Hopp hopp hopp, Pferdchen lauf Galopp

15. Feb 2019 | Blog

VON Philipp Ebner

Diesmal möchte ich mich einem Thema widmen, welches momentan medial wieder in aller Munde ist, und an dem ich im Oktober letzten Jahres auch persönlich Teil haben durfte. Mit dem ersten Geburtstag meines Sohnes konnte ich den Arbeitsalltag in der Security KAG für 61 Tage ruhen lassen und mich voll und ganz meinen väterlichen Pflichten widmen. Die Firmenleitung bewilligte mir dankenswerterweise meinen Antrag auf Väterkarenz und meine Arbeitskollegen kompensierten zum Glück die fehlenden Mannstunden für den überschaubaren Zeitraum in einer durchaus von Krisen geschüttelten Marktphase. So konnte ich endlich mal hinter die Kulissen blicken und mir mein eigenes Bild vom Alltag mit einem Baby machen.

 

Als Vater nimmt man evolutionsbedingt automatisch die Rolle des Ernährers ein und fungiert in den wenigen Stunden zwischen Arbeit und Freizeit als Spielheld für die Kleinen. Dieses Bild änderte sich mit Eintritt in die Karenz. Denn abgesehen von den finanziellen Einschnitten, - 80% der Letzteinkünfte, max. 66 EUR/Tag (rund 2.000,- EUR monatlich) - ist der Spaßfaktor innerhalb weniger Sekunden nahe dem Gefrierpunkt, z.B. dann, wenn die Mutter voller Tatendrang ihrer neugewonnen Freiheit entgegen tritt und das Haus verlässt. Spätestens jetzt fängt das Dilemma an und man(n) muss sich die Frage stellen: „Wo befinden sich die Notfallpläne?“. Der Griff zum Telefon, um Schützenhilfe seitens Oma und Opa zu beantragen, ist verlockend, jedoch nach meiner Meinung nicht Sinn der Väterkarenz und es spiegelt nicht das tägliche Leben einer Mutter wider. So musste ich mir meinen eigenen Kampfplan überlegen, um die ersten Eingewöhnungstage als Vollzeitpapa einigermaßen überstehen zu können. Abgesehen von Tätigkeiten wie Essen kochen, Windeln wechseln und Bett fertig machen, merkte ich rasch, dass da noch andere Aufgaben auf mich lauerten, die sich mit Kind am Arm oder am Bein etwas schwieriger verrichten ließen als sonst. Dabei schossen mir blitzschnell Gedanken durch den Kopf: „Wie aktiviere ich meine Multi-Tasking-Fähigkeiten nochmal?“ oder „Woher nehme ich jetzt bitte eine dritte oder vierte Hand?“. Schneller als mir lieb war, wurde mir bewusst, dass die Betreuung eines Kleinkindes kein Zuckerschlecken ist und dass Mütter tagtäglich eine starke und teilweise in der Gesellschaft nicht anerkannte Leistung vollbringen. Beginnend bei den persönlichen Einschränkungen bei der Erfüllung urmenschlicher Bedürfnisse, über die psychische Belastung, 24 Stunden 100% seiner Aufmerksamkeit einem Baby zu widmen, bis hin zu den finanziellen Einbußen, die Mütter mit der Geburt eines Kindes hinnehmen müssen.

 

Zum Letzteren gibt es aktuell eine interessante Studie, welche die Auswirkung der Geburt auf die Einkommen von Frauen und Männer in Zahlen presst. Die Forscher drücken den langfristigen Einkommensnachteil nach der Geburt eines Kindes in Prozent relativ zum Einkommen im Jahr vor der Geburt des ersten Kindes aus. In der Studie wurden 6 Länder analysiert: 2 skandinavische Länder (Dänemark, Schweden), 2 englisch- und 2 deutschsprachige Länder (USA, Großbritannien, Deutschland und Österreich). Das Ergebnis ist ernüchternd. Während Männer kaum einen Einkommensnachteil erfahren, müssen Mütter mit gravierenden Einschnitten zurecht kommen. Wenigstens liegt Österreich mit -51% Verlust des Einkommens noch vor Deutschland mit -61%. Jedoch sind diese Zahlen dramatisch, wenn man das gemeinsame Familieneinkommen vor und nach der Geburt unter der Berücksichtigung zukünftiger finanzieller Verpflichtungen, die mit einem Kind zwangsläufig anfallen, betrachtet.

 

Quelle: Child Penalties across Countries, Henrik Kleven

 

Ein weiterer Nachteil, mit dem sich erziehende Mütter auseinandersetzen müssen, ist die entstehende finanzielle Kluft, die sich am Pensionskonto während der Kinderbetreuung auftut. Maßnahmen, wie z. B. das Pensionssplitting, bei dem der erwerbstätige Partner bis zu 50% seiner Kontogutschriften an den Erziehenden abtreten könnte, finden in Österreich wenig bis kaum Anklang. In sieben Jahren wurden lediglich 850 Anträge für die Aufteilung der Pensionsansprüche von Partnern gestellt.

 

Aus eigener Erfahrung, wenn auch nur für kurze Zeit, habe ich erleben dürfen, dass die Kindererziehung mehrere Jobs vereint und Frauen unbezahlte Höchstleistungen vollbringen müssen. All jenen Vätern, die vor einer Karenzentscheidung stehen, kann ich folgendes mit auf den Weg geben: Die 61 Tage meiner Karenz zählen zu den schönsten und intensivsten Erlebnissen, die ich in meinem Leben geboten bekommen habe und die Beziehung Vater/Kind wird es Ihnen danken.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: philipp.ebner@securitykag.at