Top Rank – Top Bank

23. Aug 2019 | Blog

VON Alfred Kober

Die Finanz- und Wirtschaftskrise liegt nunmehr über 10 Jahre hinter uns und die Konsolidierung am Finanzsektor schreitet seither unentwegt voran. Das grobe Muster zeigt dabei eine vernichtende Entwicklung des europäischen Bankensektors, zumindest was die großen börsennotierten Institute betrifft. Faktoren wie demographische Entwicklungen, ein immer Mehr an Regulierung und Vorschriften oder auch einfach die unterschiedliche Geschwindigkeit bei der Aufarbeitung von Altlasten haben binnen weniger Jahre zu einer enormen Kräfteverschiebung unter den globalen Banken geführt. Um das Ausmaß dieser Veränderungen einordnen zu können, empfiehlt sich ein kurzer Blick auf die nachstehende Grafik, die den Börsenwert der 30 größten Banken dieser Welt widerspiegelt. Aus einer europäischen Perspektive ist die Entwicklung vernichtend, denn auf globaler Ebene spielen heimische Institute noch eine äußerst untergeordnete Rolle. Mit dem Abstieg einiger sehr bekannten Namen in der DACH-Region sind europäische Banken am großen internationalen Parkett mehr oder weniger nicht mehr anzutreffen.

 


Quelle: Visual Capitalist, McKinsey & Company


Die Grafik bestätigt diese traurige Tatsache – auch das traditionelle britische Banking musste erheblich Federn lassen. Ganz im Gegenteil dazu ist der Wert der US-amerikanischen Institute sukzessive angestiegen und vereinnahmt nunmehr stolze 36% des Wertes der Top 30 Banken. Im Fahrwasser des wachstumsstarken Asiens und den damit verbundenen Wohlstandsanstiegen gewinnt auch das Banking im bevölkerungsreichen China zunehmend an Bedeutung. Immer mehr chinesischen Banken gelingt der Sprung in die Top-Liga. Der demographische Rückenwind ist ebenso an den Zuwächsen in den Emerging Markets zu erkennnen.


Im Rahmen der immer stärker durchdringenden Digitalisierung schrumpft/konsolidiert das internationale Banking zu einem von wenigen Instituten dominierten globalen Dorf. Den Konsumgütern sehr ähnlich, steigt dabei die Bedeutung der Marke – ist doch der Kunde oft nur einen Mausklick von einer Geschäftsbeziehung entfernt. Speziell in diesem Umfeld positionieren sich Fintechs als die „Banken der Zukunft“ und setzen dem traditionellen Banking zusehends zu. Angesichts dessen gewinnt das Thema der optimalen Markenbildung auch bei Finanzinstituten wesentlich an Bedeutung.


Im Einklang mit der ersten Grafik, in der die Bankinstitute am Börsenwert gereiht wurden, gibt die folgende Darstellung einen Aufschluss über die Top Banking-Marken – Ähnlichkeiten sind unübersehbar. China und USA dominieren das Ranking – HSBC als „europäisches Institut“ wird mit dem höchsten Markenwert eingestuft.

 


Quelle: Visual Capitalist Inc


War das immer so? Nein, definitiv nicht. Ebenso wie der Verlauf der Börsenkapitalisierung zeigt auch die Entwicklung des Markenwertes in den letzten 10 Jahren signifikante Verschiebungen. Parallel zum Marktwert stieg auch der Markenwert chinesischer Bankinstitute rasant an. War lediglich die chinesische ICBC zum Ende der Finanzkrise top gereiht, tummeln sich mittlerweile 5 chinesische Banking-Marken unter den globalen Top 10. HSBC büßte in dieser Zeit ganze 9 Plätze ein. Kontinentaleuropäische Marken/Institute sucht man vergebens.

 


Quelle: Visual Capitalist Inc., Brand Finance


Der Trend ist eindeutig und wird sich sehr wahrscheinlich in dieser Art weiter fortsetzten. Auch 10 Jahre nach der Krise sind europäische Institute immer noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Sicherlich, ein „Sehr groß“ muss nicht unmittelbar auch mit einem „Sehr gut“ einhergehen. Die globale Wirtschaft wächst und auch die politisch angestoßenen Entglobalisierungsversuche werden wohl der internationalen Verschränkung keinen unmittelbaren Abbruch bescheren. Mit größeren globalen Konzernen steigt tendenziell ebenso die Größe und Komplexität der Geschäfte und damit der Bedarf an international agierenden starken und professionell geführten Finanzinstituten. Vor allem letzteres hat sich seit den Krisenjahren doch erheblich gebessert – besonders auch in Europa.

 

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: alfred.kober@securitykag.at