Chinesischer Anleihenmarkt

29. Mär 2019 | Blog

VON Stefan Donnerer

Anfang April werden erstmals chinesische Staatsbonds und Bankschuldverschreibungen, welche in Renminbi notiert sind, in einen der bedeutendsten Anleihen Indices weltweit - der Bloomberg Barclays Global Aggregate - aufgenommen. Somit werden voraussichtlich zukünftig 5,5% des Index, welche für viele Fondsmanager weltweit eine Benchmark darstellt, aus chinesischen Bonds bestehen. China ist somit in der Indexgewichtung an vierter Stelle hinter den USA, der Euro-Zone und Japan. Dieser Schritt kommt nicht überraschend, da der chinesische Bondmarkt mit einer Kapitalisierung von 12 Billionen Dollar bereits den drittgrößten Markt weltweit darstellt und Experten eine Verdoppelung innerhalb der nächsten 4 Jahre voraussagen. Zum Vergleich: Deutschland und Frankreich weisen gemeinsam insgesamt 4 Billionen USD Staatsanleihen aus, welche derzeit am Markt gehandelt werden.

 

Die Frage ist nur, ob der chinesische Anleihenmarkt dafür überhaupt bereit ist. Vor allem chinesische Unternehmensanleihen stellen für viele Investoren derzeit eine Büchse der Pandora dar. Die Zahlungsausfälle dieser haben sich von 2017 auf 2018, gemessen am Volumen, um 250% gesteigert, wie folgender Grafik entnommen werden kann:

 

Quelle: Reuters

 

Wie unerwartet diese Zahlungsausfälle eintreten, zeigt die staatsfinanzierte Minsheng Investment Group, die nicht fähig war, ihre ca. 400 Mio. EUR große Anleihe trotz eines AAA-Ratings von Shanghai Brilliance Credit Rating zu tilgen. Einen Monat später konnte die Qinghai Provincial Investment Group ihren Kupon nicht begleichen, trotz eines AA-Ratings von drei verschiedenen chinesischen Rating Agenturen.

 

Diese zwei Fälle decken auch die Schwäche des chinesischen Anleihenmarktes auf: Das Rating von chinesischen Emittenten von lokalen Rating-Agenturen weist derzeit ein großes Verbesserungspotential auf und kann derzeit unmöglich als verlässlicher Indikator für die Kreditwürdigkeit von Unternehmen herangezogen werden. Dies geht sogar so weit, dass im letzten August Dagong, eine mitunter staatliche finanzierte Rating-Agentur, untersagt wurde, ihre Kerntätigkeit, die Bonitätsprüfung von chinesischen Emittenten, für ein Jahr auszuüben.

 

Das Problem hinter dem derzeitigen Ratingsystem in China ist, dass die lokalen Ratingagenturen hinter den Emissionen von lokalen Behörden und Provinzen und sogar Unternehmen meist eine Staatsgarantie vermuten, obwohl die chinesische Regierung bereits 2015 verkündet hat, dass dies definitiv nicht der Fall sei und diese Anleihen wie herkömmliche Unternehmensanleihen zu bewerten sind.

 

Dies führt zu der Eigenheit, dass derzeit mehr als 40 Prozent der chinesischen Unternehmensanleihen mit „AAA“ bewertet sind und Bonds welche nur ein „AA“-Rating aufweisen, als Ramsch-Bonds am chinesischen Anleihenmarkt gelten. Im Vergleich dazu: Im gesamten US-Markt sind derzeit nur 2% der Emissionen mit „AAA“ bewertet.

 

Aufgrund der Ineffizienz in diesem Markt stehen bereits die großen amerikanischen Rating-Agenturen in den Startlöchern und versuchen den chinesischen Markt für sich zu gewinnen. Allerdings ist dies nur mit staatlicher Genehmigung möglich. S&P ist die erste Rating-Agentur, die diese heißbegehrte Lizenz im Februar 2019 erhalten hat und somit zukünftig chinesische Unternehmen raten darf. Auch Moody´s und Fitch haben bereits ebenfalls um eine Genehmigung angesucht und möchten in diesem Milliardenmarkt mitmischen.

 

Es wird sich zeigen, ob die Rating-Agenturen es schaffen werden, eine Bonitätsprüfung zu erstellen, auf welches sich internationale Investoren verlassen können und gleichzeitig das Geschäft in einem Markt ausbauen, der wahrscheinlich nicht immer die ganze Wahrheit über ihre Kreditwürdigkeit zulässt. S&P hat bereits angekündigt, dass chinesische Unternehmen und Behörden nach denselben Standards und Transparenzrichtlinien wie üblich geprüft werden, allerdings sollen einige Anpassungen am Rating-System durchgeführt werden, um dieses an die lokalen Gegebenheiten anpassen zu können. Welche Anpassungen dies sind, wird allerdings nicht bekanntgegeben.

 

Rating-Agenturen müssen somit in Zukunft einen schmalen Grat meistern, um Marktanteile in China zu gewinnen und gleichzeitig ihre derzeitigen Standards einhalten zu können. Es bleibt dennoch spannend, wie viele der vermeintlich „AAA“ bewerteten Unternehmen in Zukunft einen Zahlungsausfall erleiden und welche Bonitätsstufe sie dabei von den großen etablierten Rating-Agenturen erhalten haben.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.donnerer@securitykag.at