Warum Sie eher langweilig klingende Fonds in Ihrem Depot haben sollten

18. Mär 2019 | Blog

VON Daniel Kupfner

Unlängst bin ich auf eine Studie gestoßen, welche die Namensgebung von Hedgefonds in Bezug auf Zuflüsse und Performance untersucht hat. Da ich persönlich Arbeiten und Erkenntnisse aus dem Bereich der Behavioral Finance immer wieder spannend finde, möchte ich Ihnen nun die interessantesten Aspekte dieser Studie weitergeben.

 

Die Studie „Hedge Fund Flows and Names Gravitas“ zweier Assistenzprofessoren aus Finnland und den USA ist der Frage nachgegangen, ob sich Investoren durch die Namensgebung eines Hedgefonds beeinflussen lassen und ob der Name des Fonds eine Auswirkung auf ihr Entscheidungsverhalten hat. Lassen sich professionelle Investoren wirklich von hochtrabenden Namen blenden? Die Antwort vorab – ja!

 

Die Autoren fanden Belege dafür, dass Hedgefondsinvestoren Fonds mit Macht und Stärke im Namen bevorzugen bzw. Fonds mit namentlichem Bezug zu Wirtschaft und Geopolitik. Die Begriffe werden mit Gewicht, Einfluss, Autorität, Ernsthaftigkeit und gutem Urteilsvermögen assoziiert – alles Begriffe, die sich auf inhaltliche Schwere und damit Gravität beziehen. Verwirrend und rätselhaft für die Autoren ist die Tatsache, dass die Investoren nicht auf die Gewichtigkeit des Hedgefondsmanagers abzielen, sondern die Gewichtigkeit im Fondsnamen selbst suchen.

 

Für die Studie wurden Daten mehrerer Hedgefondsdatenbanken im Zeitraum Jänner 1994 bis September 2013 konsolidiert. Nach Anwendung diverser Filter (Offenlegung Kostenstruktur, Historie von mindestens 24 Monaten in der jeweiligen Datenbank usw.) fanden sich 17.766 Hedgefonds, von denen 5.898 aktiv und 11.868 untergegangen sind. Die Untersuchungen zeigen, dass der durchschnittliche Ertrag eines Hedgefonds 6,5% p.a. beträgt, wobei es hier eine deutliche Schiefe gibt. Der Medianwert liegt demnach nämlich nur bei 0,1% pro Jahr. Nimmt man zum Vergleich einen passiven weltweiten Aktienindex für diesen Zeitraum (unter Berücksichtigung einer Reinvestition der Nettodividenden), hätte man mit diesem Index 7,1% p.a. gemacht.

 

Auch interessant: Der Durchschnittshedgefonds nimmt eine fixe Managementgebühr von 1,5% sowie eine Performancegebühr von 18,1% p.a. und erfordert ein Mindestinvestment von drei Millionen USD.

 

Fonds mit bedeutungsstarken Namen underperformen lt. Studie Fonds mit der geringsten Gravität (unauffälligem Namen) in der Bezeichnung konsistent. Genauer gesagt weisen Fonds, welche aufgrund des Namens mit Bedeutsamkeit assoziiert werden, ein um 0,97% niedrigeres annualisiertes Alpha als jene Fonds mit unauffälligem Namen auf. Des Weiteren haben bedeutungsvoll klingende Fonds eine um 0,18 verringerte Sharpe Ratio, ihre durchschnittlichen Renditen sind um 0,82% geringer, ihre Maximum Drawdowns sind um 5,06% größer und auch die Volatilität solcher Fonds ist um 0,57% höher als die der unauffällig klingenden Fonds. Die Unterschiede bei Alphas und Sharpe Ratios sind statistisch signifikant und obwohl die Renditeunterschiede insignifikant sind, ergibt das Vorzeichen aber ein konsistentes Bild und bekräftigt die Annahme, dass Fonds mit höherer Gravität (schwergewichtige Namen) schwächer performen.

 

Eine weitere Erkenntnis ist der Umstand, dass alleine das Hinzufügen eines einzigen mehr Gravität versprechenden Wortes zum Hedgefondsnamen eine Zunahme der Zuflüsse um 227.120 USD pro Jahr verspricht. Statistisch gesehen bedeutete eine Vergrößerung der Namensschwere um eine Standardabweichung einen um 759.967 USD vermehrten Mittelzufluss pro Jahr.

 

Die Ergebnisse sind doch recht überraschend und zeigen, dass sich professionelle Investoren von der Bezeichnung beeinflussen lassen. Es finden sich aber Anhaltspunkte dafür, dass Investoren ihre Sensitivität im Hinblick auf die Namensgravität zumindest reduzieren, sobald sie mehr über die wirklichen Fähigkeiten des Fondsmanagements wissen. Zudem geht aus der Studie folgendes hervor: Je höher die Mindestinvestitionssumme eines Hedgefonds ist, desto weniger sensitiv reagieren die Flows auf die Gewichtigkeit eines Fondsnamens. Dies erscheint durchaus naheliegend, da Investoren in solche Fonds finanziell potenter und oftmals besser ausgebildet sind. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass bei Investoren, die als qualifizierte Käufer eingestufte sind, ebenfalls eine geringe Sensitivität der Zuflüsse im Hinblick auf die Fondsbezeichnung zu beobachten ist. Ebenfalls ist ein gewisser Lerneffekt in der zweiten Hälfte des Untersuchungszeitraums zu beobachten, da die Investoren das Produkt genauer kennen und die Qualität des Managements evaluiert haben.

 

Der Versuch einer bewussten Steuerung und Beeinflussung von Kunden durch Unternehmen ist heutzutage nicht selten (Werbung, Produktaufmachung, Imagepflege …). Der Umstand, dass sich aber auch Hedgefondsinvestoren (die allgemein als gut informiert gelten) dem nicht entziehen können, ist durchaus ein überraschendes Ergebnis. Umso mehr sollten sich daher Anleger selbst Gedanken machen, wie objektiv sie in ihren Anlageentscheidungen sind.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: daniel.kupfner@securitykag.at