Anleihen-Emissionen 2019

31. Mai 2019 | Blog

VON Stefan Donnerer

Obwohl es das Wetter in Graz derzeit nicht vermuten lässt, steht bereits der Juni vor der Tür. Zeit, um einen kleinen Rückblick auf die bereits fünf vergangenen Monate zu werfen und den internationalen Anleihenmarkt, insbesondere die Neuemissionen, genauer zu betrachten.

 

Hierfür wurden per Stichtag 27. Mai alle Neuemissionen, welche 2019 am Kapitalmarkt platziert wurden, ausgewertet und anschließend mit denen vom Vorjahr im selben Zeitraum verglichen. Ausschlusskriterium für die untersuchten Anleihen war eine Mindestemissionsgröße von 100 Mio. USD und es durfte sich um kein Private Placement handeln. Zudem wurden nur die größten 9 Währungen berücksichtigt.

 

Die Datenbank für 2019 umfasst somit 6.891 Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 6,34 Bio. USD. Im Vergleich dazu: Im Jahr 2018 wurden 3.150 Emissionen mit einer Gesamtgröße von 3,71. Bio. USD platziert. Somit haben sich die Neuemissionen, gemessen an der Untersuchungsperiode, im Vergleich zum Halbjahr fast verdoppelt!

 

Dank günstiger wirtschaftlicher Bedingungen (Hochkonjunktur, geringe Arbeitslosigkeit) wird derzeit so viel Kapital wie noch nie von den Unternehmen nachgefragt. Das historisch niedrige Zinsumfeld erübrigt den Rest und somit wächst die Verschuldungsrate von Staaten sowie auch privater Unternehmen massiv.

 

Abbildung: Emissionsvolumen nach Land (Domizil)

Quelle: Eigene Berechnungen, Thomson Reuters, Stichtag: 27.05.19

 

Den größten Anteil an den Neuemissionen hat, wie auch bereits im Vorjahr, die USA. Gemessen am Gesamtvolumen kommt durchschnittlich jede 2. Anleihe aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Zudem kann beobachtet werden, dass durchwegs fast alle Länder erhöhte Emissionstätigkeiten im Vergleich zum Vorjahr aufweisen können. Auch in Österreich wurden heuer bereits mehr als 45 Mrd. USD emittiert, was einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

 

Abbildung: Emissionsvolumen nach Währungen

Quelle: Eigene Berechnungen, Thomson Reuters, Stichtag: 27.05.19

 

Betrachtet man die Aufteilung nach Währungen, ist sofort ersichtlich, dass der US-Dollar eindeutig die favorisierte Wahl der Emittenten ist und im Vergleich zum Vorjahr sogar einen leichten Zuwachs verzeichnen kann. Anleihen, die nicht in US-Dollar, Euro oder Pfund notieren, sind auch 2019 weiterhin eher die Ausnahme.

 

Abbildung: Laufzeitenstruktur der Neuemissionen

Quelle: Eigene Berechnungen, Thomson Reuters, Stichtag: 27.05.19

 

Im nächsten Schritt wird die Laufzeitenstruktur der Emissionen nach Währungen in einem Boxplot dargestellt. Um die Grafik aussagekräftiger zu gestalten, wurden hier Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als 75 Jahren entfernt. Im schattierten Bereich der jeweiligen Währung entfallen 75% der Emissionen, der durchgezogene vertikale Strich stellt den Median dar.

 

In dieser Darstellung fällt auf, dass sowohl der US-Dollar als auch der Euro deutlich kürzere Restlaufzeiten als 2018 aufweisen, obwohl das aktuelle Zinsniveau auf einem tieferen Stand als im Vorjahr ist und somit eine günstigere Refinanzierung längerfristig sicherbar wäre.

 

Abbildung: Emissionsvolumen nach Emittententyp

Quelle: Eigene Berechnungen, Thomson Reuters, Stichtag: 27.05.19

 

Im Jahr 2019 wurden bis dato mehr als 52% aller Emissionen von Staaten oder Zentralbanken begeben, was einer Steigerung von mehr als 1,5 Bio. USD im Vergleich zum Vorjahr entspricht. An erster Stelle steht hierbei die Regierung der USA, welche alleine für 38,9% aller Emissionen verantwortlich ist. An zweiter Stelle folgt das Land Italien, das heuer bereits 19 neue Anleihen mit einem Volumen von 163 Mrd. USD begab und somit knapp vor Frankreich liegt.

 

Abbildung: Emissionsvolumen von Unternehmen nach Sektoren

Quelle: Eigene Berechnungen, Thomson Reuters, Stichtag: 27.05.19

 

Bei der Darstellung der Neuemissionen von Unternehmen auf Sektoren-Ebene sind keine großen Schwankungen festzustellen. Lediglich Financials, also Banken und Versicherungen, waren heuer bereits umtriebiger am Kapitalmarkt und benötigten ein Billion USD mehr im Vergleich zum Vorjahr.

 

Abbildung: Emissionsvolumen nach durchschnittlicher Rating-Klasse

Quelle: Eigene Berechnungen, Thomson Reuters, Stichtag: 27.05.19

 

In oben angeführter Grafik ist das Emissionsvolumen nach durchschnittlicher Rating-Klasse dargestellt. AAA bewertete Anleihen sind hier für den größten Teil der Emissionen verantwortlich. Dies ist vor allem auf die Emissionen von den Vereinigten Staaten von Amerika zurückzuführen. Den zweitgrößten Teil stellen bereits Anleihen ohne Rating dar.

 

Abbildung: Emissionsvolumen von Unternehmen nach durchschnittlicher Rating-Klasse

Quelle: Eigene Berechnungen, Thomson Reuters, Stichtag: 27.05.19

 

Werden die Neuemissionen nur auf Unternehmensanleihen gefiltert, so verändert sich die Ratingaufteilung erheblich. Es verbleiben zwar ca. 10% AAA-geratete Anleihen, diese sind allerdings Emissionen, die durch Realwerte (z.B. Hypothekenpfandbrief) gesichert sind. Die größte Veränderung stellt der „A“ – Bereich dar, welcher fast um 100 Mrd. USD gestiegen ist.

 

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die stärkste Veränderung im Vergleich zum Vorjahr das deutlich angestiegene Emissionsvolumen der Anleihen darstellt. Grund hierfür ist, dass sich die Anzahl der Neuemissionen am Markt zu 2018 verdoppelt hat. Vor allem Staaten nutzen das derzeitig niedrige Zinsniveau, um sich günstig refinanzieren zu können. Interessanterweise hat die Laufzeit der neu emittierten Anleihen jedoch in US-Dollar und Euro abgenommen. Der Anteil an nicht in USD-, EUR- und GBP denominierten Anleihen am Gesamtmarkt bleibt schwindend klein, was durchaus auch Ertragspotentiale in diesem Bereich ermöglicht. Aufgrund der stark steigenden Anzahl von Neuemissionen ist es umso wichtiger, den Rentenmarkt tagtäglich zu beobachten, um mögliche Opportunitäten bestmöglich nützen zu können.

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: stefan.donnerer@securitykag.at