„Wahrschau!“

03. Sep 2019 | Blog

VON Kevin Windisch

Was Frank-Walter Steinmeier vielleicht an seine Gedenkrede zur Verantwortung Europas zum 80. Jahrestages des Überfalls auf Polen erinnert, hat Greta Thunberg in den letzten Wochen vermutlich etwas anders interpretiert. Ist die Seefahrersprache eigentlich universal oder gibt es auch hier Unterschiede zwischen den Sprachen? Der Begriff „Wahrschau!“ heißt so viel wie „Achtung!“ oder „Vorsicht!“ auf einem Schiff. Wahrschau! Unserem Klima geht’s schlecht! Das viele CO2 stimmt uns im Sommer bedenklich, aber nur wenn es draußen sehr warm ist. Roger Köppel ist SVP-Nationalrat (Schweiz) sowie Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung „Weltwoche“. Er lässt mit einigen Aussagen zum Klimawandel aufhorchen. So formuliert er zum Beispiel auf die Frage, ob ihm nie Selbstzweifel kommen, wenn er den menschenverursachten Klimawandel verneint, folgende Worte:

 

„Ich betrachte einfach die unbestrittenen Fakten. Seit Ende der kleinen Eiszeit um 1860 hat sich das Weltklima nur um knapp ein Grad Celsius erwärmt. Es gab in der Geschichte schon viel größere Schwankungen. Die Hälfte des Anstiegs passierte zwischen 1910 und 1940, obschon der CO2-Gehalt damals viel tiefer war als heute. Danach kühlte es wieder ab trotz immer mehr CO2. Wie heiß es in den Dreißigerjahren war, dokumentiert zum Beispiel John Steinbeck in seinem Klassiker „The Grapes of Wrath“.“

 

Nun gut, das Thema ist eine ziemlich heiße Kartoffel. So scheinen doch 5 von 4 wissenschaftlichen Studien zu belegen, dass es wärmer wird. Der Beweis, ob die Korrelation zwischen Erwärmung und Anthropozän, sprich dem Einfluss des Menschen auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse dieser Welt einander kausal bedingen, mag jedoch so gar nicht gelingen. Zumindest nicht nach meinem momentanen Wissensstand. Dass diese Zweifel den ökonomischen Bestrebungen vieler NGOs und anderer Interessensvertretern nicht gelegen kommen, möchte ich dabei bewusst nicht erwähnen. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle sehr wohl, dass ich an eben diesen kausalen Zusammenhang glaube, auch wenn er sich mit unseren begrenzten wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisen lässt. Das ganze Thema muss jedoch größer gedacht werden. Es lässt sich unbestritten festhalten, dass unser Planet krankt. Plastikmüll, Überfischung (rund 93% des Mittelmeeres sind überfischt!!), Atommüll und Naturkatastrophen (Waldbrände, Wirbelstürme, etc.) sind nur die Spitze des Eisberges an Problemen, die unsere Welt zu haben scheint und das geht weit über den CO2-Verbrauch hinaus.

 

Ich möchte daher den Blick weg vom CO2 lenken und den großen Zusammenhang in den Fokus rücken, auch wenn das neue Probleme mit sich bringt, wie Sie gleich feststellen werden. Die Vereinten Nationen haben sich vor kurzem darauf geeinigt, eine Agenda 2030 zu erstellen und die 193 Unterzeichner-Staaten in die moralische Pflicht zu nehmen, diese auch anzustreben. Kontrollmechanismen gibt es da leider nicht, aber immerhin einen Konsens. Diese Agenda 2030 ist in den sogenannten Sustainable Development Goals zusammengefasst. Im folgenden Chart sehen Sie einen Überblick über die 17 Ziele.

 

Quelle: Vereinte Nationen

 

Ich mag die SDGs, wie sie auch genannt werden. Primär deswegen, weil ich die Bilder wirklich schön finde, das meine ich ernst. Gewisse Themen lassen sich leichter in die Breite bringen, wenn sie schön bzw. leicht zu verkaufen sind. Und das ist bei den SDGs der Fall. Darüber hinaus sind hier natürlich Ziele definiert, die man als vernünftig denkender und handelnder Mensch nur schwer verurteilen kann. Mit vielleicht ein paar kleinen Abstrichen sind die hier formulierten Themen tatsächlich höchst relevant und würden auch zu einer besseren Welt führen, so die Ziele erreicht werden (können).

 

Grund genug auch für die Investmentbranche das Thema am Radar zu haben. So gibt es mittlerweile schon erste Gehversuche, die SDGs in den Investmentprozess zu integrieren. Prinzipiell finde ich das spannend, da man so die theoretische Möglichkeit bekommt, ganz gezielt gewisse Themen zu fokussieren und auch die Hoffnung zu nähren, den berühmten „Impact“ zu generieren. Ob das in der Praxis auch ankommen wird, ist dabei jetzt noch nicht absehbar.

 

Ich sehe dabei zwei große Probleme:

  • Erstens muss die Schwungkraft deutlich höher sein, sprich: mehr Gelder in den Bereich investiert werden. Da müsste der Regulator ansetzen. Denn wenn es verpflichtend ist, hat man gar nicht mehr die Möglichkeit Opportunitäten im nicht nachhaltigen Bereich zu identifizieren.
  • Ein zweites Problem stellt außerdem die Heterogenität der Ziele dar. Da hier so ein breites Spektrum an Zielen definiert wurde, ist es für Einzelunternehmen sehr schwer bzw. fast unmöglich in allen Bereichen „gut“ zu sein. So gut wie jedes Unternehmen wird einen Bereich finden, in dem es stark ist und es kann somit sehr einfach eine Argumentation für jegliche „Schandtat“ gefunden werden. Das beste Beispiel für mich ist Monsanto, das für sich behaupten wird, das nachhaltigste Unternehmen zu sein, da es ja den Hunger (SDG 2) bekämpfe. Bei uns in der Security KAG steht Monsanto (Bayer) auf der Blacklist, da wir den ÖGUT-Responsible Investment Standard einhalten und es ist daher nicht in unseren Portfolios zu finden.

 

Allein dieses Beispiel zeigt die Herausforderung bei der Konstruktion eines wirklich sauberen Portfolios. Wir sind gerade dabei, die SDGs zu analysieren und erhoffen uns einen Weg zu finden, das Thema seriös und sauber darzustellen. Gerne halten wir Sie, wie üblich, auf dem Laufenden.

 

In diesem Sinne, einen guten Start in das neue Schuljahr!

Hier können Sie den Verfasser gerne kontaktieren: kevin.windisch@securitykag.at