Das Whisky-Auktionsjahr 2018

29. Mär 2019 | Blog

VON Johannes Moosbrugger

Es gibt momentan keine Anzeichen dafür, dass der sekundäre Whiskymarkt sein Wachstum verlangsamen würde. Es werden mehr Whiskys gehandelt denn je und auch die Preise, vor allem von betagten Abfüllungen, steigen unermüdlich.


Auf den mittlerweile drei Auktionshäusern, die ich verfolge, wurden im Jahr 2018 mehr als 120.000 Flaschen Whisky unterschiedlichster Art und Herkunft gehandelt. Der Fokus liegt dabei natürlich klar auf schottischen und japanischen Single Malts, die in etwa 85% des Marktes ausmachen. In Summe berappten die Käufer dafür 51,5 Millionen Euro. Im Vergleich zu 2017 entspricht dies einer Steigerung von knapp 37%. Es ist übrigens gerade einmal sieben Jahre her, als das gesamte Handelsvolumen lediglich 2,9 Millionen Euro betrug.

 


Quelle: Whiskystats.net


Der sog. Whiskystats Whisky Index (WWI) bildet jeden Monat die Wertänderung der historisch 500 meistgehandelten Whiskys ab. Er stellt somit einen guten Gradmesser für den gesamten Markt dar. Im Unterschied dazu verfolgt der Fab50 Index die Preisänderungen von fünfzig ausgewählten Sammlerflaschen. Dieser Index repräsentiert somit eher das Premium-Segment des Marktes. In der folgenden Darstellung wurden beide Indizes mit Jänner 2018 auf den Wert 100 skaliert. Somit lassen sich die Bewegungen im Laufe des Jahres direkt miteinander vergleichen.

 


Quelle: Whiskystats.net


Die 50 Sammlerflaschen des Fab50 gewannen innerhalb von acht Monaten mehr als 25% an Wert. In den Herbstmonaten des vergangenen Jahres konsolidierten sich die Preise wieder etwas und unser Fab50-Index schloss das Jahr mit ca. +16% ab. Nach einem kurzen Auf und Ab zu Beginn des Jahres gewann auch der WWI von April bis Oktober stark an Wert. In Summe beobachteten wir eine Jahresperformance von +8% für den WWI.


Aber natürlich gewinnen nicht alle Abfüllungen gleichermaßen an Wert. Die entscheidenden Faktoren sind, wie auf allen Sammlermärkten üblich, Qualität und Seltenheit. Bei Whiskys sind beide Eigenschaften dabei eng mit dem Alter bzw. dem Jahr der Destillierung verknüpft. Umso älter, umso seltener. Und auch die subjektive Qualität eines Whiskys korreliert für viele mit der Länge der Fassreifung.

 


Quelle: Whiskystats.net


Und somit überrascht es kaum, dass jene Abfüllungen die vor 1970 gebrannt wurden, die höchsten Preisanstiege verzeichnen. Der Preismedian dieser „Oldies“ stieg von rund 400 Euro im Jahr 2013 auf über 1.000 Euro im Jahr 2018. Selbiges Muster, nur in abgeschwächter Form, gilt für die darauffolgenden Jahrzehnte der 70er, 80er und 90er.


Als Abschluss betrachten wir nun noch die Index-Bewegungen der Top-Brennereien. Dabei fällt sofort auf, dass sich drei Brennereien deutlich absetzen konnten. Dies sind Karuizawa und Yamazaki aus Japan sowie Rosebank aus Schottland, wobei sowohl Karuizawa als auch Rosebank bereits stillgelegt wurden. Die Preise für die meistgehandelten Abfüllungen dieser Brennereien stiegen um mehr als 30% innerhalb eines Jahres.

 


Quelle: Whiskystats.net


Aus den oben abgebildeten Top 15 Brennereien ist Glengoyne tatsächlich die einzige, deren Index das Jahr 2018 im Minus beschloss. Außerdem scheint es, als stagniere das Preisniveau für die legendären Abfüllungen der bereits ebenfalls geschlossenen Port Ellen Brennerei. Die immensen Preissteigerungen der Releases aus dem Hause Macallan dominierten die Jahre 2016 und 2017. Diese Preisrallye scheint nun ein (vorläufiges) Ende gefunden zu haben. In den Herbstmonaten des Jahres 2018 verloren die meistgehandelten Macallans deutlich an Wert.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: johannes.moosbrugger@grawe.at