert nach oben verzerren. Daher ist eine Orientierung am Median wahrscheinlich sinnvoller und spiegelt eher die Realität wider.

 

In Abbildung 3 sehen Sie die Verteilung der Bruttobezüge nach Dezilgruppen sortiert. Dabei wird die Menge der nach Bruttobezug aufsteigend sortierten Personen in 10 gleich große Teilmengen, die sogenannten Dezilgruppen des Bruttobezugs, geteilt. Das 2. Dezil ist z.B. jener Bruttobezugswert (28.366,- Euro), der bei 20% der Personen unter- und bei 80% der Personen überschritten wird.

 

Abbildung 3: Verteilung der Jahresbruttobezüge der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten 2017 nach Geschlecht

Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2017

 

Bei näherer Betrachtung fallen zwei Dinge augenscheinlich auf. Zum einen sieht man beim Vergleich der Männer- und Frauenanteile der einzelnen Dezilgruppen mit der Anzahl aller ganzjährig Vollzeitbeschäftigten, dass die Anteile der Männer mit Höhe des Dezils steigen, während der Trend bei den Frauen gegenteilig ist. Zum anderen sieht man die Ungleichverteilung der Bruttobezüge und vor allem die der Lohnsteuer. So erzielte das einkommensstärkte Zehntel Bruttobezüge von insgesamt 27.237 Mio. Euro und bezahlte Lohnsteuer von insgesamt 7.275 Mio. Euro. Das entspricht mit 24,8% bzw. 41,0% beinahe einem Viertel der Bruttobezüge bzw. mehr als vier Zehntel der insgesamt einbehaltenen Lohnsteuer aller ganzjährig vollzeitbeschäftigen Arbeitnehmern. Es besteht also eine deutliche Konzentration der Bruttobezüge, und vor allem der einbehaltenen Lohnsteuer, bei den oberen Einkommensgruppen (siehe auch Abbildung 4).

 

Abbildung 4: Lorenzkurven der Bruttobezüge und der einbehaltenen Lohnsteuer der ganzjährig

Vollzeitbeschäftigten 2017

Quelle: Statistik Austria, Lohnsteuerstatistik 2017

 

Die Lorenzkurve zeigt die Verteilung der Einkommen bzw. der Lohnsteuer über die Personen, indem auf der X-Achse der Anteil der Personen und auf der Y-Achse der Anteil an den Bruttobezügen bzw. der Lohnsteuer (jeweils kumuliert in Prozent an der Gesamtheit) abgebildet werden. Des Weiteren wird eine Gleichverteilungsgerade eingezeichnet. Je mehr die Lorenzkurve von dieser abweicht, desto ungleicher verteilt sind die Merkmale.

 

So viel also in aller Kürze zu einigen Daten und Erkenntnissen der Lohnsteuerstatistik 2017. Zum Abschluss noch ein Link, mit welchem man einen Richtwert für das Gehalt seiner Branche und Kolleginnen bzw. Kollegen erhält.

 

Die Berechnungsbasis bilden tatsächliche Löhne und Gehälter aus Lohnsteuerdaten und diese können einem helfen, sein eigenes Gehalt in einem realistischen Kontext zum Markt zu betrachten (natürlich sind individuelle Faktoren wie Arbeitseifer, besondere Fachkenntnisse, Verhandlungsgeschick usw. nicht berücksichtigt).

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: daniel.kupfner@securitykag.at