Der Einzelfall und die liebe Emotion

11. Jun 2019 | Blog

VON Kevin Windisch

Der Begriff des Einzelfalls scheint ein Phänomen zu sein, das in letzter Zeit vermehrt auftritt, wenn man die Medienlandschaft betrachtet. Fast schon spöttisch wird immer wieder über die Häufung von Einzelfällen in Politik und Gesellschaft berichtet. Das ist jedoch nicht mein Metier. Ich kümmere mich lieber um die mittleren Probleme, um es mit Olaf Schubert zu halten, und beziehe mich in diesem kurzen Text auf einen journalistischen Einzelfall, der im Kontext des Geschriebenen wirklich zu verurteilen ist.

 

Die folgenden Original-Zitate sind von „Science ORF“:

  • „Fertiggerichte machen dick – Burger, Würstel und Co sind stark verarbeitete Lebensmittel: Wer sich ausschließlich von diesen ernährt, nimmt in nur 14 Tagen fast ein Kilo zu im Vergleich zu Menschen, die frische Lebensmittel essen – das zeigt eine bisher einzigartige Studie.“
  • „Diese Resultate waren sehr eindeutig. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit stark verarbeiteten Nahrungsmitteln nahmen im Schnitt pro Tag 508 Kalorien mehr zu sich als die anderen. Das erklärte auch ihre Gewichtszunahme von fast einem Kilogramm nach nur zwei Wochen.“

 

Quelle: science.orf.at

 

Ich war, um ehrlich zu sein, schockiert, als ich das gelesen habe. Wer hätte gedacht, dass Burger und Co. für unsere Gewichtszunahme mitverantwortlich sein könnten? Wie gut, dass es Wissenschaftler gibt, die sich diesen wesentlichen Fragen annehmen.

 

Warum berichte ich Ihnen darüber? Nun, da das Thema Essgewohnheiten auch mit Selbstbeherrschung zu tun hat, kann indirekt ein Zusammenhang mit unseren Fähigkeiten im Asset Management gezogen werden. Denn wie sich herausstellt, gibt es ein Autorenteam rund um Charline Uhr von der Goethe Universität in Frankfurt, das sich dem Thema Selbstbeherrschung und Investmentscheidungen angenommen hat. Konkret geht es um die Analyse von Entscheidungen, die von Rauchern bzw. Nichtrauchern getroffen wurden. Die zugrundeliegende Frage ist, welche Auswirkungen die Fähigkeit zur Selbstkontrolle auf Investmententscheidungen hat.

 

Der sehr gut geschriebene Artikel kommt zum Fazit, dass Raucher wesentlich häufiger traden als Nichtraucher und darüber hinaus niedrigere Erträge erwirtschaften. Menschen, die weniger Selbstkontrolle haben, treffen also vermehrt Fehlentscheidungen bzw. haben auch eine niedrigere Hemmschwelle bei der Entscheidungsfindung. Insofern scheint unsere Ernährung also wirklich etwas über unseren Investmentstil auszusagen, da es auch da um Selbstkontrolle geht. Aufgrund dieses Ergebnisses müsste eigentlich noch die Frage geklärt werden, ob häufige Handelsaktivitäten prinzipiell niedrige Erträge zur Folge haben. Das kann ich ohne die Datenbasis der Studie aber nicht sinnvoll beantworten, ohne dabei ins Spekulative abzugleiten. (Link zur Studie)

 

Die häufigsten und schwersten Fehler in der Veranlagung werden aufgrund von Emotionen gemacht. Angst, Gier, Hochmut und Selbstüberschätzung sind gefährliche Ratgeber. Selbstkontrolle und -disziplin sind daher gerade im Asset Management unabdingbar. Allerdings zeigt sich in Krisenzeiten und auch in Zeiten von Blasenbildungen, dass es für Menschen nicht so leicht ist, sich tatsächlich im Griff zu haben. Auch oder vielleicht gerade Profis sind davon nicht ausgenommen. Deswegen kristallisiert sich immer stärker heraus, dass ein Investmentprozess von Vorteil ist, der die menschliche Emotion weitestgehend eliminiert. Viele Manager wollen das nicht hören. Die Zahlen sprechen aber für sich.

 

Ähnlich wie Superfoods und gesunder Lifestyle immer mehr in Mode kommen, wird das auch in der Finanzbranche stattfinden, im übertragenen Sinne versteht sich. Klar strukturierte, transparente und finanzmathematisch ausgefeilte Methoden werden immer populärer werden, so meine Prognose, weil sich am Ende die bessere Qualität durchsetzt. Zum Abschluss möchte ich noch ein Zitat von Alfred Polgar mit Ihnen teilen, das mich beim Verfassen des Textes gedanklich immer begleitet hat: „Es hat sich bewährt, an das Gute im Menschen zu glauben, aber sich auf das Schlechte zu verlassen.“

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: kevin.windisch@securitykag.at