Amerikanische Zölle und ihre Erfolge

25. Jan 2019 | Blog

VON Johannes Szoncso

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Welthandel immer stärker wurde, reagierten viele Länder eher protektionistisch und führten Zölle auf ausländische Waren ein. Auch in Amerika gab es Zölle, diese fielen aber zu dieser Zeit noch nicht so ins Gewicht, weil der Großteil des Handels innerhalb der Staaten abgewickelt wurde. Dennoch stand der internationale Handel der USA im Jahr 1920 auf einem historischen Höhepunkt. Waren im Wert von $ 8,25 Mrd. wurden exportiert bei gleichzeitigen Importen im Wert von $ 5,75 Mrd.

 

In den Jahren 1920 und 1921 schlitterten die USA in eine Rezession, die die Preise der wichtigsten Getreidesorten auf nur mehr ein Drittel des Kriegsniveaus drückte. Die Republikaner gewannen die Wahlen mit dem Versprechen, den Protektionismus auszubauen, also die Zölle zu erhöhen. Das erklärte Ziel war die Stärkung der eigenen Wirtschaft und der Schutz der amerikanischen Bauern. Man war der Meinung, dass die ausländische Konkurrenz den Gewinn der eigenen Farmer beeinträchtigte. Das 1922 in Kraft getretene Fordney-McCumber Zollgesetz regelte die neuen Aufschläge auf die Einfuhr von Gütern. Der durchschnittliche Satz für betroffene Waren betrug 38,5%. Um den Schutz der Bauern zu gewährleisten, gab es beispielsweise Zölle auf Weizen, Mais, Eier, Hühner, Äpfel, Zitronen, Kartoffeln, Erdnüsse, Butter und Zucker. Der Zoll auf Zucker betrug $ 2,20 pro Pfund, war also praktisch nicht mehr importierbar. Deutschland und Österreich erlebten in den Jahren 1921 bis 1924 eine schlimme Wirtschaftskrise, begleitet von Hyperinflation, die in Österreich 1924 zur Einführung des Schillings als neues Zahlungsmittel führte.

 

Deutschland hatte enorme Schulden bei den Vereinigten Staaten und musste zudem hohe Reparationszahlungen leisten. Die Wirtschaftskrise führte jedoch zwangsläufig zur vorübergehenden Einstellung der Zahlungen. Die vom Krieg schwer gezeichneten europäischen Länder erhöhten ab 1924 ihrerseits die Zölle auf amerikanische Waren. Seit dem Jahr 1922 stiegen die Preise in den USA mangels Konkurrenz und aufgrund der Zölle stark an. Die Bauern lukrierten zwar etwas mehr für ihre Produkte, mussten aber deutlich mehr für Saatgut und Werkzeug ausgeben, wodurch unterm Strich weniger herauskam als vor der Einfuhr der Zölle.

 

In Spanien wurde im Jahr 1927 ein genereller Zoll von 40% auf Güter aus den USA eingeführt. Kanadische Firmen schlossen ihre Zweigstellen in New York und auch viele andere Länder weltweit erhöhten ihre Zölle. Bis zum Jahr 1929 wurden in 26 europäischen Ländern 33 mal die Zölle erhöht, in Lateinamerika insgesamt 17 mal. Der Handelskrieg wurde munter weiter geführt und auch der amerikanische Präsident Herbert Hoover erhöhte die Zölle im Jahr 1930 ein weiteres Mal. Inzwischen befanden sich die USA bereits in der schwersten Wirtschaftskrise, die das Land bislang erlebt hatte. Massenarbeitslosigkeit und Hunger waren die Folge. Die Wirtschaftspolitik der Republikaner führte zu einer Abschottung der USA vor dem Welthandel. Im Jahr 1933 betrug der Warenwert der Exporte nur mehr $ 2,1 Mrd. ($ 8,25 Mrd. im Jahr 1920) und jener der Importe nur noch $ 1,5 Mrd. ($ 5,75 Mrd. im Jahr 1920). Im Jahr 1933 gewann der Demokrat Franklin D. Roosevelt die Wahl. Er warb für den Abbau der Zölle, die er in zahlreichen bi- und multilateralen Abkommen wieder deutlich senken konnte.

 

Seit dem zweiten Weltkrieg verfolgte die Weltwirtschaft, bis auf einige Ausnahmen, eine Wirtschaftspolitik des Zollabbaus. Der Welthandel konnte sich hervorragend entwickeln, die Globalisierung hielt Einzug. Heute sehen wir uns, im Zeitalter des Populismus, wieder einer restriktiven Zollpolitik gegenüber, ausgehend von den Vereinigten Staaten. Falls sich die Geschichte wiederholt, stehen uns turbulente Zeiten bevor. Man könnte aber auch daraus lernen…

 

 

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