Buy-Back Eldorado USA

12. Apr 2019 | Blog

VON Joachim Waltl

Eine Vielzahl an Studien belegt, dass Aktienrückkäufe einen positiven Einfluss auf den Kursverlauf haben. Nach Morgen Stanley entwickeln sich Aktien in den zwölf Monaten nach der Ankündigung der Maßnahme durchschnittlich besser als der Markt. Mit dem zunehmenden Unmut der US-Politiker über das Ausmaß der Aktienrückkäufe in Amerika, wie bei Apple oder IBM, und der politische Ruf nach Regulierung hat jüngst Goldman Sachs den Einfluss der Rückkäufe auf amerikanische Aktien geprüft.

 

Schon in den letzten Jahren sollen amerikanische Unternehmen die größten Käufer ihrer eigenen Aktien gewesen sein. 2018 vergüteten sie ihren Aktionären über Dividenden und Rückkäufe fast eine Billion USD. Das ist mehr als das doppelte österreichische Bruttoinlandsprodukt. Ein Großteil der US-Steuerreform von 2017 wurde somit über Rückkäufe an Aktionären weitergegeben.

 

Quelle: Goldman Sachs

 

Dieses Ausmaß der Aktionärsvergütungen erregt mittlerweile auch die Aufmerksamkeit des US-Senats der ansonsten kapitalmarktfreundlichen Nation. Der Ruf nach regulatorischen Beschränkungen wird lauter, nachdem in den letzten 5 Jahren US-Unternehmen kumuliert mehr als das BIP von Deutschland oder Japan bzw. fast 60% des BIPs der gesamten Eurozone an ihren Eigentümern verteilten.

 

Der republikanische Senator aus Florida veröffentlichte einen Plan, der die Anreize für Rückkäufe einschränken sollte. Der demokratische Senator aus Maryland möchte hingegen den Verkauf von sogenannten Executive-Shares regulieren, wenn Unternehmen ein Rückkaufprogramm verabschiedet haben. Damit verbessert das Management nur seine Bonifikation, die zu einem guten Teil in Aktien bezahlt werden. Der bisherige Höhepunkt war, dass der US-Senat Ende März 2019 Anhörungen über ein gesetzliches Verbot von Aktienrückkäufen einberief.

 

Quelle: Goldman Sachs, IMF, Security KAG

 

Die Antwort von Goldman Sachs folgte prompt. Die Investmentbank malte ein düsteres Bild für den US-Aktienmarkt, sollten Aktienrückkäufe zur Gänze verboten werden. Die mögliche Einschränkung von Rückkäufen hätte wahrscheinlich fünf Auswirkungen auf den US-Aktienmarkt: langsamer Gewinn je Aktie (EPS), M&A und Schuldentilgung, Erweiterung der Aktienhandelskursspanne, allgemeine Verringerung der Nachfrage nach Aktien und niedrigere Unternehmensbewertungen.

 

Seit 2010 sind Aktiengesellschaften über Rückkäufe der größte Investor in den USA nach Goldman Sachs. Internationale Investoren, Pensionskassen und Investmentfonds reduzierten in den letzten drei Jahren sogar ihre Aktienpositionen. Zu den Käufern gehörten Exchange Traded Funds, private Haushalte und „vor allem“ eben jene Unternehmen, die eigene Aktien zurückkauften. Nach der größten Investmentbank verbessern sich die Gewinne je Aktie wegen der reduzierten Anzahl der Aktien durch die Rückkäufe durchschnittlich um ungefähr 2,5%. Historisch bedeutete ein Rückgang der Gewinne je Aktie um 2,5% eine Bewertungsanpassung auf einstellige KGVs. Vom derzeitigen erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 Indizes von 18,5 wäre dies ein weiter Weg nach Süden. Verglichen dazu notieren derzeit Aktien in Europa bei überschaubaren Rückkäufen gemessen am Eurostoxx 600 Index auf einem erwarteten KGV von 14,3.

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: joachim.waltl@securitykag.at