1872 – 2019: Erkenntnisse aus 150 Jahren Aktienmarkt-Historie!

25. Mär 2019 | Blog

VON Josef Obergantschnig

Der US-Aktienmarkt ist der mit Abstand größte der Welt. Der Börsenwert der Unternehmen repräsentiert 25% des Weltwirtschaftswachstums oder 50% des Börsenwertes sämtlicher globaler Aktienindizes. Robert James Shiller ist ein berühmter amerikanische Ökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften in Yale. 2013 erhielt er gemeinsam mit Eugene Fama und Lars Peter Hansen den Alfred Nobel Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für Arbeiten im Bereich der empirischen Analyse von Kapitalmarktpreisen. In der Finanzwelt ist das Shiller-KGV oder auch der Case-Shiller Home Price ein vielbeachteter Bewertungsindikator.

 

Im Zuge seiner empirischen Kapitalmarktforschung hat Robert J. Shiller auch den US-Aktienmarkt langfristig analysiert. In der Analyse fließen die Daten des S&P 500 Index der letzten 150 (!) Jahre ein. Das ist eine unglaublich lange Zeitperiode. Geprägt von Kriegen, Wirtschaftskrisen, Blasen, Währungsreformen und vielem mehr. Insofern eine Zeitreihe, die eine durchaus hohe Aussagekraft enthält.

 

Abbildung: Jährlicher realer Ertrag US-Aktien (bereinigt um Dividenden und Inflation)

 

Soure: Robert Shiller & Yahoo Finance (https://themeasureofaplan.com/us-stock-market-returns-1870s-to-present/)

 

Im Referenzzeitraum konnte der US-Aktienmarkt eine jährliche Performance von 8,4% im arithmetischen Mittel erwirtschaften. Die Performance wurde um die jährlichen Dividendenzahlungen und die jährlichen Inflationsrate bereinigt und stellt damit einen reale Wertsteigerung dar.

 

Abbildung: US-Aktienmarkt – Realer Ertrag nach Jahrzehnten

 

Soure: Robert Shiller & Yahoo Finance (https://themeasureofaplan.com/us-stock-market-returns-1870s-to-present/

 

Wenn man den Zeitraum in Jahrzehnte untergliedert (Beginn ab 1880) betrug die annualisierte Performance 6,9%. Interessant ist, dass Preissteigerungen (4,4%) bei langfristiger Betrachtungsdauer annähernd den gleichen Beitrag leisten wie Dividendenzahlungen (4,6%). Die langfristige Durchschnittsinflation betrug 2,0%. Abgesehen von drei Perioden konnten Investoren über ein Jahrzehnt mit einem Aktieninvestment einen realen Wertgewinn erwirtschaften. Die schlechteste Periode war im Zeitraum 2000 (Hoch der Internet-Bubble) bis 2009 (kurz nach Lehman-Pleite). In dieser Zeit verloren Aktien real 3,4% per anno. Wenn man Durchhaltevermögen bewiesen hat, wurde man in der aktuellen Dekade für die Leiden der Nuller-Jahre belohnt. Mit einem realen Ertrag von 10,8% p.a. gehört diese zu den erfolgreichsten Jahrzehnten der Börsengeschichte.

 

In meinem nächsten Blog-Beitrag werde ich auf ein paar andere interessanten Aspekte der empirischen Kapitalmarktforschung von Robert Shiller eingehen!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: josef.obergantschnig@securitykag.at